Archiv für April, 2009

betterplace.junior & Alba Berlin bauen einen Basketballplatz in Bhutan

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Choki Traditional Art School in Bhutan soll einen Basketballplatz bekommen

betterplace junior veranstaltet am nächsten Samstag, den 9. Mai, eine Aktion gemeinsam mit Alba Berlin und Vattenfall Europe rund um das Spitzenspiel Alba Berlin gegen die Baskets Oldenburg (Beginn 19:30) in der O2 World in Berlin.

Mit verschiedenen Aktionen wird das Heimspiel gegen Oldenburg am 9. Mai in der O2 World genutzt, um das dafür benötigte Budget einzuspielen: Von einem Ticketkontingent gehen pro verkaufte Karte drei Euro direkt an die Schule im Himalaya-Gebirge. Des Weiteren wird in einer Viertelpause ein Spenden-Wurfspiel ausgetragen, dessen erspielten Betrag ALBA-Sponsor Vattenfall der betterplace-Aktion zukommen lässt. Auch private Spenden sind auf der Homepage www.chokiart.betterplace.org möglich.

Momentan sind die juniors aktiv damit beschäftigt Karten für das Spiel zu verkaufen. Sie vertreiben sie an verschiedenen Berliner Schulen, in Sportvereinen, Familien- und Freundeskreis. So z.B. Miriam, Cengiz, Lilian und Philipp an der Berlin International School, wo sie nach der Schule einen Stand aufbauten.

Wer die juniors bei ihrer Aktion unterstützen möchte kann dies gerne machen: entweder durch eine Spende direkt auf das Projekt, das AlbaTeam von betterplace junior oder den Kauf einer Eintrittskarte. Für letzteres wenden Sie sich bitte an Lilian und Vico Breidenbach unter livi.breidenbach@hotmail.de.

Lilian und Vico haben die Choki Traditional Art School, in der Kinder aus armen ländlichen Haushalten eine ausgezeichnete Berufsausbildung bekommen, vor 3 Jahren besucht und waren sehr von ihr begeistert. Die Veranstaltung der juniors wird zudem unterstützt von der Ashoka Jugendinitiative.

Das Netz gegen Mücken

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Mal wieder ein Projekt, dass ich extrem unterstützenswert finde: Anke Engelke und medeor haben was gegen Malaria.

Nicht (nur), weil mein Sohn auf seinem ipod ständig die alten Ladykracher-Folgen sieht und ich es toll finde, dass Anke Engelke sich so aktiv für das Thema einsetzt, dass sie das Projekt auf betterplace.org selbst betreut, sondern auch weil Malaria – anders als viele andere Themen im Bereich Gesundheit und Armut – etwas ist, was wir mit nur geringem Aufwand wesentlich eindämmen könnten.  

Und der Ansatz von action medeor ist nachhaltig. So werden nicht nur dauerhaft imprägnierte Moskitonetze verteilt (wobei es durchaus unterschiedliche Meinungen dazu gibt, ob es nicht sinnvoller ist die Netze preiswert zu verkaufen, als sie kostenlos zu verteilen), sondern auch Aufklärungskampagnen durchgeführt und die Heilpflanze Artemisia annua angebaut. Aus der wird das wirksamste Mittel gegen Malaria gewonnen und da der Anbau und die Produktion des Medikaments vor Ort stattfinden, werden lokale Strukturen gestärkt und Arbeitsplätze geschaffen. 

Ich bin mit meinem Freundinnen-Team dabei!

Cinema Jenin Night

Gestern fand unsere Cinema Jenin Night im Radialsystem statt. Hier eine kleine Fotostrecke als Dokumentation:

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Im Radialsystem

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Désirée Nosbusch begrüßt

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That’s me – presenting the project Cinema Jenin

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Marcus Vetter, Fakhri Hamad, Ismael Kathib, Carolin Emcke und Frank Walter Steinmeier diskutieren über den Film und das Projekt

Insgesamt kamen über den Verkauf von Cinema Jenin Sozialaktien 8.500 € zusammen, die in den Erwerb einer professionellen Tonanlage für das Kino fließen. Allen Spendern herzlichen Dank!

Nicht nur die Durchführung des Abends, sondern auch die Vorbereitung hat wahnsinnigen Spaß gemacht und ich freue mich auf weitere Aktionen mit: Sonja Gebauer und Andreas Görgen vom Auswärtigen Amt, Bettina Sluzalek, Christina Margenfeld, Jochen Sandig, Kristin Hörnig und ihrem ganzen tollen Team vom Radialsystem, Mareike Bader von EIKON, Carolin Emcke und natürlich Renate Maifarth, Josefina Petrus und HJ Cramer von betterplace.org, ebenso wie den anwesenden betterplace juniors (Lilian, Anton, Vico, Cengiz und Julius) und Teammitgliedern (Yvonne Andreas und Anja Kalb). Ich danke Euch allen vielmals! 

Mein besonderer Dank gebührt zum einen Frank Walter Steinmeier: dass er bei seinem dichten Arbeitspensum die Zeit fand den Abend mit uns zu verbringen zeigt, wie sehr er davon überzeugt ist, dass ohne kulturelles Fundament keine Außenpolitik möglich ist und ohne Aufbau zivilgesellschaftlicher Strukturen kein demokratisches und friedliches Zusammenleben. Deshalb auch die von ihm und dem palästinensischen Ministerpräsidenten vor gut einem Jahr gegründete Initiative “Zukunft für Palästina“, bei der das Außenministerium gemeinsam mit deutschen Unternehmen und NGOs zahlreiche Projekte in Palästina unterstützt. 

Mein anderes riesiges Dankeschön gilt Désirée Nosbusch: nicht nur, weil sie auf meine spontane Anfrage in L.A. gleich zugesagt hat, sondern auch, weil sie sich wirklich engagiert und ihre Begeisterung gestern so schön zum Ausdruck brachte. Désirée: ich nehm Dich beim Wort:  bei meinem Besuch in Jenin kommst Du einfach mit!

Hier eine Rezension im Cicero.

Gesellschaft ohne Bürger

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Registan, Samarkand

In den Osterferien reiste ich mit meinen Kindern und ihrem Freund Julius (alle natürlich bei betterplace.org junior aktiv;-) auf der Seidenstraße: von St.Petersburg nach Buchara, Samarkand und Taschkent in Usbekistan und von dort weiter über die atemberaubenden Bergpässe Kirgistans nach Kashgar in Nordwest-China. Eine tolle Reise mit 3 ständig gut gelaunten Teenagern, die selbst, als wir auf dem Rückweg in Novosibirsk hängen blieben und 34 Stunden non-stop unterwegs waren, cool blieben. 

Der Trip war eine irre Mischung aus freundlichen Menschen, phantastischen islamischen Mausoleen, Medressen und Moscheen gepaart mit trister Ex-Soviet Modernität, gegorener Stutenmilch und ranzigem Hammelfett. Wirklich erschüttert aber hat mich das völlige Fehlen einer öffentlich sichtbaren Zivilgesellschaft. 

Auf Reisen halte ich unweigerlich immer Ausschau nach sozialen Initiativen. In Usbekistan erkundigte ich mich bei der International School in Taschkent (laut Lonely Planet eine gute Quelle) nach guten Organisationen und Initiativen. Und bekam keine Antwort. In Samerkand interviewte ich die wunderbaren Schwestern des Antica Bed&Breakfasts – bekam die Adresse eines Invalidenvereins. Ich wußte zwar im Vorfeld, dass der nationale Tyrann Karimov seit den westlichen Protesten nach dem Massaker in Andischan die meisten westlichen NGOs des Landes verwiesen hatte und 10.000de Menschen wegen politischer “Delikte” in den Gefängnissen des Landes gefoltert wurden. Aber irgendwie hatte ich dennoch erwartet, en passant, auf das oder andere Projekt zu stoßen, welches wir über betterplace.org unterstützen könnten.

Die Reise zeigte mir, wie selbstverständlich ich (und gewiß viele Menschen weltweit) zivilgesellschaftliches Engagement erwarten. Dabei ist das Aufblühen der Bürgergesellschaft noch gar nicht so lange her. So richtig los ging es erst mit der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Doch innerhalb der letzten zwei Dekaden hat sich enorm was getan. Hier ein paar Beispiele:

  • Vor 20 Jahren hatte Indonesien nur eine einzige unabhängige Umweltorganisation, heute sind es über 2000.
  • In Bangladesh liegt der größte Teil der Entwicklungsarbeit in den Händen von 20.000 NGOs, die alle in den letzten 25 Jahren gegründet wurden.
  • Während der 90er Jahre wurden in Frankreich pro Jahr im Schnitt 70.000 neue Bürgervereinigungen gegründet, viermal so viele wie in den 1960er Jahren.
  • In Brasilien ist in den 1990ern (nach Ende der Diktatur) die Zahl der eingetragenen Bürgervereinigungen von 250.000 auf heute 1 Millionen angestiegen. 

Wie sehr wünsche ich den Usbeken (und eigentlich fast ebenso den Russen und Chinesen), dass sich diese Entwicklung in ihren Ländern fortsetzt!

Anzeige eingegangen.

Der Außenwerber Wall hat es gemacht. studiVZ hat es getan. TIP Berlin ebenso (und viele Dutzend anderer natürlich auch – danke dafür!). Und jetzt auch noch “Der Freitag”, die neue Wochenzeitung von Jakob Augstein: Alle haben uns kostenlosen Anzeigenplatz geschenkt, damit wir betterplace.org noch bekannter machen können.

In diesem Fall ist es eine Anzeige zu “Teaming – dem einfachen Gehaltsspendenprogramm” (Download Info-Broschüre: HIER!), im Stile alter Boxplakate gestaltet von PULK. Motto: “Gemeinsam kann man die Probleme der Welt leichter bekämpfen.”

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Die Anzeige hat schon wieder viele Interessierte auf unsere Website aufmerksam gemacht. Super! Eine schöne Statistik dazu: Für jeden Visit (Visit = Wenn jemand auf unsere Website kommt) im Jahr 2008 haben wir im Durchschnitt ziemlich genau einen Euro an Spenden für unsere Projekte generiert. Was wir damit sagen wollen: Überlegen Sie mal, wie viel Gutes Sie tun, wenn Sie eine Anzeige oder einen Internetbanner von uns schalten und damit beispielsweise auch nur (!) hundert Leute dazu bringen, sich die Startseite von betterplace.org anzuschauen. Diese 100 Menschen spenden im Schnitt 100 Euro (Respektive: über hundert Hygienepakete für die Erdbebenregion in Italien oder 20 englische Geschichtsbücher für die Choki Art School in Bhutan – oder wo auch immer die Menschen dann die Welt über betterplace.org ein bisschen besser machen möchten).

Also: Wer Anzeigenplatz – oder auch nur einen Banner auf seinem Blog schalten will – zur Verfügung hat,  gleich bei uns melden – change@betterplace.org. Wir gestalten gerne auch eine individuelle Anzeige thematisch passend zum Medium. Und das mit den hundert Leuten ist natürlich nur ein Beispiel: Wir hatten bisher keine Anzeige, die nicht deutlich mehr Menschen auf unsere Website gezogen hat.

Endlich offiziell: betterplace.org ist Ausgewählter Ort im Land der Ideen – Horst Köhler und Gesine Schwan waren dabei

Mittwoch Nachmittag war’s endlich offiziell: In unserem Büro in der Schlesischen Straße feierten wir unseren Tag der offenen Tür und als Abschluß die Auszeichnung Ort im Land der Ideen. Unser Bundespräsident und seine Gegenkandidatin waren auch dabei – zumindest indirekt. Horst Köhler war in Form seiner Unterschrift ebenso “gefühlt” in unserem Büro wie Gesine Schwan, deren Mann Prof. Dr. Peter Eigen eine beeindruckende Festrede zur Preisverleihung hielt. Und dabei die Wichtigkeit von betterplace.org für die Zivilgesellschaft hervorhob: „Die Zukunft liegt bei betterplace.org“, so der Gründer von Transparency International.

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Im Mittelpunkt standen aber natürlich die Projekte. Drei davon konnten hautnah erlebt werden: Marcus Jantz, der mit Solarlampen in Honduras für nachhaltige Entwicklung sorgt, Gilles Duham, der im Berliner Rollbergkiez ein Betreuungsangebot für sozial Schwache aufgebaut hat sowie Brigitta Bremme, die einen integrativen Capoeira-Club leitet. Alle drei Projekte wurden live vorgestellt – bzw. vorgtanzt.

Und am Ende gab’s den Preis.

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Vielen Dank an alle, die mit uns gefeiert haben.

Für alle die nicht dabei waren: Der RBB war vor Ort und hat einen Beitrag gefilmt.

Einladung zur Cinema Jenin Night

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Am Dienstag, 21.4. 2009 um 20:00 möchten wir alle betterplace-Fans herzlich zur Cinema Jenin Night  im Berliner Radialsystem einladen.

Im Frühjahr 2010 wird in Jenin, Palästina, ein seit 20 Jahren geschlossenes Kino als Kulturzentrum wiedereröffnet. Ziel der Veranstaltung ist es, durch den Erwerb von “Sozialaktien” gemeinsam 39.280 Euro für den Erwerb einer Tonanlage fürs Kino aufzubringen.

Wir präsentieren das Projekt gemeinsam mit Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier, den Initiatoren von “Cinema Jenin” Ismael Khatib, Fakhri Hamad und Marcus Vetter, Désirée Nosbusch und Carolin Emcke. 

Aber auch alle, die nicht in Berlin mit dabei sein können, haben die Chance sich zu beteiligen: Jeder Euro für die Tonanlage ist willkommen!

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Soziales Engagement als Ego-Kosmetik

Die Versuchung der ostentativen Hilfsbereitschaft

Sie hat ihren ganz eigenen Reiz, die Frage, warum es so oft aufeinandertrifft, daß derselbe Mensch in den sichtbaren Bereichen vorbildlich altruistisch erscheint, in den unsichtbaren Bereichen hingegen kaum Ambitionen hat, sich für andere einzusetzen. Ehrenamtliche Helfer und die Mitarbeiter der als sozial angesehenen, oft auch kirchlich geprägten Organisationen verdienen mit ihrem Tun gesellschaftliche Anerkennung, und sie bekommen sie auch, insbesondere bei solchen Gelegenheiten, wo sie ihre Zugehörigkeit zum großen sozialen Werk äußerlich sichtbar machen können. Der Gelegenheiten gibt es einige, und schon deshalb finden sich beispielsweise in den Dienstvorschriften der Rettungsorganisationen Hinweise, daß man die Dienstkleidung nicht in der Freizeit tragen darf. Nun ist aber der Weg zum Dienst und von dort nach Hause Auslegungssache, und da kann es schon einmal passieren, daß die Rotkreuz-Sanitäterin Natascha Erlenbieger* ihr Töchterlein in voller Rettungsdienstmontur aus der Turngruppe abholt.

Das wäre für sich genommen nicht besonders bemerkenswert, aber gelegentlich kann man beobachten, wie diese zur Schau gestellte altruistische Haltung durch die Verhaltensmuster in den privaten Angelegenheiten stark relativiert wird. Dann wird die Samariter-Attitüde nämlich richtig interessant: Dieselbe Natascha bot zwar mit viel Menschenfreundlichkeit einer anderen Familie an, regelmäßig deren Kind mit in den Kindergarten zu nehmen, weil sie diese Strecke ja ohnehin fährt — stellte diese Gefälligkeit dann jedoch von heute auf morgen und ohne jeden Blick auf die damit zusammenhängenden Folgen per SMS wieder ein, inklusive totalem Kontaktabbruch. Natürlich ist niemand verpflichtet, fremder Leute Kinder herumzufahren. Aber die Begleitumstände sagen etwas darüber aus, was von solchen selbst gemachten Angeboten, ihrer Handhabung und plötzlichen Entziehung zu halten ist. Das vordergründig soziale, empathische oder mitmenschliche Engagement verkommt dann zum Etikettenschwindel, vielleicht zum Selbstbetrug. Und möglicherweise sind Kern und Wesen des scheinbaren Sozialen eben weit mehr im Egoismus zu suchen als in der Bereitschaft, sich wirklich in seine Mitmenschen hineinzuversetzen. Allzuleicht entsteht dann in diesen Menschen das Gefühl, zuviel für andere zu tun, womöglich ausgenutzt zu werden.

Ich tue Gutes, weil ich es mir wert bin
Über die inneren Strukturen des Egoisten nachzudenken, kann einiges Licht in Verhältnisse bringen, die vielen als terra incognita erscheinen müssen. Wenn es Formen des sozialen Engagements gibt, die tatsächlich in der Ichbezogenheit des Menschen wurzeln, wie es schon vor dreihundert Jahren Mandeville in seiner Bienenfabel zu zeigen versucht hat, dann schmälert dies die realen Wirkungen dieses Engagements in der Regel nicht. Es wäre jedoch ein bemerkenswerter Befund, wenn sich die verschiedenen Formen sozialer Aufopferung wenigstens zum Teil durch den Egoismus des sozial Tätigen erklären ließen. Dann ist aber zu fragen, wieso der Helfer den mit sozialen Taten verbundenen hohen Aufwand zu tragen bereit ist und inwieweit sein Egoismus denn gerade durch diese Tätigkeiten bedient würde.

Am Anfang steht nur die Beobachtung, daß Intensität und Prinzipien der sichtbaren altruistischen Betätigung sich von denen des privaten, vermeintlich unsichtbaren Handelns gravierend unterscheiden können. Da engagieren sich Menschen geradezu liebevoll für die medizinische Versorgung streunender und vollkommen entsozialisierter rumänischer Hundstiere, fangen aber innerhalb des von ihnen gegründeten Vereins beim kleinsten Anlaß furchtbare Beißereien an, die in sehr vielen Fällen zu langen Streitereien und Vereinsspaltungen geführt haben. Da macht sich im Internet eine schier unerträgliche Sammel- und Darstellungssucht im Zusammenhang mit Unterstützungspatenschaften breit, aber hinter der Projektionsfläche zeigt sich oft ein anderer, oft gar nicht sozial eingestellter Mensch. “Ostentation”, von der sich das ostentative Helfen ableitet, bedeutet nicht nur Schaustellung, sondern eben auch Prahlerei.

Nur aus einer Laune heraus
Ähnliches ist auch bei Susanne Niedertiefentaler* zu sehen: Im Beruf arbeitet sie in der Sozialstation einer katholischen Hilfsorganisation, der das Engagement von Mensch zu Mensch seit langer Zeit ein besonderes Anliegen ist. Sie ist so hilfsbereit, daß sie sogar für ihren halbstarken Sohn die Zeitungen austrägt, wenn der mal keine Lust hat, und zu Feierlichkeiten rührt sie zwanghaft noch irgendeine Mousse an, obwohl es schon zwanzig Dessertschüsseln gibt — die Leute könnten ja schlecht über sie denken. Warum sie für mehrere Kinder in ihrem Bekanntenkreis das Taufpatenamt übernommen hat, weiß sie möglicherweise selbst nicht, denn sie hatte kein Problem damit, sich ebenso schnell und ohne Angabe von Gründen von solchen Verpflichtungen wieder zu befreien. Patenkind und Eltern hörten keinen Mucks mehr, auch nach mehrfacher Nachfrage nicht, und dieser Wendung war nichts vorausgegangen, was irgendwie als Problem oder Konflikt hätte gedeutet werden können. Wieder ging die zur Schau getragene Selbstaufopferung mit Kontaktstörung und Abschottung einher, mit dem absichtlichen Entziehen der eigenen Person aus den Verhältnissen der Mitmenschen.

Es lohnt sich schon, einen Blick darauf zu werfen, ob die Außenansicht eines helfend Tätigen mit seinen inneren Eigenschaften korreliert oder ob sich Unterschiede und Inkohärenzen zeigen. Wenn sich der Hauptantrieb zum Engagement aus dem Egoismus speist, wird nicht nur der Zweck der Hilfsarbeit ins Gegenteil verkehrt (nämlich von der Besserstellung des Empfängers hin zur Besserstellung des Gebers), sondern es nimmt auch die Integrität dieser Arbeit ab — dadurch nämlich, daß jemand, der im Extremfall nur noch für das eigene Ansehen wirkt, den Hilfsorganisationen und Leistungsempfängern kein wirklich verläßliches Angebot macht. Er setzt sich ein, solange er Lust dazu hat, davon profitiert oder von Fundraisern, die seine Motive durchschauen, wirkungsvoll “motiviert” wird. Ist dies nicht mehr der Fall, nimmt das Engagement deutlich ab. Andere Aktivitäten werden wichtiger, das altruistische Arbeiten tritt in den Hintergrund. Wie starke Anstrengungen inzwischen unternommen werden müssen, um Spender bei Laune zu halten, spiegelt sich unter anderem darin wider, daß der Kostenanteil für Werbung, den die vom DZI zertifizierten Organisationen in ihren Bilanzen ausweisen, von 2000 bis 2008 um 76 % emporgeschnellt ist. Bei überwiegend intrinsischer Motivation der Spender wäre so eine Tendenz sehr verwunderlich.

Soziales Handeln, keimfrei und appetitlich
Es gibt noch weitere Gründe für die Verlagerung des Sozialen von innen nach außen, an die Oberfläche. Dort draußen findet die Betätigung aber auch in ungefährlicher Form statt: Man braucht die Zustände und Schicksale nicht in sein Innerstes eindringen zu lassen. Man behält Einsatzbereitschaft und Aufwand (an Zeit, Leistung und finanziellen Mitteln) unter Kontrolle und kann das Engagement sofort einstellen, wenn sich die eigene Bedürfnislage geändert hat. Und nicht zuletzt: Soziales Handeln, sichtbar gemacht auf der außenliegenden Projektionsfläche, wird sehr oft durch Organisationen und Fundraiser keimfrei und appetitlich hergerichtet und romantisiert, es kann also mit einem gewissen Erlebniswert und drastischer Steigerung des Selbstwertgefühls betrieben werden. Mit einer nach außen gestülpten, kontrollierbaren sozialen Betätigung beschmutzt man sich nicht und wird auch nicht krank.

Man mag es für einen einträglichen Weg halten, daß im Fundraising darauf geachtet wird, genau diese Affekte und Motive zu stärken, zu bedienen und auszunutzen. Praktisch alle Patenschaftsorganisationen haben sich einen geschmeidigen Stil im Umgang mit Konflikten angewöhnt und bedienen Klischees hinsichtlich der Lebensbedingungen in Entwicklungsländern und der Aufwertung des Spenders durch seine Tat. Es birgt aber ein gewisses Risiko, wenn man die Beziehung zwischen Spender und Organisation als Tauschbeziehung ansieht und die Spende als Bezahlung in einem Kaufgeschäft. Solche Konstruktionen führen nicht nur dazu, daß sich die Ansicht etabliert, daß dem Spender dann eben auch etwas verkauft werden muß, nämlich Anerkennung, Selbstwertgefühl, Integration, Partizipation, Emanzipation und noch einiges mehr. Sie führen auch dazu, daß der Spender seine Wohltätigkeit als Konsumform begreifen kann und sein Tun von den Gegenleistungen abhängig macht. Der egoistisch disponierte Wohltätige spendet, indem er konsumiert, und er konsumiert, indem er spendet — sein Handeln verfehlt das eigentliche Ziel des Sozialen, nämlich die vorrangige Besserstellung des Anderen.

Wie sieht die Zukunft aus?
Es ist eine gründliche Überlegung wert, in welche Richtung sich eine Spendenkultur dieses Zuschnitts bewegen wird. Denn auch hier kann man annehmen, daß die Hilfe auf tönernen Füßen steht und sofort wegbricht, wenn die Anreize nicht mehr ausreichen, wenn andere Konsumbereiche wichtiger werden oder wenn die eigenen Mittel für eine Weiterführung des Engagements nicht mehr langen. Gerade vor dem Hintergrund der Finanzkrise wird sich noch herausstellen, ob die vom Fundraising beabsichtigten Partizipationstendenzen zur festen Bereitschaft geführt haben werden, sich für die Belange anderer Menschen einzusetzen.

*) Namen geändert

Bei diesem Beitrag handelt es sich um Auszüge eines Essays, das Alexander Glück in der aktuellen Ausgabe von “Stiftung & Sponsoring” veröffentlicht (www.stiftung-sponsoring.de). Vom selben Autor ist erhältlich: Der Spendenkomplex. Das kalte Geschäft mit heißen Gefühlen. Berlin: Transit-Verl., 2008. ISBN 978-3-88747-234-4. www.der-spendenkomplex.de.tt. Im September 1009 erscheint im Verlag “Stiftung & Sponsoring” sein neues Buch: “Die verkaufte Verantwortung: Das stille Einvernehmen im Fundraising”.

Wenn Christen Fundraisen

Fromme Ansichten zu Spendenwesen und Fundraising

Das Fundraising und die Arbeit der Initiativen stehen zuweilen in der Kritik. Liest man sich die Ansichten christlich geprägter Autoren durch, gewinnt man den Eindruck, daß dort alles blitzsauber ist. Das ist es wohl auch, auf der Realitätsebene. Man kann annehmen, daß christliche Fundraiser aus Glaubens- und Gewissensgründen nicht besonders geneigt sind, Spenden zu veruntreuen oder sich aus den eingeworbenen Mitteln üppig selbst zu versorgen. Auf einer anderen Ebene zeigt sich jedoch ein Bild, das die Intention christlichen Fundraisings in ein interessantes Licht setzt. Der christliche Fundraiser sieht sich in Gottes unmittelbarem Auftrag, er bekommt die Spenden nicht vom Spender, sondern von Gott, und er ist in jeder Hinsicht ein Musterbeispiel an Integrität. Wofür auch immer gesammelt werden mag, stets steht Gott dahinter, der Fundraiser ist nur sein Werkzeug. Ein besonderes wichtiges zumal, denn er ist es, der den Spendern neue Erfahrungsebenen ihrer Religiosität eröffnet. Einige aktuelle Literaturzitate mögen das verdeutlichen:

“Christliches Fundraising zeichnet sich durch die Menschen aus, die es ausüben, nämlich Christen. Wie das Modell des ‚Fundraising-Baums‘ zeigen wird, sind es besondere christliche Werte und Einstellungen, die das christliche Fundraising unverwechselbar machen.”

“Denn es gilt ja, Gottes Ziele in der Welt umzusetzen und dafür die nötigen Mittel einzubringen.”

“Auch christliches Fundraising bleibt in einer permanenten Abhängigkeit gegenüber Gott. Die Ernte ist immer ein Geschenk und nichts selbstverständliches.”

“Wenn Kirchen, Gemeinden oder christliche Gruppen um Geld bitten, dann (…) liegt auf jedem Spendensammeln eine besondere Würde: Gott will es.”

“Das Geben für Gottes Sache hat noch nie jemanden arm gemacht.”

“Noch niemand ist jemals ärmer geworden, weil er Gott sein Geld zurückgab.”

“Christliches Fundraising wird sich immer durch eine ernste Überzeugungsarbeit auszeichnen. Es geht nicht darum, den Menschen die ‚Gelder aus der Tasche zu ziehen‘, sondern [sie] auch für das Anliegen der Sache zu gewinnen. Das mag manchmal mühsamer sein. Aber auf Dauer ist es sehr viel effektiver.”

“Paulus wirbt, aber er manipuliert nicht. Er bittet inständig, doch zwingt er keine der neuen Gemeinden, für Jerusalem zu spenden. ‚Jeder‘, so formuliert er, ‚soll soviel geben, wie er sich in seinem Herzen vorgenommen hat. Es soll ihm nicht leid tun und er soll es auch nicht nur geben, weil er sich dazu gezwungen fühlt. Gott liebt fröhliche Geber‘ (2. Korinther 9,7). Hier liegt auch die feine Grenze zwischen christlichem Fundraising und hemmungsloser Seelenmassage, wo am Ende der Spender nicht mehr weiß, was er tut.”

“[Paulus] ist sich sicher: Wer für Gottes Sache gibt, der wird Gottes Segen erfahren.”

“Die Amerikaner drücken es plastisch aus: ‚Fundraising is Faithraising‘, d. h. ‚Fundraising ist Glaubensvermehrung‘. Wer in Gottes Auftrag Gelder sammelt, wird den Menschen eine neue Erfahrungsebene mit ihrem Schöpfer vermitteln.”

“Nicht nur das Almosengeben selbst, sondern auch die Inspiration dazu ist nach talmudischem Verständnis ein verdienstliches Werk. So heißt es: Größer ist (der zu Almosen) anregt, als der, welcher sie gibt; denn es heißt: Das Anregen zu Almosen wird zum Frieden gereichen und das Geben (die Ausführung) der Almosen zu Ruhe und Sicherheit für immer.”

Der Glaube, zu einer Elite zu gehören
Mir scheint, daß sich in Textstellen wie diesen die elitistische Selbstwahrnehmung von Fundraisern auf eine besonders subtile Art offenbart. Die Spendenziele brauchen sich gar nicht aus sich selbst heraus zu legitimieren, sie sind legitimiert durch Gottes Auftrag, der wie ein Blankoscheck immer dann in die Luft gehalten wird, wenn der Fundraiser Christ ist. Damit enthebt er sich seiner Schamgefühle im Zusammenhang mit der Bitte um Geld, damit enthebt er sich aber auch seiner Verantwortung für die Integrität der Projekte, für die er sammelt.

Der Nichtchrist hat es schwerer. Er kann sich nicht auf eine unantastbare Instanz wie Gott berufen, sondern steht mit nichts als seiner Überzeugung, seinen Informationen und ein paar Prospekten in der Tür. Er kommt allein als Mensch. Er kann sich nicht auf einen großen Boß beziehen, der ihn geschickt hat. Er muß deshalb die Verantwortung für sein Tun ganz alleine tragen.

Im christlichen Mandat liegt natürlich auch die Gefahr, sich unter Berufung auf den göttlichen Auftrag für Projekte zu engagieren, die weder sinnvoll noch auch im biblioschen Sinne “gut” sind. Der Auftrag Gottes als Generalvollmacht hält noch für den fragwürdigsten Spendenzweck her, woraus sich dann auch wieder ein heil- und planloses Durcheinander der verschiedensten konkurrierenden Projekte ergibt. Reicht denn die Formel “Hauptsache, christlich!” ohne weitere substanzielle Überprüfung eigentlich aus?

Literatur

Müller, Oliver (2005): Vom Almosen zum Spendenmarkt. Sozialethische Aspekte christlicher Spendenkultur. 1. Aufl. Freiburg im Breisgau: Lambertus.

Schnepper, Arndt/Junge, Andreas A. (2008): Geld für Gott. Das Fundraising-Buch für Kirche und Gemeinden. 1. Aufl. Witten: SCM R. Brockhaus.

Alexander Glück, der Autor dieses Artikels, hat ein Buch zum Thema geschrieben: Der Spendenkomplex. Das kalte Geschäft mit heißen Gefühlen. Berlin: Transit-Verl., 2008. ISBN 978-3-88747-234-4. www.der-spendenkomplex.de.tt. Im September 1009 erscheint im Verlag “Stiftung & Sponsoring” sein neues Buch: “Die verkaufte Verantwortung: Das stille Einvernehmen im Fundraising”.

Ackerbau und Viehzucht

In der Fundraising-Literatur werden Spender gelegentlich mit dem Fleckvieh gleichgesetzt

Spender geben etwas, und Fundraiser sorgen dafür, daß die Mittel fließen. Manchem kommt da gelegentlich das Bild der Ameisen in den Sinn, die eine Blattlauskolonie hegen. In der Fachliteratur wird aber gelegentlich ein anderes Bild bemüht, das einiges über die Grundhaltung dieser Dienstleister aussagt.

Die folgende Zusammenstellung aktueller Lesefrüchte macht das recht anschaulich:

“Spender sind sensibel. Sie reagieren empfindlich darauf, wenn ihnen das Gefühl vermittelt wird, sie seien nur anonyme Milchkühe einer Organisation.”

“Fundraising hat nichts mit Jagen und Sammeln zu tun, Fundraising ist Ackerbau und Viehzucht. Felder sind zu pflügen und zu düngen, es ist zu säen und zu bewässern, Unkraut ist zu zupfen, die Ernte einzubringen und der Erntekranz zu binden. Fundraising wird nur erfolgreich sein, wenn es integraler und strategischer Bestandteil des Unternehmens wird.”

Partizipation und Viehzucht: ein Widerspruch
Worauf ich damit hinaus will, ist das immer lauter zu vernehmende Ziel der Emanzipation, Partizipation und Herausbildung gesellschaftlichen Wandels. Wie wollen die Fundraiser das denn erreichen, wenn das mein Onkel im Waldviertel von seinen Rindern doch auch nicht erwarten kann? Die Sprache ist es, an der man die Gedanken erkennt. Und auch wenn die Wortwahl nicht so sehr aus dem Erfahrungsschatz des Landmanns schöpft, wird doch immer wieder eine bedürfnisbefriedigende Spielart des Fundraisings gelehrt, die zur reinen Wellneß-Massage verkommt. Auch dazu eine bezeichnende Stelle:

“Die Ansprüche [der Spender] können sehr unterschiedlich sein und je nach Typ oder Spendensumme variieren. Die Kunst des Fundraisings (…) besteht genau darin, diese Wünsche und Vorstellungen möglichst individuell zu befriedigen.”

Die Befriedigung von Bedürfnissen geht aber einher mit dem Aufbau von Bedürfnissen, insbesondere dem nach emotionaler Entspannung:

“Eine wissenschaftliche Analyse brieflicher Spendenaufrufe ergab, daß die Begriffe Verantwortung und Emotion (Mitleid, Schuld) von zentraler Bedeutung in der Spendenwerbung sind und die Hauptansatzpunkte darstellen, um die angesprochene Zielgruppe für eine Unterstützung zu mobilisieren. Wie dominierend diese beiden Aspekte im Fundraising sind, zeigt sich auch an der Tatsache, daß nur ein vergleichsweise geringer Teil der Aufrufe auf die Wirtschaftlichkeit der eigenen Arbeit bzw. hohe Zielerreichung derselben abhebt oder die eigene Seriosität herausstellt.”

Hauptsache, die Kasse stimmt
Dem Briefempfänger wird also Schuld eingeredet, und es wird an seine Verantwortung appelliert. Aber nicht mit dem Ziel, daß er sich dann vielleicht mit Attac vernetzt oder den Film “Let’s make money” weiterempfiehlt. Sondern nur mit der Absicht, ihn zu einer einmaligen oder regelmäßigen Geldzahlung zu bewegen. Dadurch wird der Spender in die Lage versetzt, mit den ihm eingeredeten schlechten Gefühlen fertig zu werden.

Für die Initiativen ist alles andere natürlich nicht einträglich genug, außerdem würde es Verwaltungsaufwand verursachen. Daher ist es kein Geheimnis, was auch Marita Haibach erkennt:

“Der Wunschtraum vieler spendensammelnder Organisationen sind allerdings ›pflegeleichte‹ Spenderinnen und Spender. Menschen, die von selbst spenden, ihre Spende mit keinerlei Zweckbindung oder Auflagen verbinden, die ihnen keine Arbeit oder gar Schwierigkeiten bereiten.”

Vie sehr die Entwicklung in Richtung von Aufstallung geht, zeigt auch das folgende Zitat:

“Man spricht nicht gerne darüber. Aber eine reale Gefahr des Fundraisings ist es, die Spender nur noch unter dem Gesichtspunkt des Geldes zu betrachten: Wer kann wieviel geben? Wie können wir unsere Spender ermutigen, noch mehr als bisher zu geben?”

Woran es wirklich liegt
Fundraiser und Initiativen handeln zweckrational, die Ursache liegt in der Struktur der Spender. Wir sind von einer unmittelbaren, soziale Gerechtigkeit schaffenden Almosenkultur weggekommen zu einem aseptischen, romantisierten und appetitlich aufbereiteten Tele-Sozialverhalten, dessen Wirkungsfelder in vielen Fällen auf der anderen Seite des Planeten liegen, obwohl man auch dafür nicht in die Ferne schweifen müßte. Gleichzeitig wünscht unsere Gesellschaft (oder billigt es zumindest ohne schlechte Gefühle), daß Einkaufszentren, Innenstädte und Geschäftsstraßen konsequent von sozialen Randgruppen gesäubert werden. Inklusion geht immer auch mit einer Exklusion einher. Der Leser möge sich selbst einmal die Frage stellen, ob er nicht im Angesicht eines nach Alkohol riechenden Straßenbettlers sein Portomonnaie eben auch deshalb in der Tasche gelassen hat, weil er doch eben erst dreistellig an eine große Initiative gespendet hat. Ich meine: Das eine geht mit dem anderen einher.

Wie weit es unsere Spendenkultur mit der eigenen Bedürfnisbefriedigung gebracht hat, zeigt sich auch hierin: “12 % der Spender würden sich über eine E-Mail zum Geburtstag freuen.”

Literatur

Fabisch, Nicole (2006): Fundraising. Spenden, Sponsoring und mehr … Orig.-Ausg., 2., vollst. überarb. Aufl. München: Dt. Taschenbuch-Verl. [u.a.] (= dtv Beck-Wirtschaftsberater; 50859).

Haibach, Marita (2006): “Individuen als Spenderinnen und Spender”. In: Ruckh, Mario F. (Hg.): Sozialmarketing als Stakeholder-Management. Grundlagen und Perspektiven für ein beziehungsorientiertes Management von Nonprofit-Organisationen. 1. Aufl. Berliner Kommunikations-Forum. Bern: Haupt.

Müller, Oliver (2005): Vom Almosen zum Spendenmarkt. Sozialethische Aspekte christlicher Spendenkultur. 1. Aufl. Freiburg im Breisgau: Lambertus.

Preusser, Norbert (1989): Not macht erfinderisch. Überlebensstrategien der Armenbevölkerung seit 1807. 1. Aufl. MünchenAG-SPAK-Publ. (= Materialien der AG SPAK; M 93).

Schnepper, Arndt/Junge, Andreas A. (2008): Geld für Gott. Das Fundraising-Buch für Kirche und Gemeinden. 1. Aufl. Witten: SCM R. Brockhaus.

Schulz, Lothar (2005): “Institutional Readiness – Voraussetzung jeglicher professionellen Fundraising-Kultur und -Strategie”. In: Watenphul, Jens (Hg.): Fundraising: 46 Experten erläutern Kampagnen, Events, Sponsoring u.v.m. Mit exakten Anleitungen + Medienworkshops ; [Beiträge der Fundraising-Akademie, Greenpeace, der Kirchen, Kultureinrichtungen, Stiftungen und anderer]. Fundraising-Akademie. Pfäffikon (CH), Ostfildern (D): Fink-Medien AG.

Alexander Glück, der Autor dieses Artikels, hat ein Buch zum Thema geschrieben: Der Spendenkomplex. Das kalte Geschäft mit heißen Gefühlen. Berlin: Transit-Verl., 2008. ISBN 978-3-88747-234-4. www.der-spendenkomplex.de.tt. Im September 1009 erscheint im Verlag “Stiftung & Sponsoring” sein neues Buch: “Die verkaufte Verantwortung: Das stille Einvernehmen im Fundraising”.



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