Projektfortschritt Schritt für Schritt verfolgen

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“Es geht voran” – heute in der Choki Traditional Arts School, die Schule für Kinder aus verarmten Regionen in Bhutan eine Berufsausbildung ermöglicht und die für Stephan und mich am Anfang von betterplace.org stand. Im letzten Jahr veranstalteten die Jugendlichen von betterplace junior eine Reihe von Aktionen, von einem Gebäckstand an ihren Schulen und Flohmarktverkäufen bis hin zu einer gemeinsamen Veranstaltung mit Alba Berlin und Vattenfall Europe, bei denen über 4.000€ zusammenkamen.

Vor 2 Monaten fingen die Bauarbeiter gemeinsam mit Schülern der Choki Arts School mit der Konstruktion des Platzes an – heute informiert die Schulleiterin Sonam Choki betterplace-Spender über den Projektfortschritt in Wort und Bild.

Und als spezielles Dankeschön erreichte die Jugendlichen dann noch ein großes, schweres Paket aus Bhutan: die Schüler der Choki School, die in den traditionellen Künsten des Landes, Malerei und Schnitzerei, unterrichtet werden, haben für alle betterplace juniors kleine Masken geschnitzt und ihnen geschenkt.

VIELEN DANK!

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Daniela, Tim, Rebecca, Komang, Lilian and Vico from betterplace junior

Praktikant/in im Product Management gesucht

Wir suchen eine/n motivierte/n Hochschul-Studenten/in, die/der als Praktikant/in unser Konzeptionsteam verstärkt!
Zu Deinen Aufgaben zählen insbesondere das Testen von neu entwickelten Features für die Website der betterplace-Stiftung und ihrer Kooperationen. Du bist dabei direkte/r Ansprechpartner/in des Entwickler-Teams. Das Produkt- und Projektmanagement umfasst zudem die Konzeption und Spezifizierung von Anforderungen verschiedener Stakeholder, sowie Unterstützung im täglichen, operativen Geschäft.

Des Weiteren zeichnest Du Dich durch folgende Eigenschaften und Qualifikationen aus:

• (Fach-/BA-) Hochschulstudium im Bereich Informatik, Wirtschaftsinformatik und/oder Betriebswirtschaft
• Hervorragendes Know-how im Internet hinsichtlich Markt, Trends und Technologien
• Kenntnisse im Produkt- und Qualitätsmanagement, insbesondere im Ausbau von WEB 2.0-Elementen
• Kenntnisse über Webseiten-Architektur, Usability und Testing-Tools
• Ausgeprägte analytische und konzeptionelle Denkweise sowie strukturiertes, systematisches Arbeiten
• Durchsetzungsfähigkeit, Organisationstalent und eigenverantwortliches Arbeiten

Bist Du engagiert, teamfähig und hast Lust die Welt zu verändern? Dann sollten wir uns kennen lernen. Bitte maile Deine aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen unter Angabe des schnellstmöglichen Eintrittstermins und Deiner Gehaltsvorstellung.

Kultur und Entwicklung

Der amerikanische Anthroplogie-Blog Savage Minds hat Pál Nyíri und mich als Gastblogger eingeladen. Unser letzter Beitrag (in Englisch) könnte auch für betterplace blog-Leser von Interesse sein, da er sich damit beschäftigt, welchen Einfluß “Kultur” auf Entwicklung hat.

Verdrängt Haiti-Hilfe Spenden für andere Projekte?

In seinem Beitrag zur Haiti-Hilfe prognostizierte Alexander Glück, “Initiativen, die nicht in Haiti engagiert sind, stehen vor einem Spendeneinbruch”. Diese Frage haben wir auch im Team diskutiert – und auf der Basis von betterplace.org analysiert.

Mehr Spenden für Haiti – mehr Spenden für andere Projekte
Und siehe da, das Gegenteil ist der Fall! Im Vergleich zu den Vormonaten weisen unsere Zahlen zwischen dem 15. – 26. Januar 2010 ganz eindeutig darauf hin, dass viele Menschen, die auf Haiti-Projekte gespendet haben, zur gleichen Zeit auch noch andere Projekte unterstützen. Sind sie erstmal auf der Plattform und in Spendenlaune schauen sie sich auch Projekte an, die nichts mit Katastrophenhilfe zu tun haben und drücken auf den Spendenknopf.

Engagement ist offensichtlich kein Nullsummenspiel. Und das freut uns sehr!

Fachgespräch zu Moyos Dead Aid: Probleme bleiben ungelöst

Gestern lautete die Frage des Abends: „Tödliche Hilfe oder hilfreiche Totengräber?“ Das Haus der Demokratie in Berlin hatte zu einem Fachgespräch geladen, bei dem Professor Theo Rauch vom Institut für Geographische Wissenschaften der FU Belin einen Vortrag hielt über das Buch „Dead Aid“ von Dambisa Moyo. (Joana hat das Buch hier kurz auf Deutsch und hier ausführlicher auf English im betterplace-Blog rezensiert.)

Gleich zu Anfang erklärte Rauch, wieso Moyo mit ihren Thesen solch eine große Aufmerksamkeit erfuhr. Entwicklungshilfe hat nicht nur die Tendenz zu entmündigen. Besonders in Afrika ist sie auch verantwortlich für für Korruption, disfunktioniale Staaten und somit die stagnierende oder sogar steigende Armut der Menschen, meint Moyo, die aus Zambia stammt, und in Harvard und Oxford Wirtschaftswissenschaften studiert hat. Trotz einer Billion US-Dollar, die seit dem zweiten Weltkrieg nach Afrika geflossen sind, wächst die Wirtschaft dort nicht. Die größte Pro-Kopf-Hilfe steht der geringsten Entwicklungsdynamik entgegen.

Moyo ist nicht die erste – aber die lauteste

Rauch merkte an: Moyo ist nicht die erste, die Entwicklungspolitik kritistiert. Schon in den 80er Jahren prangerte der ungarisch-britische Ökonom Professor Peter T. Bauer die Ineffizienz der Entwicklungshilfe an. Manfred Nitsch sagte zur gleichen Zeit: „Hilfe regt zum Schlangestehen an.“ Selbst der Buchtitel ist nicht neu: Brigitte Erler nannte Ihre Kritik ebenfalls „Tödliche Hilfe“.

Moyo wurde jedoch besonders viel Gehör geschenkt, weil sie – relativ undifferenziert –zuspitzt und provoziert. Der Experte mag die Vereinfachungen Moyos kritisieren, aber das ist ihre Methode, mit der sie ein breites Publikum erreicht. Und ihre Kernthese – dass Entwicklungshilfe ineffizient ist – wird dadurch nicht angreifbar, sagte Rauch. Moyo, die bei der Weltbank und Goldman Sachs gearbeitet hat, setze aber zu viele Hoffnungen allein auf einen liberalen Markt, reduziere zu sehr auf Geldströme. Dead Trade sei keine Alternative, so Rauch.

Er beschrieb das Spannungsfeld der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) mit verschiedenen Wortpaaren recht treffend: Solidarität gegen Eigenständigkeit, Fördern gegen Fordern und NGOs stehen oft zwischen Überförderung und Überforderung. Ein Spannungsfeld, das auch andere Bereiche, etwa die Arbeitslosenunterstützung betrifft. Ebenfalls ein ungelöstes Problem: Die Entwicklungshilfeindustrie wächst weiter, stellt weiter Leute ein. Doch wird sich kaum einer mit Herzblut für die mittelfristige Unabhängigkeit seiner Projekte einsetzen, wenn er damit seinen eigenen Job gefährdet.

Versuch macht kluch?

Nach Rauchs Vortrag kommentierten weitere Experten Moyos Buch. Jürgen Zattler, Leiter des Referats Weltbank, IWF, Entschuldung beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, merkte an, dass die Diskussion einen zu großen Rahmen habe. Man kann nicht ein komplexes Feld wie die Entwicklungszusammenarbeit als Ganzes pauschal aburteilen. Besser sollte im Detail geklärt werden, wie sie verbessert werden kann. Das klingt nach William Easterly, der in seinem Buch „The White Man´s Burden“ von Planners und Searchers spricht: Die Planner, übernehmen sich damit, von oben herab zu komplexe Probleme von ganzen Ländern lösen zu wollen, die Searcher sind vor Ort und lösen ein kleines Problem nach dem anderen. Allerdings wechselte Zattler sogleich in die Sprache der Planner. Er sagte, man versuche „Strukturen für selbsttragende Entwickungsprozesse zu schaffen“ und Hilfe als Katalysator und nicht als Selbstzweck zu sehen. Man versuche, die Rechenschaftspflicht der Nehmerländer gegenüber ihrem Parlament und Volk zu stärken. Und man versuche, die eigenen Ressourcen der Länder zu mobilisieren. Bleibt zu hoffen, dass diese Versuche fruchten. Man müsse aber auch bedenken: Subsahara-Afrikas Wirtschaftskraft ist etwa so groß wie die von Chicago oder Belgien. Moyos Kritik habe aber trotzdem Ihre Berechtigung.

Der Mund ist voll, der Saal auch

Das sagte auch Ulrich Post von der Deutschen Welthungerhilfe. An Armut und Hunger in Afrika sei aber nicht die Entwicklungshilfe schuld, sondern vor allem die globale Handelspolitik, überhastete Liberalisierung der Märkte und Agrarsubventionen in den Geber-Ländern. Außerdem: Die EZ habe aber auch den Mund zu voll genommen: Wer Slogans wie „Food for All“, „Health for All“ oder „Education for All“ heraus gibt, nimmt den Mund zu voll.

Als dritter im Bunde der Kommentatoren sprach Dr Fekadu Bekele, äthiopisch-stämmiger Wirtschaftswissenschaftler und Lehrbeauftragter der FU Berlin. Er wählte einen historischen Ansatz, um das Phänomen EZ bis in die Gegenwart zu erklären, doch da auch er nur 15 Minuten Zeit hatte, blieb sein Beitrag etwas abstrakt. Konkret berichtete er jedoch auch von Bürokratien der EZ: Zum Teil seien so viele Formulare auszufüllen und Gänge zu den Institutionen zu machen, um die Schuluniform zu bekommen, dass so mancher Mutter darauf verzichtet, beziehungsweise keine Zeit dafür hat.

Insgesamt blieb das Fachgespräch im Haus der Demokratie mittelmäßig. Die Alternativen, die Moyo in ihrem Buch „Dead Aid“ aufzeigt, wurden als dünn bezeichnet, wirklich neue wurden aber auch nicht geboten. Allerdings lässt sich das komplexe EZ-Problem auch nicht an einem Abend lösen. So war es eher ein Abend der Planner. Was nicht bedeutet, dass er sinnlos war, er bediente ein starkes Interesse an dem Thema: der Vortragssaal war mit rund 200 Zuhörern bis in den Flur gefüllt.

Trotzdem: Dambis Moyo war mit ihrem Buch so erfolgreich, weil sie Vereinfachung in Kauf genommen, zugespitzt und provoziert hat. Gerade daran mangelte es dem Fachgespräch im Haus der Demokratie gestern Abend.

Fundraising2.0Camp – Be there or be square!

fc20 Am Freitag 22.01.2010 fand das Fundraising2.0Camp im Hub in Berlin Kreuzberg statt. Da das für uns eine Art Heimspiel ist, waren wir mit einem Großaufgebot dabei. Die lockere Atmosphäre machte es einfach viele spannende Menschen kennen zu lernen und bereits bestehende Kontakte zu pflegen. Es waren kleine und große Organisationen da. Webaffine und Einsteiger. Auch mit Vertretern verschiedener Unternehmen konnte man ungezwungen ein Pläuschchen halten. Insgesamt also eine interessante Mischung.

Nach Begrüßung und Sessionplanung gab es zwei Sessions-Slots morgens. Gefreut haben wir uns sehr darüber, dass Katrin und Jörg unsere Bewertungsmethode von Projekten in ihrem Jahresrückblick besonders betonten. Im Anschluss an eine leckere Stärkung gab es dann erneut eine Sessionplanung und 3 weitere Sessions-Slots am Nachmittag. Insgesamt waren es 16 Sessions.

Für jeden Geschmack war thematisch etwas dabei. Es wurden Grundlagen des Fundraisings 2.0 diskutiert, innovative Wege aufgezeigt und Chancen und Risiken abgewogen. Björns Präsentation zur Nachmittagssession „Facebook für NGOs mit Schwerpunkt Fundraising“ könnt hier herunterladen.

Unter dem Strich wurde klar: Modernes Fundraising sollte die Möglichkeiten nutzen, die neue technische und soziale Entwicklungen wie das Web 2.0 bieten. Gerade kleine Organisationen können aufgrund der niedrigen Eintrittsbarrieren hiervon profitieren. Wichtig dabei ist eine an das jeweilige Medium angepasste Botschaft.

Vielen Dank nochmals an die Organisatoren und Sponsoren des Camps. Es war eine tolle Plattform für den direkten und kreativen Ideenaustausch. Wie Alexa zu Beginn der Veranstaltung schon sagte: Das Fundraising2.0Camp ist Web 2.0 zum Anfassen.

Fünf Prognosen zur Haiti-Hilfe – von Alexander Glück

Im Zuge der Katastrophe in Haiti kommen über betterplace.org täglich sehr viele Spenden für Organisationen zusammen, die in der Nothilfe engagiert sind, von Care International über das Deutsche Rote Kreuz bis zu dem Bündnis Aktion Deutschland Hilft. Unser Gastblogger Alexander Glück setzt sich sehr kritisch mit diesem Thema auseinander. Bestimmt teilen nicht alle aus dem betterplace Team alle seine fünf Thesen, aber wir finden es wichtig, dass auch diese Sicht auf die Nothilfe-Aktionen eine Stimme bekommt und sind gespannt auf Eure Meinung:

Kaum schreibt man ein kritisches Buch zum Spendenwesen, steht schon die nächste Großspendenaktion ins Haus und bestätigt die Mechanik, die in “Die verkaufte Verantwortung” (Essen: Stiftung & Sponsoring, 2009) ausführlich beschrieben ist. Wenn die darin enthaltenen Aussagen stimmen, wird man sich demnächst auf Entwicklungen einstellen müssen, die folgende Prognosen zulassen:

1.. Es werden neue Spendenrekorde aufgestellt. Der Akuthilfe bringt das zunächst nichts.

Täglich signalisieren die Massenmedien, daß schon jetzt das Spendenaufkommen alle Erwartungen übersteigt, trotzdem blenden sie permanent Kontonummern ein, verknüpft mit wirkungsstarken Schicksalsbildern. Die Frontleute wie Anne Will, Thomas Gottschalk und als Bild-Kolumnistin sogar Angela Merkel verstärken den bereits vorhandenen Druck und rufen zu immer neuen Spenden auf, möglichst ohne Verwendungszweck, damit die Mittel für einen wirkungsvollen Einsatz verfügbar sind.

Die Probleme im Erdbebengebiet sind jedoch logistischer und technischer Natur, während die benötigten Ressourcen in großer Menge bereits vorhanden sind. Obwohl die Medien es suggerieren, rettet eine Geldzahlung, gleich in welcher Höhe, kein einziges jetzt noch verschüttetes Kind.

2.. Haiti steht vor einem tiefgreifenden Strukturwandel.

Die eingeworbenen Mittel finanzieren nicht die Soforthilfe, sondern füllen die Kassen der Initiativen, die damit langfristige Aufbauprojekte finanzieren. Das ist gut und hilfreich, wird jedoch kaum thematisiert. Mit dem Wiederaufbau gehen Verteilungs- und Zuteilungskonflikte einher; ohne funktionierende Strukturen wird es zu Ungerechtigkeiten und Begünstigungen kommen. Dabei spielt es eine wesentliche Rolle, daß es in Haiti eine Oligarchie gibt, die schon vor der Katastrophe auf Kosten der breiten Bevölkerung lebte und sich auch aus dieser Mittelverteilung zu finanzieren versuchen wird. Der kommende Strukturwandel kann alte Ausbeutungsverhältnisse überwinden helfen, dafür jedoch neue entstehen lassen.

3.. Initiativen, die nicht in Haiti engagiert sind, stehen vor einem Spendeneinbruch.

Wer für Haiti spendet, wird diesen Betrag nicht mehr für eine andere Initiative einsetzen können. So wichtig die Finanzierung von langfristigen Projekten in Haiti ist, gerät in der jetzigen Spendenhysterie schnell aus dem Blickfeld, daß sehr viele andere, ebenfalls dringende Projekte künftig deutlich weniger an Spenden einnehmen werden, weil sehr viele Menschen sich nach getaner Haiti-Spende gegen eine weitere Zahlung an ein anderes Projekt entscheiden werden.

4.. Die Haiti-Thematik wird daher vermehrt auch von dort inkompetenten Initiativen bedient werden.

Schon bei der Tsunami-Katastrophe konnte beobachtet werden, wie Werbeagenturen und Fundraiser verschiedene Initiativen zu einer Übernahme dieser Thematik gedrängt haben, um ihre Spendeneinnahmen zu steigern. Dies wird sich jetzt wiederholen. Die meisten dieser Initiativen sind jedoch auf dieses Engagement nicht vorbereitet und riskieren hinsichtlich ihrer Kompetenz einen Ansehensverlust.

5.. Haiti kommt dauerhaft unter Kontrolle der Vereinigten Staaten.

Die Militärpräsenz der USA in Haiti sichert augenscheinlich die jetzt erforderlichen Strukturen für eine schnelle und effektive Verteilung der benötigten Hilfe. Das geradezu invasionsartige Auftreten der US-Soldaten wird aller Voraussicht nach für mindestens zwei Jahrzehnte zum Dauerzustand werden und ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr in direktem Zusammenhang mit der Hilfe für die Erdbebenopfer stehen.

Alexander Glück

www.der-spendenkomplex.de.tt

Haiti digital

Lucy Bernholz hat auf ihrem Blog Philanthropy 2173 eine Zusammenstellung der digitalen Technologien begonnen, die im Zuge der Hilfsaktionen in Haiti verwendet werden. Diejenigen von Euch, die an der Schnittstelle zwischen digital und sozial interessiert sind, sollten ihre Liste auf jeden Fall im Auge behalten.

So hat die Mikro-Volunteering Seite Extraordinaries einen Service eingerichtet, in dem jeder Internetnutzer Fotos von vermissten Personen auf Haiti taggen kann. Auch das ICRC hat eine Family Links Seite eingerichtet, über die sich Menschen in Haiti wiederfinden können. Und Ushahidi, über die ich gestern schon geschrieben hatte, hat eine kostenlose Nummer eingerichtet, über die Haitianer vermisste Personen und Notfälle, ihren Standort und akute Bedürfnisse melden können.

Katastrophenhilfe kann über ein Wiki von Crisis Commons organisiert werden, welches aufzeigt, welche Organisation wo und in welchem Bereich arbeitet. Da das Erdbeben große Schäden am Straßensystem angerichtet hat, arbeiten Krisenkartographen rund um die Uhr an Landkarten, die den Helfern eine für die Distribution von Hilfsgütern absolut notwendige Orientierung geben können. Über OpenStreetMap werden verschiedenste Satellitenbilder, UN Schadensberichte und andere Daten aggregiert.

O’Reilly Radar berichtet über kostenlose iPhone app, die gerade auf Basis der existierenden iPhone app www.gaiagps.com programmiert werden und über die Karten von Haiti für Katastrophenhelfer zur Verfügung gestellt werden.

This version of Gaia GPS is intended to aid disaster relief for the Haitian earthquake. The app can be used to download maps and satellite imagery of the earthquake area, including up-to-date overlays of disaster sites, hospitals, and other relevant waypoints. The map data is provided by Digital Globe, GeoEye, OpenStreetMap, and the maps are hosted by the New York Public Library.

Der Ushahidi Situation Room: Echtzeit Landkarte der Katastrophe

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Digitale Technologien eröffnen radikal neue Möglichkeiten in Katastrophensituationen. Schaut Euch nur mal die Haiti Crisis Map des Ushahidi Information Room an. In den letzten vier Tagen sind Hunderte von Meldungen fast in Echtzeit hier zusammengelaufen; sie weisen auf in Trümmern gefangene Menschen hin: The “school behind St. Gerard still has people buried in it.” Unclear if alive or dead und versuchen verschwundene Freunde und Verwandte zu finden: looking for the entire Bontemps family in Haiti (Father Dr.Sainfard Bontemps). Sie beschreiben konkret die Arbeit von Hilforganisationen vor Ort: MSF is starting to truck drinkable water to Choscal hospital for the patients and the people nearby” ebenso wie akute Bedürfnisse und Engpässe: St. Marc: We are receiving a lot of surgery cases. We have operating rooms, nurses, equipment but no surgeons. Besucher der Website haben die Möglichkeit die einzelnen Report zu verifizieren.

Ushahidi entstand in der Krise nach den Wahlen in Kenia Anfang 2008 und ist eine open source Plattform, auf der kollektive Kriseninformationen zugänglich gemacht werden. In die Haiti Crisis Map gehen Informationen aus diversen Kanälen vor Ort ein – sowohl von Menschen in Haiti, die einen Report auf der Ushahidi Website eingeben, als auch von SMS, blogs, Emails, Radio, twitter, Facebook, Fernsehen und List-serves.

Aber Ushahidi überläßt das Crowdsourcing nicht sich selbst, sondern die Informationen werden zusätzlich von einem engagierten Team koordiniert, welches wiederum von einer Gemeinde von Freiwilligen ergänzt wird, darunter z.B. Studenten der Tufts Fletcher School (hier ein Video).

Update: Auf dem TED Blog finet ihr ein interessantes Interview mit Patrick Meier vom Ushahidi Team.

Social Media für Haiti

rc tweet

Seit der Katastrophe in Haiti zwitschert mein twitter account (eingestellt u.a. auf das Suchwort “betterplace”) ohne Unterlass: namhafte Organisationen sammeln über uns Gelder für ihre Aktionen und unzählige Twitterer rufen zu Online- und SMS-Spenden über betterplace.org auf. Zugleich nutzen viele Hilfsorganisationen wie Aktion Deutschland Hilft, die Welthungerhilfe oder Unicef ihre eigenen Facebook-Seiten und Twitterkonten um Unterstützung zu mobilisieren.

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass noch nie so viel, so schnell für eine Nothilfeaktion eingesammelt werden konnte, wie für die Opfer des Erdbebens im Osten von Hispaniola. So kamen alleine in den USA in den ersten eineinhalb Tagen über 7 Millionen US$ Spendengelder alleine über SMS-Spenden zusammen.

Doch Technologie ermöglicht uns nicht nur schneller und mehr zu geben, sondern sie verändert auch unsere Wahrnehmungen und Erwartungen bezüglich sozialer Hilfsleistungen, sowie unsere Möglichkeiten auf Katastrophen zu reagieren. Wie Lucy Bernholz schreibt:

Part of what moves people to give to disaster relief in other places are the heartwrenching images of devastation and pain. Which we can see on TV, on our computers, on our mobile phones. But we can also use these tools to transmit data that are themselves helpful. Within hours of the quake there were several open access data sites sharing streetmaps of Port-Au-Prince, Google made new satellite imagery available, and wikis were set up to help coordinate both recovery efforts and share information with, from and for those looking for loved ones. (…)

Dieser schnelle und direkte Zugang zu Informationen verändert unsere Wahrnehmung und kann enormen Druck ausüben: Als es in der social media Gemeinde rumorte, dass ein großer Teil der gerade per SMS gespendeten Gelder nicht zu den Hilfsorganisationen fließen würde, sondern in die Bereitstellungsgebühren der Mobiltelefonkonzerne, wurde auf twitter lauthals protestiert – mit der Folge, dass wenige Stunden später alle großen amerikanischen Telefonanbieter verkündeten, sie würden die Gebühren erlassen und alle Gelder den Organisationen zugute kommen lassen.

Die neuen Technologien werden auch auf humanitäre Organisationen einen noch nie da gewesenen Druck und Kontrolle ausüben. Konnten sie in der Vergangenheit fernab von ihren Spendern weitgehend unbeobachtet ihre Arbeit leisten, können heute Menschen vor Ort, Einheimische ebenso wie Besucher, die Rettungs- und Aufbauarbeiten in Echtzeit verfolgen und weltweit verbreiten, auf Erfolge ebenso wie auf Mißstände und Unterlassungen aufmerksam machen. Bin ich zu optimistisch, wenn ich mir vorstelle, dass diese Transparenz auch zu mehr Rechenschaft und damit zu besserer Hilfe führen wird?



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