Ich freue mich Euch heute Mara Ascher als Gastbloggerin vorstellen zu können. Mara studiert Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der UdK in Berlin und schreibt gerade (zusammen mit Ellen Nagel) an einer Hausarbeit über Konsummotive im Spendenwesen – die neue Art des Gebens. Und das alles am Beispiel des online Spendenportals betterplace.org. Mara macht derzeit bei uns ein Praktikum und wird in den nächsten Wochen hier mit uns ihre Erkenntnisse zum deutschen und internationalen Spendenwesen teilen. Wir sind sehr gespannt.
Archiv für August, 2008
Willkommen Gastbloggerin Mara
Veröffentlicht August 30th, 2008 Tags: online spenden, Spenden| Joana Breidenbach, Spendenwesen, Team news | 1 Kommentar »
betterplace stärkt die Demokratie
Veröffentlicht August 25th, 2008 Tags: Michael Edwards, Philanthrocapitalism, Transparenz| CSR, Entwicklung | 1 Kommentar »
In den letzten Wochen gab es auf next billion eine intensive Diskussion über Michael Edwards Buch Just Another Emperor. Edwards, ein Direktor der Ford Foundation, hat die Nase voll von dem Hype um den Markt und setzt sich kritisch mit dem Trend auseinander, unternehmerische Fähigkeiten und Standards als neue Wunderwaffe im Kampf gegen die Armut anzusehen. Für ihn sind gute Regierungsführung und eine starke Zivilgesellschaft die zentralen Treiber eines progressiven, sozialen Wandels.
Ohne weiter auf die Für und Wider – ist Philanthro-Kapitalismus effektiv oder eine Fata Morgana? – einzugehen, blieb ich an dem hängen, was Edwards als die drei demokratischen Grundprinzipien beschreibt (und welche er vom Philanthrokapitalismus vernachlässigt sieht): 1. Transparenz, 2. Partizipation und 3. Kollektives Handeln.
Bei betterplace sind wir mit der Schnittstelle zwischen Philanthropie und Wirtschaft vor allem dadurch verbunden, dass wir Firmen anbieten, ihr soziales Engagement auf eine neue, transparente Art und Weise darzustellen. Nun gibt es auch bei uns die Diskussion, inwieweit – und vor allem, mit welchen – Unternehmen wir zusammenarbeiten. Ich persönlich denke, das wir Unternehmen dazu verhelfen können in ihrem Geschäftsbereich CSR neue Transparenz und Effektivitätsstandards zu erzielen. Und das ist für mich eine progressive Leistung.
Die durch betterplace hergestellte Transparenz führt zu einem bewußteren Umgang mit dem Thema und wirkt der momentan vorherrschenden, willkürlichen und Qualitätsmaßstäbe ignorierenden Gießkannenpolitik entgegen; Projekte zu unterstützen, weil die Ehefrau des Vorstands Delpfinbabies so süß findet oder der Arbeitsdirektor bei einem Landgang der MS Europa ein Straßenkinderprojekt entdeckt hat. Nur eine Professionalisierung des sozialen Engagements führt zu effizienterem Handeln und damit größerem sozialem Impact.
Über betterplace demokratische Grundprinzipien verwirklichen
Und hier setzt betterplace ein und verhilft Unternehmen im Edward’schen Sinne demokratische Kernwerte zu erfüllen:
1. Transparenz
Auf betterplace werden soziale Initiativen und Projekte so transparent wie möglich dargestellt. Projektverantwortliche beschreiben genau und möglichst kleinteilig, welche Bedarfe sie haben. Zudem geben sie regelmäßig Feedback über ihre Arbeit und legen über die Verwendung der Gelder Rechenschaft ab.
2. Partizipation
Jeder – Mitarbeiter ebenso wie Kunde oder Teilnehmer der Zivilgesellschaft – kann sich an der Realisierung der Projekte beteiligen. Mit seiner Zeit, seinem Geld oder seiner Expertise.
3. Kollektives Handeln
Auf betterplace können sich Einzelpersonen zu Gruppen zusammenschließen und gemeinsam einen Unterschied bewirken. Sie können dabei erleben, wie selbst kleine Beiträge, z.B. eine monatliche Spende von einem oder zehn Euro, gebündelt mit anderen, einen großen Effekt erzielen kann.
Weit hergeholt oder plausibel?
betterplace junior summer challenge und Alba-Turnier
Veröffentlicht August 21st, 2008 Tags: Alba Berlin, betterplace-junior, Comic| Joana Breidenbach, betterplace-junior | 1 Kommentar »
Während unserer Ferien in Südfrankreich haben Lilian und Vico eine Reihe von Freunden eingeladen, die z.T. auch bei betterplace junior aktiv sind. Da wir bei betterplace gerade darüber nachdenken, wie wir Projektverantwortlichen, die ihre Arbeit auf betterplace vorstellen, die Idee des social networkings vermitteln können, entstand die Idee, eines Comic-Wettbewerbs. Wer der insgesamt 15 Kinder und Jugendlichen, die im Juli und August bei uns Ferien machen, zeichnet den besten Comic zum sozialen Netzwerken?
Einer der zentralen Vorteile von betterplace ist es, dass alle diejenigen, die sich für ein Projekt engagieren – sei es, weil sie es betreiben oder direkter Benefaktor sind, es besucht haben oder die Arbeit des Projektverantwortlichen gut kennen und schätzen – dafür in Wort und Bild „fürsprechen“ können und es mit einem einfachen Klick an andere Menschen weiterempfehlen können. Den daraus resultierenden Schneeballeffekt gilt es nun zu visualisieren.
Robert Leichthammer, 13, war der erste, der sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigte. Der Freund von Julius kann grandios Comics zeichnen und hat einen überzeugenden Beitrag eingereicht. Lilian, Vico, Julius, Piers und Jonas arbeiten derweil noch an ihrem Vorschlag.
Anton, Jakob und Philipp wiederum waren dabei, als Josefina Petrus, bei betterplace für Netzwerke und Sonderprojekte zuständig, aus ihrem Urlaubsdomizil in Cannes zu uns aufs Land kam um eine Aktion, die betterplace junior mit dem deutschen Basketballmeister Alba Berlin ins Leben rufen möchte, weiter voranzutreiben.
Von beidem, dem Comic-Wettbewerb und der Basketball-Aktion „Give and Go“ werden wir noch weiter berichten.
CSR bei betterplace – elektronischer Ablasshandel oder sinnvolle Stärkung sozialen Engagements?
Veröffentlicht August 4th, 2008 Tags: CSR, Greenwashing| CSR, Joana Breidenbach | 1 Kommentar »
Vor Kurzem erhielten wir bei betterplace eine Reihe empörter mails von einer Projektverantwortlichen, die ihr Projekt unbedingt sofort von der Plattform entfernen wollte, weil Care International gemeinsam mit dem Emergieversorger Vattenfall auf betterplace für die Opfer des Wirbelsturms in Burma Spenden sammelte. Mit dem Betreiber von Atom- und Kohlekraftwerken wollte die Projektverantwortliche, die eine Solarenergie-Initiative in Kamerun unterstützte, keine Plattform teilen. Letzte Woche dann wies mich Aishah auf eine Reihe von blogposts auf Utopia hin, die Vattenfall, neben anderen prominenten Unternehmen, wie BP und BMW, ebenfalls des schamlosen greenwashings bezichteten.
Die Diskussion, mit welchen Unternehmen betterplace.org als Kunden zusammenarbeiten sollte und mit welchen nicht, taucht so in regelmäßigen Abständen immer wieder in unserem Team auf.
Unser Geschäftsmodell basiert auf der Kooperation mit Unternehmen …
Unser Geschäftsmodell beruht darauf, dass wir – um unsere Plattform nachhaltig betreiben zu können und 100% der Spenden an soziale Initiativen weiterleiten können – Unternehmen als Kunden gewinnen, die auf betterplace.org ihr unternehmerisches, soziales Engagement transparent darstellen und andere Stakeholder, seien es ihre Mitarbeiter oder Kunden, zum Mitmachen auffordern können.
Immer mehr Firmen weltweit, auch in Deutschland, sehen soziales Engagement als Chance sich als „guter Bürger“ zu positionieren. Sei es, das sie, wie die Berliner Stadtreinigung sich für die Ausbildungschancen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund einsetzen oder das sie, wie Vattenfall im eingangs beschriebenen Fall, Mitarbeiter aufrufen, sich in der Katastrophenhilfe zu engagieren.
… helfen wir ihnen beim greenwashing?
Wahrscheinlich hätte niemand im Team damit ein Problem, die CSR-(Corporate Social Responsibility) Projekte explizit nachhaltiger Unternehmen wie Hess natur oder Bio Basics zu präsentieren. Was aber ist mit Unternehmen aus der Automobilbranche, deren Lobbyarbeit die Höchstwerte für den CO2 Ausstoß von Neuwagen nach oben treiben? Energieversorgern, die Klimakiller betreiben oder Banken, die an „Schurkenstaaten“ Kredite vergeben? Wenn Wall Mart in China auf der einen Seite massiv gegen die Einführung von Gewerkschaften agiert, sich zugleich aber auf seiner chinesischen Website als „guter Bürger“ präsentiert, der chinesischen Babies Hasenschartenoperationen bezahlt und für zahnlose Omas Freizeitvergnügen veranstaltet, dann ist die Diskrepanz eklatant.
Versuchen viele Konzerne nicht mit publikumswirksamen Aktionen in der Öffentlichkeit einen falschen Eindruck zu erwecken, der von ihrem kritikanfälligen Kerngeschäft ablenkt? Und helfen wir diesen Firmen nicht beim greenwashing?
Mohammad Yunus spricht sich in seinem eindrucksvollen Buch Die Armut besiegen für eine strikte Trennung zwischen wirtschaftlicher Profitorientierung und sozialem Return aus. Seiner Meinung nach stehen beide Ziele fast unweigerlich in einem Spannungsverhältnis zueinander, infolge dessen der messbarere und anerkanntere wirtschaftliche Gewinn fast immer die Oberhand gewinnt. Wie es so treffend heißt: What gets measured, gets done.
Nun können wir davon ausgehen, dass sich nur wenige Unternehmen in nächster Zukunft dazu durchringen werden, reine Sozialunternehmen zu gründen (d.h. Unternehmen, die zwar ihre Kosten decken können, deren Ziel und einzige Meßlatte für Erfolg aber soziale Ziele sind).
Was ist dann mit dem Gros der Firmen, die sich sozial engagieren? Akzeptieren wir bei betterplace – um unsere Plattform nachhaltig zu finanzieren – jeden als Kunden? Oder gibt es bestimmte Branchen und Unternehmen (auch jenseits der offensichtlichen No-Nos wie Rüstung, Mädchen und Drogen), die wir von unserer Dienstleistung kategorisch ausschließen? Was ist mit Scientology-nahen Unternehmen? Oder solchen, die anderen fundamentalistischen Ideologien, seien sie nun christlich, muslimisch oder hinduistisch, Geld in die Kasse schleudern? Und auf der Basis welcher Informationen über ein Unternehmen, können wir solche Unterscheidungen treffen?






