Archiv für February, 2008

Sie kommen, um zu helfen

Via Global Giving wurde ich auf den Film “They come in the name of helping” aufmerksam. Er stammt von dem 22 jährigen amerikanischen Politologiestudenten Peter Brock, der in dem laut UN-Statistik zweitärmsten Land der Welt, in Sierra Leone, junge Schüler und Studenten mit ihren Ansichten über westliche Entwicklungshilfe zu Wort kommen läßt.

Der Film ist ursprünglich auf Peter Deitzs blog about micro-philanthropy erschienen, in dem Individuen, Organisationen und Plattformen vorgestellt werden, die sich des Web 2.0.s bedienen um Mikrospenden und sozialen Wandel zu ermöglichen. Er dauert zwar ewig zum Laden (auf jeden Fall bei mir), lohnt aber die Mühe.

Perfektes Feedback

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Heute morgen nahm ich ein schon etwas zerschlissenes Paket entgegen. Und staunte ich nicht schlecht, als eine bunte Dokumentation von Bontys Kulturshow Muster im Himmel vor mir lag. Teile der Show waren über betterplace finanziert worden und so schickte Bonty nicht nur die Rechnungsbelege, sondern auch ihr neuestes Kinderbuch, CDs von den Aufführungen in Maun und Gaberone und jede Menge Zeitungsartikel, die Bonty und die mit ihr arbeitenden Jugendlichen in höchsten Tönen lobten. Vielen Dank, Bonty! Ein besseres Feedback können wir uns nicht wünschen.

Design für die anderen 90%

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“The majority of the world’s designers focus all their efforts on developing products and services exclusively for the richest 10% of the world’s customers. Nothing less than a revolution in design is needed to reach the other 90%.”
(Dr. Paul Polak, International Development Enterprises) 

Eines der Themen, die ich momentan am spannendsten finde, sind die zahlreichen neuen Produktideen, die sich an die „anderen 90%“ der Menschheit widmen. Letztes Jahr brachte das Cooper Hewitt National Design Museum in New York eine Ausstellung und einen lesenswerten Katalog dazu heraus. Auch das Buch der engagierten non-profit Organisation Architecture for Humanity - Design Like You Give A Damn – hält viele Inspirationen für kostengünstige Produktinnovationen für Märkte bereit, die bislang in Folge ihrer niedrigen Kaufkraft links liegen gelassen wurden.  

Viele dieser Innovationen basieren auf selbsterzeugter Energie. So erfreuen sich aufziehbare Radios (nachdem sie in den 1990er Jahren zuerst belächelt wurden) großer Beliebtheit in Regionen, in denen Batterien zu teuer und Elektrizität nicht vorhanden ist.

Gerade auf dem Licht- und Solarsektor tut sich einiges. Jüngst entwickelte die Freeplay Foundation Laternen, die nur eine Minute aufgezogen werden müssen um 2 Stunden Licht zu erzeugen. Für afrikanische Bevölkerungen, die teilweise 10-15% ihres Monatseinkommens für Kerosin, Kerzen und Feuerholz ausgeben, werden gerade eine Reihe von aufziehbaren LED-Laternen konzipiert, die – zum Teil von Freeplay Foundation Botschafter Tom Hanks unterstützt – in den nächsten Monaten in Kenia und Südafrika testweise auf den Markt kommen werden. Mehr kostengünstiges Licht ermöglicht es Menschen, nach Einbruch der Dunkelheit zu lernen, in medizinischen Notfallsituationen besser ausgerüstet zu sein und ihre Läden später am Abend zu betreiben.

Auch der Economist griff letzte Woche einen Bericht aus Science über eine Bottom-of-the-Pyramid (BoP) Innovation auf: den „Energie-Ernter“. Das Gerät, das wie ein orthopädischer Knieverband aussieht, führt die beim Laufen erzeugte Energie einem Generator zu, mit dem z.B. Batterien wiederaufgeladen werden können.

Viele der BoP Produkte werden mit speziellen Finanzierungsmodellen an Bevölkerungsgruppen unter der Armutsgrenze vertrieben. So entwickelte der Inder Harish Hande mit seiner Firma SELCO Solar Lights ein System von günstigen Krediten, mit denen sich selbst die unter der Armutsgrenze lebende indische Landbevölkerung seine Solarleuchten leisten kann. Der Unternehmer wurde dafür dann auch 2007 mit dem Social Entrepreneur Award 2007 der Schwab Foundation ausgezeichnet.

Zum anderen kennen die Produzenten ihre Kunden gut. Zu viele der herkömmlichen Designs, die sich an die „anderen 90%“ richten, sind in den Produktentwicklungs- und Designabteilungen westlicher Firmen entstanden, ohne die Lebensumstände der Zielgruppe wirklich zu kennen. Die neue Generation von BoD Unternehmern versetzen sich dagegen in die Lage ihrer neuen Kundengruppe und analysieren deren Bedürfnisse und Lebensbedingungen.

Die kanadische Firma Environfit (Motto: Learn, Act, Donate) beispielsweise schickte Marktforscher in ländliche Gebiete des Südens um einen neuen umwelt- und gesundheitsfreundlichen Kochherd zu konzipieren. Verrauchte Hütten stellen eines der großen Gesundheitsprobleme dar: die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass jährlich  1.6 Millionen Menschen an den Folgen des giftigen (kohlenmonoxidhaltigen) Rauchs sterben. Da zugleich die Hälfte der Weltbevölkerung und 80% der Landbevölkerung  mit traditionellen Öfen kochen, sah Environfit (in Kooperation mit der Shell Stiftung) eine Marktlücke für neuartige saubere Keramiköfen. Die Marktforscher analysierten die Koch- und Lebensgewohnheiten unterschiedlichster Bevölkerungen. In welchen Stellungen wird gekocht – sitzend, stehend – hockend? Welche Farben werden bevorzugt? Mit wie viel Kochtöpfen wird auf einmal hantiert? Alle diese Faktoren flossen in die Produktion des neuen Herds ein. Er soll  zuerst auf dem indischen Markt ausprobiert werden und kostet zwischen 10 – 200 US$.

Muss Hilfe etwas kosten?

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Eine der vielen offenen Fragen innerhalb der internationalen Entwicklungsgemeinschaft ist die, ob Hilfe von den Armen besser angenommen wird, wenn sie umsonst angeboten wird oder wenn sie etwas kostet. William Easterly beschreibt in White Mens Burden. Why the West’s Efforts to Aid the Rest Have Done So Much Ill and So Little Good das Moskitonetze, die kostenlos z.B. durch die U.N. verteilt werden, oft nicht zu den Armen gelangen: von Hilfsorganisationen verteilt, wandern sie auf den Schwarzmarkt oder werden als Fischnetze oder Hochzeitsschleier zweckentfremdet. Eine Studie über ein kostenloses Moskitoverteilungsprojekt in Zambia ergab, dass 40% der Empfänger die Netze nicht benutzten.

Im Gegensatz dazu verkaufte die amerikanische non-profit Organisation Population Service International in Malawi mit Insektizid imprägnierte Netze über Geburtskliniken für 0,50 Cent an junge Mütter. Die Krankenschwestern, die die Netze vertrieben, profitieren davon, indem sie 0,9 Cent pro Netz für sich behalten konnten und stellten sicher, immer welche auf Lager zu haben. Das Programm finanzierte sich dadurch, dass die gleichen Netze auf dem freien Markt für 5 US$ an wohlhabendere Malawier verkauft wurden. Das Mückennetz-Programm war ein großer Erfolg, der dazu führte dass 2004 55% aller Schwangeren und Kinder unter fünf Jahren unter Netzen schliefen, während es im Jahre 2000 nur 8% gewesen waren.

Wenn Arme für Dienstleitungen zahlen müssen, so die Logik der Verfechter (preiswerter) kostenpflichtiger Hilfsleistungen, werden sie den Hilfsinstitutionen feedback geben. Sie werden sich beschweren, wenn die Leistungen unzureichend, bzw. diese boykottieren. Bei kostenlos verteilten Gütern haben die Armen keinen Einfluß darauf, womit sie beglückt werden: sie haben nichts bezahlt, also können sie sich auch nicht beschweren.

“Niedrige, bezahlbare Gebühren für Gesundheitsleistungen sind der beste Weg medizinische Dienstleister für ihre Leistungen Verantwortung zu übernehmen. Wenn die Dorfbewohner keinen guten Service bekommen, dafür aber bezahlen mußten, werden sie sich lautstark beschweren, sagt der Gründer von Gonoshasthaya Kendra (People’s Health Center), einem bangaldesischen NGO, dessen Mitarbeiter im ländlichen Bangladesh gegen eine kleine Gebühr Schwangerschaftsbetreuung leisten.

Ein neue Studie des Brookings Institute, erschienen im Dezember letzten Jahres – Free Distribution or cost sharing? Evidence from a randomized Malaria Prevention Experiment kommt dagegen zu einem anderen Schluss:

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Nicht Geld, gute Politik rettet Leben

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Jedes Jahr sterben 10 Millionen Kinder unter 5 Jahren, 99% davon in Entwicklungsländern.  

Müssen arme Länder zwangsläufig hohe Kindersterblichkeitsraten haben? Stehen Regierungen in den Ländern des Südens den Überlebenschancen ihrer Kinder machtlos gegenüber?

Fragen wie diese stellt der heute erschienene Bericht von Save the Children, der den erlahmenden U.N. Milleniumszielen neues Leben einhauchen möchte. Die Studie vergleicht wirtschaftliche Indikatoren mit Kindersterblichkeit und kommt zu dem Schluss, dass zahlreiche Staaten daran gescheitert sind, Wirtschaftswachstum in gesundheitlichen Fortschritt umzuwandeln. So hat das arme Bangladesch durch effektive politische Maßnahmen wesentlich mehr Kindern das Leben gerettet als das mit Ölreichtum gesegnete Angola, welches seinen Wohlstand extrem ungleich verteilt und große Teile der Bevölkerung in tiefster Armut versinken und 260 Kinder von 1000 sterben lässt. Einige der ärmsten Länder der Welt, wie Nepal, Malawi, Tanzania und Bangaldesch, sind unter den 10 Ländern mit dem besten Ergebnissen im Kampf gegen die Kindersterblichkeit, während das wirtschaftlich boomende Indien in vielen Provinzen Neugeborenen eine der niedrigsten Überlebenschancen bietet.

From Kenya with Love

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Entwicklungspolitisch bewusste Menschen sollten heute beim Einkauf ihres Valentinsstraußes darauf achten, kenianische Blumen zu kaufen. Dazu jedenfalls forderte gestern der britische Entwicklungsminister Hilary Benn (sehr zum Unmut der Europäischen Floristenvereinigung) Konsumenten auf.

„An diesem Valentinstag können Sie romantisch und ökologisch sein und zugleich Armut reduzieren“, so Benn. (Der ökologische Vorteil ist nicht auf den ersten Blick erkennbar: schließlich werden die Blumen eingeflogen, doch dadurch dass sie in Kenia in der Natur und nicht in Treibhäusern wachsen, ist – so eine Studie der englischen Cranfield University - die Ökobilanz vorteilhaft).

Genügend kenianische Blumen sollte es trotz der fürchterlichen Unruhen geben: pünktlich zum Valentinstag landeten 4 Millionen kenianische Blumen im holländischen Großhandel. Schnittblumen sind, nach dem Tourismus, der wichtigste Devisenbringer für das ostafrikanische Land und die Industrie beschäftigt um die 70.000 Kenianer, zumeist Frauen. 95% der Blumen werden für den Export gezüchtet, aber die lokale Nachfrage nach Tulpen und Rosen steigt in dem Maße in dem im Zuge der Globalisierung neue Konsummuster Verbreitung finden.

Win-Win Partnerschaften

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Heute morgen erlebte ich zwar einen Laptop Super GAU – als ich ihn anschaltete, versetzte sich mein Computer in den Originalzustand zurück und natürlich hatte ich in letzter Zeit meine back-ups vernachlässigt! Erfreulicherweise jedoch funktioniert mein Internetzugang und eine mail von Michael Gleich, Wissenschaftspublizist und Macher von Culture Counts verbesserte meine Laune gleich schlagartig. Er wies mich auf zwei interessante Initiativen hin (Danke Michael!):

Da ist zum einen Cotton made in Africa, eine Initiative bei der sich die Otto Gruppe und Tom Tailor gemeinsam mit der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) und der GTZ (Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit, dem Hauptträger deutscher staatlicher Entwicklungshilfe) zusammengetan haben, um den nachhaltigen und fair trade gehandelten Anbau von Baumwolle in Afrika zu fördern.

Die Seite lohnt einen genaueren Blick, so findet sich dort u.a. ein Interview über CSR  und ein Exkurs über eines der großen zeitgenössischen Buzzwords, die Nachhaltigkeit von Michael Gleich.  

Einen ähnlichen Ansatz – Armutsreduzierung durch wirtschaftliche Partnerschaft anstatt durch „Hilfe“ von einer großen Institution (Entwicklungsdienste, -banken) an die andere (Regierungen, Kommunen) – verfolgt auch Osram , das sich an einem Projekt am Viktoriasee beteiligt hat. Die, die Wasserqualität des Viktoriasees und die Finanzen der Fischer belastenden Kerosinlampen werden dort mit solarstrombetriebenen Lampen ersetzt. Alle haben etwas von der Maßnahme: die Umwelt, die Fischerfamilien (die Geld sparen) und Osram, das sich einen neuen Markt erschließt.

Ohne Worte – die digitale Kluft

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Von Map of Science



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