Archiv für May, 2009

Der Long Tail der Hilfe

180px-long_tailsvg 

„Massenmarkt “ vs. „Nischenprodukte “

Eine der wichtigsten Inspirationen für betterplace.org war Chris Andersons These des Long Tail und je mehr Erfahrungen wir auf der Plattform sammeln, desto mehr bestätigt sich Andersons Theorie, dass die Zukunft nicht mehr dem Massenmarkt, sondern Nischenprodukten gehören wird.

Worum geht es beim Long Tail?
2004 veröffentlichte Chris Anderson, Chefredakteur von Wired Magazine, seinen Artikel über The long tail. Anderson (der seine Thesen zu einem Buch erweiterte The Long Tail: Why the Future of Business Is Selling Less of More (welches den unsäglichen deutschen Titel Der lange Schwanz trägt) stellte die Behauptung auf, dass mit dem Aufkommen des Internets Nischenprodukte enorm an Bedeutung gewinnen würden und in ihrer Gesamtheit mehr Volumen ausmachen und profite generieren, als konventionelle Massenprodukte.

Der Long Tail der Musik
Er illustrierte diese Geschäftsdynamik mit der Musikindustrie. Vor dem Internetzeitalter bestand „die Musikindustrie“ aus den wenigen Tausend Schallplatten, bzw. CDs, die von ein paar Tausend Musikern produziert wurden. Die Musikindustrie war ungefähr so umfangreich, wie ein großer Musikladen – der Virgin Store unserer Kindheit – Lagerplatz hatte. Das Internet hat diesen Markt völlig auf den Kopf gestellt: da es keine Kapazitätenbeschränkungen für Lagerplatz gibt und räumliche Distanzen mühelos überwunden werden können, ist die Musikindustrie heute viel, viel größer. Eine Band die Psycho-African-Trance-Reggae (ein echtes Nischenprodukt) spielt, kann Songs produzieren und auch verkaufen, da ihre 500 Fans zwar in der ganzen Welt verteilt sind, aber den Song dennoch herunterladen oder für die CD bezahlen. Zusammengezählt generieren diese Nischenprodukte mehr Profit als die alte Musikindustrie.

Der Long Tail der Hilfe
Nachdem er sich das erste Mal mit Anderson beschäftigt hatte, entwickelte Stephan die These, dass es auch einen Long Tail des sozialen Engagements geben müsste. Auf unseren Reisen hatten wir viele kleine Organisationen gesehen, die Armut oder Bildungsnot z.T. sehr effektiv bekämpften, aber für alle Menschen außerhalb ihrer kleinen Gemeinschaft unbekannt waren. Kombiniert man aber die Arbeit, Gelder und Wissen, welches in diese vielen kleinen Initiativen fließt, haben sie ein größeres Volumen als das der traditionellen Hilfsindustrie, die von großen Organisationen wie World Vision, Care International oder Oxfam dominiert wird .

Wäre es nicht fantastisch diese vielen kleinen Initiativen einer großen Anzahl von Menschen zugänglich zu machen, die über eine Internetplattform die Möglichkeit hätten direkt miteinander in Kontakt zu treten? Und das kostenlos!

Potentielle Unterstützer mit sehr ausdifferenzierten Interessen können auf einem offenen Marktplatz genau die Initiative finden, die sie unterstützen wollen. Als Anthropologin habe ich die höchst diversen Lebenswelten von Bevölkerungen, in Deutschland ebenso wie in China, studiert. Marketing Experten teilen Gruppen in immer kleinere Nischen auf, wie z.B. die US-amerikanische Agentur Claritas, die die Chinesisch-Amerikanische Bevölkerung in 5 Lebenstilgruppen, von Young Literati bis Money & Brains aufteilt. 

Warum sollten wir davon ausgehen, dass diese Gruppen ihre Zeit, ihr Geld und ihre Expertise nur den üblichen Verdächtigen, den großen Hilfsorganisationen, zur Verfügung stellen wollen? Stattdessen kommen sie vielleicht gerade von einem Urlaub aus Tanzania zurück und haben dort gesehen, dass es Frauen schlecht geht. Oder das dort Albinos ermordet oder Homosexuelle verfolgt werden. Und sie wollen genau in diesem Bereich einen Unterschied machen.

Idealerweise findet man auf einem Marktplatz wie betterplace.org genau die Organisation die hier ansetzt und bespendet z.B. diese Organisation

Ich möchte Obdachlosen helfen
Wie eingangs beschrieben, finden wir bei betterplace Andersons These immer wieder bestätigt. So fertigte Angela Ullrich, die für das Projekteteam Datenanalysen macht, eine Übersicht des deutschen Privatspendenmarkts an, der ein Jahresvolumen von ca. 4 Milliarden Euro hat. Sie konnte 240 Organisationen namentlich identifizieren. Diese Organisationen erhalten 48% des gesamten Spendenvolumens. Der Rest – d.h. 52%! – geht an unbekannte Organisationen, meist kleine Vereine und Stiftungen. Da ist er: der long tail der Hilfe und genau ihn sehen wir (neben den großen, renommierten Organisationen) täglich als Neuregistrierungen auf betterplace.

Und noch ein Beispiel: Vor einiger Zeit registrierte sich ein  fundraising team auf betterplace und gewann sehr schnell an Momentum (mittlerweile gibt es 406 Teammitglieder, die alle mindestens 1 € in den Topf eingezahlt haben).

Das Team war von den Hamburger Machern von Pennergame.de initiiert worden, einem deutschen online Spiel. Da Pennergame sich um Obdachlosigkeit dreht, wählten die Produzenten 3 Hamburger Obdachlosenprojekte aus und forderten ihre Mitglieder auf der Startseite auf dem Team beizutreten und auf die Projekte zu spenden.

Im Zweifel gehören die Spieler von Pennergame nicht unbedingt zur klassischen Spendergruppe. Sie engagierten sich auf betterplace, da das Spiel einen etwas zweifelhaften Ruf hat, dem sie etwas entgegensetzen konnten. Aus den über 500 Kommentaren die die Aktion auf dem Pennergame blog provozierten, kann man herauslesen, dass sie froh waren ihrer Umwelt zu signalisieren, dass sie Obdachlose nicht nur „benutzen“ und im Spiel simulieren, sondern sich real für eine Verbesserung ihrer Lebensumstände einsetzen.

 Auf betterplace fanden sie genau die Projekte, die zu ihrem speziellen Anliegen passten. Sie konnten mit wenigen Schritten zu ihrer Realisierung beitragen und machten die Erfahrung, dass – obwohl ihre individuellen Beiträge meist klein waren – sie in der Masse wirklich große Summen zusammen bekommen konnten (in diesem Fall mittlerweile 10.179€).

Wer Mitgefühl besitzt, lebt länger

Eigentlich wollte ich gerade über meine wunderbaren Gastgeber an der Uni Mannheim, die Initiatoren der Studentengruppe thinc! bloggen, die mich am Montag abend für einen Vortrag über betterplace.org einluden, da kam über eine Hamburger betterplacianerin – Danke, Henriette – diese Mitteilung aus dem Hamburger Abendblatt auf meinen Schreibtisch:

 Zumindest in der Evolution des Menschen seien statt Ellenbogen ganz andere Qualitäten gefragt wie zum Beispiel Mitgefühl, Dankbarkeit und Großzügigkeit, sagt Dacher Keltner, Psychologe an der University of California, im Magazin “Für Sie”. Forschungen zeigten, dass Freundlichkeit eines der entscheidenden Kriterien sei, um beruflich und privat Partner zu finden. “Im Laufe der Jahrhunderte ist Mitgefühl zu einem unserer führenden ethischen Prinzipien geworden.” Ein weiterer Vorteil, so Keltner: Geben und Helfen stärke nachweislich das Immunsystem, man lebt länger und gesünder.

Als zwanghafter Multitasker verbinde ich nun beide Mitteilungen: Wer länger leben möchte, dem würde ich vorschlagen, Nyota e.V. und eine westafrikanische Kindertagesstätte, das Projekt eines Mannheimer BWL-Studenten, zu unterstützen. Das war eine echte Überraschung: nachdem ich betterplace präsentiert und die vielen Fragen der Studenten zum Thema Social Entrepreurship, betterplace.org und Spenden beantwortet hatte, outete sich einer von ihnen, Alex, als betterplace Projektverantwortlicher und berichtete von seinen positiven Erfahrungen auf der Plattform. Ein tolleres Schlußwort hätte ich mir nicht wünschen können!

Ich freue mich auf weitere Kooperationen, sei es, dass ihr soziale Projekte scoutet oder besucht, als Praktikanten bei uns anheuert oder gemeinsam mit Freunden ein Fundraising-Team auf betterplace gründet.

betterShirts

Wer seine betterplace.org-Zugehörigkeit auch in der Offline-Welt zeigen möchte, kann ab sofort unsere brandneuen T-Shirts  unter http://betterplace.spreadshirt.net bestellen. Spreadshirt war übrigens so freundlich, uns kostenlos einen werbefreien Premiumaccount zur Verfügung zu stellen. Hier das Motiv der betterplacianerin:

betterplace t-shirt

betterplace t-shirt

Ein Brunnen auf dem heißen Stein

Der Sommer kommt und es wird heiß – zum Glück haben wir genügend zu trinken. Weil das leider nicht überall zutrifft, stellen wir Ihnen zum heutigen Welt-Afrikatag ein Trinkwasserprojekt für eine äthiopische Schule vor.

Unsere Partner von Viva Con Agua betreiben ein ehrgeiziges Projekt in Kalu, Äthiopien. Die über 1000 Jungen, Mädchen und Lehrer der dortigen Endode Grundschule müssen sich derzeit einen kleinen handgegrabenen Brunnen zur Trinkwassergewinnung und eine einzige wasserlose Latrine teilen. Die Folge sind mangelnde Hygiene, Krankheiten und dadurch fernbleibende Schüler. Mit Ihrer Spende können Sie den Kindern in Kalu sauberes Trinkwasser, Sanitäranlagen und damit eine gesunde Zukunft ermöglichen. Zudem sichern Schulungen und Aufklärungsprojekte vor Ort den nachhaltigen Umgang mit Wasser.

bild_sektion1

Das Projekt ist mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn das Trinkwasser hilft den Kindern, die Schule ausgiebiger besuchen zu können. Helfen Sie jetzt mit – dann kann der Sommer auch in Kalu/Äthiopien kommen.

betterplace junior bei der Ashoka Jugendinitiative

Heute nachmittag trafen sich die geförderten Teams in den Räumen den Ashoka Jugendinitiative. Mit dabei auch Lilian, Cengiz, Philipp und Vico von betterplace junior, die der Redakteurin der Berliner Zeitung von ihrem Projekt erzählten. Mehr zu dem Alba für Bhutan Projekt, sobald alle gefundraisten Gelder eingezahlt sind. Vorab aber schon mal: Die Choki Art School kann ihren Basketballplatz bauen!

Alle unter einem Dach

Bunnys Familie in Calamba

Zum 16. mal rufen die Vereinten Nationen heute den Internationalen Tag der Familie aus. “Familie”, das bedeutet für viele hierzulande wahlweise vor allem Ärger mit pubertierenden Kindern, langatmige Weihnachtsfeiern oder die täglich überkochende Milch. Im Lande von “Frauentausch” und “Super Nanny” laufen der ursprüngliche Sinn und Funktion einer Familie zuweilen Gefahr, aus dem Blickfeld zu geraten. Aus einer internationalen Perspektive und besonders vom entwicklungspolitischen Standpunkt betrachtet, bedeutet “Familie” dagegen vor allem “Schutz”. Es geht dabei um das Engagement für Frauen- und Kinderrechte, gesellschaftliche Gleichberechtigung, freie Wahl des Ehepartners und um den Schutz der Familien vor staatlichen Eingriffen.

Auf betterplace.org präsentieren sich zahlreiche Projekte, die sich bemühen, Familien Schutz zu bieten. Und das erfolgreich. Die Familie von Bunny aus Calamba auf den Philippinen ist ein gutes Beispiel dafür. Nachdem ein Taifun ihr Haus und die Lebensgrundlage der Familie zerstörte, konnten ihnen schnell mit dem Nötigsten geholfen werden. Nun geht es darum, nachhaltig zu helfen, und der Familie schnell wieder ein Dach über dem Kopf zu ermöglichen. Der Anfang ist bereits gemacht, es fehlt nur noch eine Toilette und ein paar Nägel.

Spenden sie jetzt – Vielen Dank!

Die Albatrosse bauen einen Basketballplatz in Bhutan – morgen geht’s los!

Am morgigen Samstag (09.05) ist es soweit, wir starten unsere erste Kooperation mit den Albatrossen aus Berlin. Es wird ein echtes Spitzenspiel in der o2 World, geht es um nicht weniger als das Endspiel um Platz 1 der Basketball-Bundesliga und damit den Heimvorteil für alle Playoff-Runden. Nicht zu unterschätzender Gegner sind die EWE Baskets aus dem niedersächsischen Oldenburg.

Ziel der gemeinsamen Aktion mit ALBA BERLIN und ihrem Sponsor Vattenfall Europe ist der Bau eines Basketballplatzes für eine kleine Schule in Bhutan.

Die betterplace juniors haben bisher 220 Eintrittskarten verkauft, von denen jeweils drei Euro in den Bau des Basketballplatzes fließen. In einer Auszeit im dritten Viertel werden Freiwürfe von den besten Schützen des Vattenfall Schulcups geworfen, bei denen Vattenfall für jeden Treffer 150 Euro für den Basketballplatz spendet.

Darüberhinaus bieten wir allen Zuschauern per Charity-SMS die Möglichkeit, direkt vor Ort einen Betrag von 2,82€ über ihr Handy in den Bau des Basketballplatzes zu geben. Wer es ausprobieren möchte: Einfach den Text “Alba” per SMS an die Kurzwahlnummer 81190 schicken. Die SMS kostet 2,99€ (ggfs. zzgl. Transportkosten), die Mobilfunkanbieter verzichten hierbei auf die üblichen Erlösanteile, es entsteht lediglich eine minimale technische Gebühr von 17ct. Hier ist der Screen, der während der Freiwürfe auf dem LED-Cube in der o2 World erscheinen wird:

alba_led1

Wir sind sehr gespannt, da wir die Charity-SMS erstmals auf einer Großveranstaltung einsetzen. Unser Ziel ist es auf jeden Fall, an diesem Wochenende den Basketballplatz finanziert zu haben. Wir freuen uns auf das spannende Spiel und werden nächste Woche an dieser Stelle berichten!

Kinostart: Das Herz von Jenin

images1

Morgen, am Donnerstag, den 7.Mai, kommt Das Herz von Jenin in deutsche Kinos. Der bewegende Dokumentarfilm erzählt

die wahre Geschichte von Ismael Khatib, dessen 12-jähriger Sohn Ahmed 2005 im Flüchtlingslager von Jenin von Kugeln israelischer Soldaten tödlich am Kopf getroffen wird. Nachdem die Ärzte im Krankenhaus nur noch Ahmeds Hirntod feststellen können, entscheidet der Palästinenser Ismael, die Organe seines Sohnes sechs israelischen Kindern zu spenden und damit deren Leben zu retten.

Zwei Jahre später begibt er sich auf eine Reise quer durch Israel, um diese Kinder zu besuchen. Eine schmerzhafte und zugleich befreiende Reise, denn durch die Kinder kommt Ismael auch seinem Sohn wieder ganz nah.

Normalerweise haben wir bei betterplace.org wenig mit der Filmwelt zu tun. Da die Protagonisten und der Regisseur des Films jedoch ein grandioses Kulturprojekt ins Leben gerufen haben, welches man über betterplace.org unterstützen kann, sind wir seit Sommer 2008 mit Ismael Khatib, Fakhri Hamad und Marcus Vetter in engem Austausch.

Wir wünschen dem Film viele, viele Zuschauer und hoffen, dass sie der großartigen menschlichen Leistung von Ismael, die Organe seines erschossenen Sohnes israelischen Kindern zu spenden, nicht nur mit Lippenbekenntnissen und Tränen Anerkennung zollen, sondern tatkräftig am Aufbau des seit 1987 geschlossenen Kinos in Jenin mitwirken – so wie viele andere auch: von Roger Waters, über Frank-Walter Steinmeier und Désireé Nosbusch bis zu (bislang) 112 betterplacianern, die entweder das Projekt direkt oder über betterplace Fundraising-Teams in Berlin oder München bespendet haben .

Machen Sie mit bei CINEMA JENIN!

Einer unserer wichtigsten Werbeträger: Ihre verschickten E-Mails

Machen Sie uns ein kleines Geschenk zwischendurch?
Fügen Sie betterplace.org in Ihre E-Mail-Signatur ein. Einfach einen der beiden folgenden Links kopieren und rein damit in Ihre Signatur (Bei technischen Fragen helfen wir gerne):

“www.betterplace.org – Geben erleben!”
Oder:
“Wann wird man schon mal eingeladen die Welt zu verändern? Jetzt – www.betterplace.org”

Dead Aid

images

Auf unserem englischen blog befindet sich eine Rezension des Buches Dead Aid von Dambisa Moyo – Ihr glaubwürdiges Fazit: Entwicklungshilfe verhindert Entwicklung! Ihre engagierte Antwort: es gibt Alternativen!



© 2007-2009 betterplace

This Blog is proudly powered by WordPress
Entries (RSS) and Comments (RSS).