betterplace.org Spenden-Wettbewerb – Projekte warten auf Unterstützung

Wie vor kurzem hier im Blog angekündigt, läuft seit Montag der erste Spenden-Wettbewerb. Tolle Projekte haben sich dabei bereits eingestellt: Neben der vielleicht ersten Reise für Kinder des Cabuwazi-Zirkus über den Aufbau einer Krisenunterkunft für Kleinkinder oder Kletterausrüstung für die neue Kletterwand einer Familienfreizeitstätte, kann auch das interkulturelle Familienzentrum in Berlin Kreuzberg oder die Teilnahme von Sportlern mit geistiger Behinderung an den Special Olympics unterstützt werden. Die ersten Projekte konnten bereits Unterstützung gewinnen – das aktuelle Ranking/Leaderboard sieht dabei wie folgt aus:

1. Cabuwazi Kinder- und Jugendzirkus e.V.: Projekt Mal raus aus Berlin |  Bisherige Spenden: 174,- EUR  |  Vertrauensnetzwerk: 8

2. casablanca gGmbH: Projekt Aufbau einer Krisenunterkunft für Kleinkinder |  Bisherige Spenden: 20,- EUR  |  Vertrauensnetzwerk: 1

3. Nachbarschaftsheim Mittelhof e.V.: Projekt Ein Kletterlabor für Groß und Klein |  Bisherige Spenden: -  |  Vertrauensnetzwerk:  3

4.-5. Jugendwohnen im Kiez – Jugendhilfe gGmbH: Projekt Interkult. Familienzentrum Kreuzberg Waldemarstr. |  Bisherige Spenden: -  |  Vertrauensnetzwerk:  -

4.-5. Stiftung Rehabilitationszentrum Berlin-Ost: Projekt Auf zu den Spielen von Special Olympics |  Bisherige Spenden: -  |  Vertrauensnetzwerk: -

Bis zum 12. April, 10:00 Uhr haben die äußerst engagierten Projektverantwortlichen Zeit, um möglichst viel Unterstützung zu werben. Weitere Informationen sowie das tagesaktuelle Ranking/Leaderboard gibt es in der eigens dafür eingerichteten facebook-Gruppe. Aber auch hier im Blog werde ich demnächst wieder über den aktuellen Zwischenstand berichten.

Alles andere als still: unsere Experten zum Thema Wasser und Ernährung

Es klingt banal, ist aber überlebenswichtig: Die Landwirtschaft braucht Wasser. Und die Menschheit braucht die Landwirtschaft, um satt zu werden.

In der Rubrik Wasser und Umwelt des neuen betterplace Wasserportals berichten Experten, von ihrer Erfahrung im Feld:

Dr. Lena Partzsch fordert ein neues Wasser-Bewusstsein. Die Expertin von der Uni Greifswald warnt: Mit dem Bevölkerungswachstums muss das Wasser nicht nur gerechter verteilt werden. Es muss auch in den Köpfen der Verbraucher einen höheren Stellenwert bekommen.

Kaum ein Bereich des menschlichen Lebens bleibt vom Wasser unberührt. So verschieden die Einflussbereiche des Wasserproblems, so verschieden sind die Lösungsansätze, von denen wir Ihnen zwei besonders interessante präsentieren:

Nach unten treten, nach oben pumpen: Die Money Maker Irrigation Pump der Organisation Kickstart hört sich verlockend an. In Subsahara-Afrika haben schon fast 100.000 Kleinbauern dafür Geld ausgegeben. Zu Recht?

Work like an Egyptian: Ausbeuterische Arbeitsbedingungen können reduziert werden, in dem Arbeit mit Bildungs- und Gesundheitsmaßnahmen kombiniert wird. So wie bei SEKEM.

Kommentieren und diskutieren Sie hier die präsentierten Ansätze und Beispiele!

Tiefe Wasser – Die Experten für Trinken und Sanitär

Eine Milliarde Menschen hat kein Zugang zu sauberem Trinkwasser. 2,5 Milliarden Menschen leben ohne sanitäre Grundversorgung. Die aus diesem Notstand resultierenden Probleme sind immens:
  • alleine 1,8 Millionen Menschen sterben jährlich an Durchfall, 90 Prozent davon sind Kinder unter 5 Jahren.
  • Vor allem Frauen müssen durchschnittlich 16 Stunden und 40 Kilometer Fußweg pro Woche aufbringen, um Wasser zu holen. Kinder, die dabei helfen, fehlen in der Schule. Durch wasserinduzierte Erkrankungen werden weltweit jährlich etwa 450 Millionen Schultage verpasst.

Unsere Experten sind alles andere als still
In der Sektion Trinken und Sanitär unseres neuen Wasserportals berichten Experten von ihren Erfahrungen im Feld:

Hannelore Knott, ehemalige Koordinatorin eines Trinkwasserprogrammes, erläutert im Interview, warum es so kompliziert sein kann, ein einfaches Loch in die Erde zu bohren. Und was ein Brunnen alles für Folgen haben kann.

Marina Meuss von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit sagt: „Theoretisch müssten wir kein Problem haben“. Wir haben sie gefragt, warum das Wasserproblem nach wie vor eines der größten der Welt ist.

Die Ein-Mann-Show: Wolfgang Buchner hat sich nicht reinreden lassen, ist nach Bolivien gefahren und bohrt mit einfachen Methoden und ziemlich erfolgreich Brunnen. Unser Portrait zeigt auch, das Buchner sein Wissen nicht für sich behält.

Im Weiteren präsentieren wir spannende Fallbeispiele, die zu überraschenden Resultaten führen:

Sollte sauberes Wasser etwas kosten? Das Kenya Rural Water Project zeigt, dass nur wenige Menschen für Trinkwasser Geld ausgeben wollen, obwohl ihre Kinder dadurch gesünder sind. Der Text verrät warum.

Kinder vergnügen sich auf einem Karussell und fördern dadurch Wasser – welch gute Idee!, dachten sich viele Investoren und gaben Millionen von Dollar für PlayPumps in Afrika aus. Doch blieben sie ein Erfolg auf Pump.

Das Problem stinkt zum Himmel: Knapp die Hälfte der Menschheit verfügt nur über unzureichende sanitäre Versorgung. Welche Einfachtechnologien helfen und was es zu beachten gilt.

Nicht flüssig? Langsam tropfen Mikrokredite auch in den Wasser-Sektor.

Das Barefoot College: Ganzheitlicher Ansatz since 1972

Kommentieren und diskutieren Sie hier die präsentierten Ansätze und Beispiele!

Mit Wasser kann man nicht nur die Blumen gießen. In Ökosystemen spielt es eine komplexe und wichtige Rolle

Im globalen Ökosystem nimmt Wasser eine zentrale Rolle ein. Doch zahlreiche wichtige Gewässer – vom Ganges über den Colorado bis zum Aralsee – sind von extensiven Wasserentnahmen und Verschmutzung betroffen, eine zum Teil dramatische Entwicklung, die durch den Klimawandel nochmals verstärkt wird.

In unserem neuen Wasserwissen finden Sie fundierte Thesen und spannende Lösungsansätze zum Thema Wasser und Umwelt:

„Schlimmer kann es nicht mehr kommen“, sagt der Tropenwasserexperte Dirk Walther zur Situation der Flüsse in Indien. Im Interview erklärt er, warum er trotzdem optimistisch ist.

Damit der Fluss nicht den Bach runter geht, setzt sich der BUND intensiv für den Schutz der Elbe ein. Seine Lobby ist stark und hat schon so manche Hektar Feuchtgebiet wieder zurückerobert.

Flussgebietsmanagement – klingt professionell, ist es auch. Die ganzheitlichen Methoden des Watershed Organisation Trust sind vorbildlich und wurden von mehreren anderen Organisationen übernommen.

Bis die Haut ganz schrumpelig ist: Der Musiker Heinz Ratz schwimmt täglich bis zu 20 Kilometer durch die deutschen Flüsse, um auf ihre schleichende Zerstörung aufmerksam zu machen.

Kommentieren und diskutieren Sie hier mit!

Wasserwissen – ein Pilotprojekt auf betterplace.org

Seit heute sind wir online mit einem zusätzlichen Angebot auf betterplace.org: einem Wissensportal zum Thema Wasser. In den vergangenen drei Monaten hat das Team des betterplace labs, angeführt von Angela Ullrich als Projektmanagerin und ergänzt von einer tollen Crew, relevantes Wasser-Wissen für Besucher der Plattform zusammengestellt.

Unser Angebot richtet sich an Unterstützer und Spender ebenso wie an Projektverantwortliche:

Als Unterstützer können Sie sich informieren, welche Herausforderungen besonders brennend und welche Lösungsansätze besonders erfolgsversprechend sind. Wir möchten Ihnen Kriterien an die Hand geben, nach denen Sie eine informierte Wahl treffen können, Kriterien, über die Sie gerne auch mit den Verantwortlichen von betterplace-Projekten direkt über die Plattform kommunizieren können. Und als Projektverantwortlicher können Sie das Wasser-Wissen nutzen, um Ihr eigenes Projekt zu verbessern – um wiederum mehr Unterstützer zu gewinnen.

Im Wasserportal konzentriert sich auf folgende Themen

Trinken & Sanitär

Wasser & Ernährung

Wasser & Umwelt

Wir sind sehr gespannt auf Ihr Feedback: Schauen Sie sich unser Wissensangebot an und lassen Sie uns wissen, was ihnen gefällt und was sie sich darüber hinaus in einer Wissenswelt von betterplace.org wünschen!

Erster betterplace.org Spenden-Wettbewerb – Ein Pilotprojekt

betterplac.org Spenden-WettbewerbGegen Ende letzten Jahres hielten Joana und ich einen ganztägigen Workshop zum Thema “Online Fundraising” innerhalb einer Fundraising Ausbildung von PROCEDO Berlin. Zehn interessierten VertreterInnen Berliner Organisationen gaben wir einen Überblick über die Entwicklung des Fundraising, vor allen Dingen in Hinblick auf die Entwicklung des Internets und erläuterten Good Practice Beispiele auf betterplace.org. Den Abschluss des Seminars bildete die praktische Übung, gemeinsam eine Organisation mit Projekt auf betterplace.org einzustellen.

Unser Vortrag, die Thematik und speziell auch betterplace.org stießen dabei auf so großes Interesse, dass wir spontan entschieden, zur Vertiefung einen kleinen Wettbewerb zu veranstalten. Und dieser beginnt nun am kommenden Montag, 10 Uhr – als Pilotprojekt.

Die teilnehmenden Organisationen sind angehalten, ein Projekt auf betterplace.org einzustellen und in den folgenden vier Wochen hierfür maximale Unterstützung zu aktivieren. Die Gewinnkriterien sind dabei mind. 1.000 EUR gesammeltes Spendenvolumen plus den größten Unterstützerkreis: Unterstützer + Fürsprecher + Besucher + Unternehmen (3 Punkte) + Teams (3Punkte)

Das Gewinner-Projekt des Wettbewerbs, der am 12. April, 10 Uhr zu Ende geht, übertragen wir in den Pool der Payback-Projekte, so dass dem Projekt dann auch Payback-Punkte gespendet werden können. Und natürlich berichten auf unseren Kanälen über das Gewinner-Projekt.

Hier im betterplace.org Blog werde ich kurz nach dem “Startschuss” die teilnehmenden Projekte auflisten und regelmäßig über den Fortschritt berichten und das aktuelle Ranking posten.
Bis dahin wünsche ich allen TeilnehmerInnen viel Erfolg bei der Projekt-Einstellung!

Praktikum im Marketing

Als Marketing-Praktikant von betterplace.org übernimmst Du einzelne Aufgabenfelder in unserem Marketing-Team, hast vom ersten Tag an vollen Einblick und trägst zunehmend Verantwortung.

Deine Aufgaben…

  • Betreuung unserer Partner im Rahmen verschiedener Marketingkooperationen
  • Qualitative und quantitative Analysen zur Wirkung unseres Marketings
  • Ausarbeitung von Konzepten
  • Unterstützung bei der Durchführung von (Online)Marketingmassnahmen

Wir erwarten…

  • Erste Praktikumserfahrung im Bereich Online-Marketing
  • Hohe Internetkompetenz und Kenntnisse von MS Office Anwendungen
  • Kreativ, Engagiert, strukturiert und Team-orientiert
  • Sehr eigenständige Arbeitsweise, Ausdauer und Zuverlässigkeit
  • Mindestens 4. Fachsemester oder erfolgreich abgeschlossenes Studium (Marketing, Wirtschaftswissenschaften, Medienwissenschaften) bevorzugt mit Schwerpunkt Online-Marketing
  • Befristete Beschäftigung von mindestens 6 Monaten (mind. 3 Tage/Woche)

Wir bieten…

  • Einbindung in ein engagiertes und professionelles Start-up
  • Zunehmende Verantwortung durch eigenen Aufgabenbereich
  • Teilnahme am „Associate Programm“: Persönliche und berufliche Weiterentwicklung durch Coachings
  • Einblick in die unterschiedlichen Funktionsbereiche von betterplace.org
  • Unser Netzwerk: wertvolle Kontakte und Ansprechpartner in der Internet-, Medien-, Agenturbranche und der Entwicklungszusammenarbeit
  • Die Möglichkeit,  beim Arbeiten die Welt zu verbessern

Bitte maile Deine vollständigen Bewerbungsunterlagen unter Angabe des schnellstmöglichen Eintrittstermins an: jobs@betterplace.org.

Praktikum im Bereich Community&Campaining

Als Praktikant im Bereich Community&Campaining übernimmst Du einzelne Aufgabenfelder von der Nutzer-Betreuung bis zur Nutzer-Aktivierung. Du hast vom ersten Tag an vollen Einblick und trägst zunehmend Verantwortung.

Deine Aufgaben…

  • Betreuung unserer Community
  • Unterstützung bei der Aktivierung unserer Community

Wir erwarten…

  • Mindestens 4. Fachsemester oder erfolgreich abgeschlossenes Studium
  • Hohe Internetkompetenz und Kenntnisse von MS Office Anwendungen
  • Erste Praktikumserfahrung im Bereich Internet-Communities oder Campaining
  • Außergewöhnliche Kommunikationsfähigkeit in Wort und Schrift (Deutsch/Englisch)
  • Erfahrungen in der PR von Vorteil
  • Kreativ, Engagiert, strukturiert und Team-orientiert
  • Sehr eigenständige Arbeitsweise, Ausdauer und Zuverlässigkeit
  • Befristete Beschäftigung von mindestens 6 Monaten

Wir bieten…

  • Einbindung in ein engagiertes und professionelles Start-up
  • Zunehmende Verantwortung durch eigenen Aufgabenbereich
  • Teilnahme am „Associate Programm“: Persönliche und berufliche Weiterentwicklung durch Coachings
  • Einblick in die unterschiedlichen Funktionsbereiche von betterplace.org
  • Unser Netzwerk: wertvolle Kontakte und Ansprechpartner in der Internet-, Medien-, Agenturbranche und der Entwicklungszusammenarbeit
  • Die Möglichkeit,  beim Arbeiten die Welt zu verbessern

Bitte maile Deine vollständigen Bewerbungsunterlagen unter Angabe des schnellstmöglichen Eintrittstermins an: jobs@betterplace.org.

Mit Hilfsgeldern Waffen kaufen

Seit Wochen schon wollte ich hier im blog über ein Buch schreiben, welches ich unendlich spannend und erhellend fand. Doch da Famine Crimes. Politics and the Disaster Relief Industry in Africa von Alex de Waal schon 1997 erschienen ist, schien es keinen Zeitdruck zu geben. Das änderte sich heute morgen, als ich im Autoradio auf BBC die brandaktuellen Entlarvungen des BBC Autor Martin Plaut hörte. Der hatte recherchiert, dass während der Hungersnot in Äthiopien 1984/85, Millionen Euro (einer Quelle zufolge um 70€ Millionen), die westliche Privatspender u.a. in Folge von Bob Geldof’s “Band Aid” Konzert gesammelt hatten, statt an hungerleidende Zivilisten, in die Hände von Rebellenführer gelangte, die damit Waffen kauften und versuchten die von der Sowjetunion finanzierte Militärregierung des Landes zu stürzen.

Hilfsorganisationen reagierten heute empört auf diese Enthüllungen und verkündeten, dieses sei das erste Mal seit der Dürrekatastrophe vor 25 Jahren, dass solche Anschuldigungen vorgetragen würden. Einer von ihnen, der humanitäre Helfer Max Peberdy, der im Auftrag von Christian Aid mit 500.000 Dollar in Cash ins Land eingereist war um damit Getreide für die Hungerleidenden zu kaufen, sagte der BBC aus, kein Dollar seiner Organisation sei in falsche Hände geflossen. Ein Photo von damals zeigt ihn zusammen mit einem äthiopischen Weizenhändler bei der Geldübergabe. Doch bei diesem “Händler” handelte es sich um einen der führenden Rebellen der Tigray People’s Liberation Front (TPLF), die gegen die Regierung kämpfte. Dem BBC gegenüber sagte der Rebellenführer, er habe sich die Händlermontur nur als Tarnung angezogen und unter den Säcken mit Weizen seien in Wirklichkeit viele andere, die mit Sand gefüllt gewesen wären. Ehemaligen Rebellen zufolge flossen 95% der Hilfsgelder in den politischen Kampf, während nur 5% der betroffenen Bevölkerung direkt zugute kam.

Die ersten Vorwürfe seit 25 Jahren?
Was mich verwundert, ist dass humanitäre Organisationen jetzt so tun, als hörten sie diese Vorwürfe zum ersten Mal. Denn der hochrenommierte Afrikakenner Alex de Waal beschreibt genau diese Vorgänge in seinem Buch (ebenso wie in zahlreichen Artikeln in europäischen und amerikanischen mainstream Medien).

De Waals Grundthese ist, dass Hungersnöte nie Resultat von Dürre oder sonstigen Umweltfaktoren ist, sondern immer Ausdruck einer politische Krise. Anhand von zahlreichen Beispielen aus Kenia, Zimbabwe und Äthiopien weist er nach, dass es nur in solchen Situationen zu Hungerkatastrophen kommt, in denen politische Machthaber NICHt für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden können. Demokratische Systeme, wie z.B. in Indien, schaffen es trotz vergleichbarer akuter Nahrungsengpässe, Hilfsgüter zu den Betroffenen zu schicken. Denn wenn die Politiker sich nicht um repräsentative Teile ihrer Bevölkerung kümmern, sind sie nach der nächsten Wahl ihre Posten los.

Er wirft der Katastrophenhilfe-Industrie vor, so zu tun, als seien Hungersnöte ein wirtschaftliches und logistisches Problem, welches sie mit genügend Spendengeldern beseitigen könnten. Die Argumentation verkürzt Nothilfe auf ein technisches Problem, welches mit technischen Mitteln zu beheben ist. Diese Perspektive stärkt, so de Waal, die Position von Hilfsorganisationen, geht aber an dem eigentlichen politischen Problem völlig vorbei und ermöglicht es diktatorischen Machthabern im Schutz der humanitären Gemeinschaft sich weiter an der Macht zu halten.

Gerade am Beispiel der Hungersnot in Äthiopien 1984/85, zeigt de Waal diese Dynamik und die unintendierten Folgen humanitärer Hilfe: Er beschreibt, wie die Nahrungsmittelknappheit in Folge von ausbleibenden Regenfällen nur in den Regionen zum krassen Problem wurde, in denen die Regierung in militärische Auseinandersetzungen mit Rebellen involviert war und die Bevölkerung z.T. zwangsumgesiedelt wurde. (Als ich vor ein paar Jahren durch Äthiopien reiste, war es enorm eindrucksvoll die unzähligen verrosteten Panzer zu sehen, die in der Landschaft verteilt als Relikte eben diese Bürgerkrieges standen, der im Schatten des Kalten Krieges stattfand). De Waal beleuchtet im Detail, wie westliche Medien die Katastrophe inszenierten. Das Band Aid Konzert fand marketingmäßig perfekt plaziert in der Weihnachtzeit statt, Journalisten schilderten die Katastrophe als naturgemachtes Inferno, welches über hilflose Opfer hereinbrach. Nichts hätte ferner von der Wahrheit entfernt sein können.

Die Vorwürfe, die de Waal gegenüber der äthiopischen Regierung unter Mengistu zusammenträgt, die die Hungersnot verschlimmerte, sind gewaltig. Aber die Hilfsorganisationen und die UN spielten deren Spiel wissentlich mit. Die einzige Organisation, die gegen die Regierung protestierte und das Land verließ, war Médecins Sans Frontières. Obwohl für alle Anwesenden offensichtlich, wurden Berichte über die Umleitung von Hilfsgütern in die Hände der Militärs und Rebellen, von internationalen Organisationen ignoriert:

Subsequent evidence revealed that the majority of the relief food … was being consigned to the militia… In 1985, Ethiopia received about 1,25 million tonnes of food relief, of which a mere 90.000 tonnes was distributed … in non-government-held areas of Eritrea and Tigray, where between a third and a half of the famine-stricken population lived.

… The relief programme supported President Mengistu militarialy and politically … very few rural people and very many soldiers were fed. … The humanitarian effort prolongued the war, and with it, human suffering.

Aber auch die Rebellen, die jetzt in der BBC-story ins Rampenlicht geraten, bedienten sich aller internationaler Hilfsgüter, deren sie habhaft werden konnten. Vertraut man de Waal, dann waren die Mengen, um die es bei der Tigray People’s Liberation Front ging im Vergleich zu der, die die Regierung abzweigte, verschwindend gering. Und als eine Befreiungsbewegung, die in der lokalen Bevölkerung stark verankert und auf diese in ihrem Kampf angewiesen war, setzte sie sie laut de Waal eher zum Wohl der Hungernden ein.

Famine Crimes ist in vielerlei Hinsicht ein Augenöffner, der eine – in den Augen des Autors – verheerende Veränderung im Selbstverständnis von humanitären Organisationen dokumentiert: die einst neutralen Helfer (die Grundidee des Roten Kreuzes) werden zu machtvollen politischen Akteuren, die jedoch selbst von anderen politischen Kräften (Diktaturen ebenso wie westlichen Regierungen) als Feigenblatt und Spielball verwendet werden. Sie beruhigen das Gewissen der westliche Öffentlichkeit, fördern damit aber indirekt Diktaturen. Sein Fazit lautet:

African generals and politicians are the prime culprits for creating famines … but despite prodigious expenditure and high public profile, relief agencies often do more harm than good. From Biafra to Rwanda, relief has helped to fuel war and undermine democratic accountability. As the influence and resources of UN agencies and NGOs have grown, the chances for effective local solutions have diminished. Humanitarian intervention and other high-profile relief operations have failed. Progress lies in bringing the fight against famine into democratic politics and calling to account those guilty of creating famine.

12 Jahre sind seit der Veröffentlichung von Famine Crimes vergangen. Viele andere Autoren, darunter David Rieff in A Bed for the Night, haben seitdem vergleichbare Argumentationen vorgebracht und darauf hingewiesen, dass humanitäre Organisationen den guten Intentionen und Taten ihrer Mitarbeiter zu Trotz, in vielfältige Widersprüche zwischen ihrem humanitären Auftrag und Machtpolitik verstrickt sind. Die Diskussion ist spannend und muss geführt werden. Wieso jetzt allerdings die BBC so tut, als würden ganz neue Tatsachen über die Hungersnot in Äthiopien hervorgekehrt werden, erscheint mir ebenso merkwürdig, wie die vehemente Behauptung von Hilfsorganisationen nichts von dem Gesagten sei wahr.

Innovative Technologien verbreiten

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Schon mal was von Freedom Toasters gehört?

Von mehreren Seiten bin ich in der letzten Woche auf eine neue , interessante Plattform aufmerksam gemacht worden: Kopernik. Nach dem Motto: Kopernik connects innovative technologies, poor communties and You, präsentiert die Seite originelle und nachhaltige Technologie, die sich an Bottom of Pyramid-Gemeinschaften richten. Unter den Technologie finden sich z.B. Solarlampen, Life Straw Wasserfilter, ebenso wie Brillen, die Menschen ohne Zugriff auf Augenärzte, auf ihre eigenen Sehbedürfnisse einstellen können.

Wie funktioniert die Plattform? Eine Organisation in Nigeria möchte 150 Solarlampen für die Schüler eines nicht-elektrifizierten Dorfes haben. Auf Kopernik findet sie einen passenden Technologieanbieter (der Kopernik als Vertriebsplattform nutzt) und veröffentlicht ihr Konzept, sowie den offenen Geldbedarf (in diesem Fall 5.500 US). Spender können nun dieses Projekt bespenden.

Die Idee ist gut, denn oft ist das Problem ja nicht, dass es keine passenden Technologien gibt, sondern dass wir keine effektiven Systeme haben, um innovative Designideen dorthin zu bringen, wo sie benötigt werden. Leider bietet die Seite jedoch keine Möglichkeit Technologien und Proposals zu diskutieren um eigene Erfahrungen einzubringen. Doch gerade das ist bei einigen Designinnovationen dringend nötig, denn was Spender in NYC und Berlin cool finden, ist nicht unbedingt das, was sich vor Ort bewährt.



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