Archiv für July, 2009

betterplace.org auf der Social Business Konferenz in Köln

 

Nächsten Monat findet in Köln die 2. Social Business Regionalkonferenz des GENISIS Instituts statt. Ich bin mit dabei um betterplace.org vorzustellen.

 

Dienstag, 25.08.2009 von 18.30-21 Uhr 

in der Aula 2, Universität Köln, Albertus-Magnus-Platz, 50923 Köln

 

Was ist Social Business?

Social Business bedeutet die Lösung gesellschaftlich relevanter Probleme auf unternehmerischem Weg analog  zu Prof  Yunus Armutsbekämpfung in Bangladesh über Mikrokredite. Am 2./3.11.08 fand der von Genisis organisierte Vision Summit mit 1000 Gästen in Berlin statt & konnte sich als das wesentliche Event zum Thema „Social Business“ im deutschsprachigen Raum durchsetzen.

 

Der nächste Vision Summit findet am 5.-9.11.09 in Berlin statt. Vorab möchten wir Euch auf Regionalevents, wie bereits in München, Wien oder jetzt in Köln, für das Thema begeistern:

 

Speaker auf der Konferenz am Dienstag, dem 25.08.09 sind: 

 

Clemens Pflanz, Advisor, Roland Berger Strategy Consultants, 

Moderation und Einführung: Was ist Social Business? 

 

Felix Oldenburg, Geschäftsführer von Ashoka Deutschland

Ashoka: Everyone a Changemaker. Präsentation von einigen Social Businesses. Gemeinsam mit dem weltweiten Netzwerk an Fellows, Business Entrepreneurs, Entscheidungsträgern, Investoren arbeitet Ashoka daran, dass Social Entrepreneurs und ihre Innovationen eine neue Generation von lokalen Changemakern dazu inspirieren, positiven sozialen Wandel zu bewirken. 

 

Xaver Diermayr, Investment Manager von Bonventure

Fonds und Stiftung für soziale Verantwortung. Bonventure steht für ein klar umrissenes Ziel: Engagements in Unternehmen und Organisationen mit sozialem und/oder ökologischem Geschäftszweck im deutschsprachigen Raum. 

 

Friedrich Kiesinger, Gründer von Pegasus

Soziales Problem: Reintegration psychisch Kranker & körperlich Behinderter in Berlin

 

Joana Breidenbach, Mitgründerin von betterplace.org

Internetplattform Betterplace.org ermöglicht weltweit jedem Menschen für ein Hilfsprojekt Unterstützung zu finden – oder selbst ein Hilfsprojekt auszuwählen, dass er unterstützen möchte.

 

Michel Aloui, Gründer der Brandstiftung

Ziel ist es, social joint ventures und social marketing strategisch zu nutzen, um das Thema „Social Business“ maßgeblich in Deutschland zu etablieren.

 

Wir freuen uns über viele Gäste und gute Diskussionen.

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Deine Aufgaben:
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•    Unterstützung unseres PR-Bereichs
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The People Formerly Known as the Donors

Teil 2 der Lektüre von Jeff Jarvis What Would Google Do? Teil 1

Jarvis zitiert den Journalismusprofessor Jay Rosen, der von „the people formaly known as the audience” spricht. Standen in der alten Welt der Printmedien, des Radios und TVs eine Reihe von Produzenten einer großen Masse – den Lesern, Zuhörern und Zuschauern – gegenüber, so lösen sich diese Fronten gerade auf und eine weitgehend passive Rezipientenmasse gehört der Vergangenheit an. Nachrichten, Wissen, Unterhaltung werden kollaborativ – sie entstehen im Dialog zwischen Produzenten und Konsumenten. Sie sind interaktiv und werden von den Konsumenten mitgestaltet.

Von Spendern zu Mitgestaltern

Genau das gleiche Phänomen werden wir in der Welt des sozialen Engagements erleben: Aus Spendern werden Dialogpartner und Mitgestalter. Indem Moment, wo die Möglichkeit besteht sich auf einfache Art und Weise einzubringen – z. B. mit seinem Know How, werden soziale Organisationen immer mehr in den Dialog treten und kollaborative Strategien entwickeln (müssen).

Ein kleines Beispiel aus dem eigenen Haus: Vor einiger Zeit stieß ich (Joana) auf ein Malaria-Präventionsprojekt auf betterplace, welches mir gut gefiel und das ich bespendete. Allerdings interessierte mich woher die Mückennetze stammten, die die Hilfsorganisation mit meiner Spende in einem westafrikanischen Land verteilen wollte. Ich wußte von einer hoch effizienten, sozial engagierten Firma in Tansania A-Z Textiles, die in großem Maßstab Insektizidimprägnierte Netze vertreibt. Da eines der Hauptkriterien für nachhaltige Entwicklung die Stärkung lokaler Unternehmen und die Schaffung lokaler Arbeitsplätze ist, empfinde ich es als wesentlich sinnvoller, wenn die Hilfsorganisation ihre Netze nicht bei einer europäischen Firma bestellt, sondern bei einem lokalen, afrikanischen Unternehmen.

In der Offline-Welt wäre es mir zu mühsam gewesen, diesem Thema nachzugehen. Ich hätte einen Brief schreiben, den richtigen Adressaten in der Hilfsorganisation ausfindig machen, einen Briefumschlag frankieren und zum Briefkasten bringen müssen. Viel zu viel Aufwand für mein ohnehin atemloses Leben. Doch auf betterplace war die Projektverantwortliche nur einen Klick entfernt und ich konnte meine Frage – verbunden mit einem Vorschlag – ganz einfach stellen. Nach nur wenigen Tagen hatte ich von der Organisation eine Antwort bekommen, die mich zwar nicht vollständig in meiner Spende bestätigte (die Netze werden nicht in Afrika produziert), jedoch den Eindruck erweckte, als sei ich gehört worden und man werde meinem Vorschlag nachgehen.

Stellen Sie sich jetzt noch mal vor, die Organisation das Thema wirklich ernsthaft verfolgen und mich darüber auf dem Laufenden halten! Sie hätte nicht nur eine völlig begeisterte Spenderin gewonnen, die auch weitere Projekte der Organisation unterstützt und in ihrem Bekanntenkreis für diese wirbt. Es wäre auch gemeinschaftlich eine – so meine ich – entwicklungspolitisch bessere Lösung zustande kommen.

Wer sich öffnet gewinnt

Der kritischen Fundraising-Literatur, u.a. Alexander Glücks Der Spendenkomplex  kann man entnehmen, dass Organisationen Spender sehr oft auf „Datensätze“ reduzieren, von denen sie Geld in Empfang nehmen. Dabei haben so viele Menschen so viele gute Ideen und Zugang zu sehr spezifischen Informationen – was wäre, wenn sie dieses punktgenau und einfach den Hilfsorganisationen zur Verfügung stellen könnten? Und wenn diese Organisationen sich ihren Unterstützern wirklich öffnen würden? Wenn aus Spendern Mitgestalter werden?

Unsere Vorhersage nach der Lektüre von What Would Google Do? – Die Organisationen und Initiativen, die ihre Unterstützer wirklich ernst nehmen und mit ihnen zusammenarbeitet, werden diejenigen sein, die im Internetzeitalter überleben und florieren.

betterplace.org – What Would Google Do?

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Ein Buch, welches in unseren Ferien von Hand zu Hand gereicht wird und momentan bei unserem 14 jährigen Sohn Vico gelandet ist, ist Jeff Jarvis What Would Google Do? 

Jarvis betreibt einen der bekanntesten blogs über das Internet und Neue Medien BuzzMachine.com, unterrichtet Journalismus an der City University in New York und schreibt die New Media Kolumne für den Guardian. What Would Google Do? destilliert einige Kernelemente hinter dem Erfolg von Google – des am schnellsten wachsenden Unternehmens der Geschichte. In Kapiteln mit Titeln wie Give the People Control and We Will Use it, Do What You Do Best and Link to the Rest oder Free is a Business Model leitet Jarvis die Hauptprinzipien einer neuen Wirtschaftsordnung ab, die viele Regeln der old economy auf den Kopf stellen.

Als Internetplattform versteht sich auch betterplace als eine disruptive Kraft, die Antworten auf einige der wichtigsten Herausforderungen des gemeinnützigen Sektors liefern möchte. Zu diesen Herausforderungen gehört zum einen die Intransparenz des Sektors (welche Spenderin weiß, was mit ihrem Geld gemacht wird?), die hohen Kapitalbeschaffungskosten (so kann Fundraising gut und gerne zwischen 30-50% der eingesammelten Spenden verschlingen) und das fehlende Wissen darüber, welche Organisationen effektive Arbeit leisten und welche nicht (wo ist Ihr Spendeneuro besser angelegt – bei World Vision oder der Choki Traditional Art School?). 

Die disruptive Kraft des Netzes im Gemeinnützigen Sektor

Diesen Herausforderungen versuchen wir dadurch zu begegnen, dass sich auf betterplace Organisationen nicht nur verpflichten ihre Arbeit in Projekte und einzelne Bedarfe aufzuschlüsseln, sondern auch regelmäßig über den Projektfortschritt in Wort und Bild zu berichten. Den bisher hohen Kapitalbeschaffungskosten stellen wir betterplace als 100% kostenfreie Plattform gegenüber und das Web of Trust soll Spendern (und Organisationen!) ermöglichen, ein realistischeres Bild bezüglich der Effektivität der Projektarbeit zu bekommen, indem eine möglichst große Menge von Stakeholdern zu Wort kommen.

Unsere Welt ist mitten in einem gigantischen Transformationsprozess und viele alte Gewissheiten werden durch die neuen Kommunikationswelten auf den Kopf gestellt.

betterplace ist disruptiv, d.h. wir brechen bestehende Prozesse und Systeme auf, machen sie transparenter und effizienter, da wir Wertschöpfungsketten verkürzen. Die Erfahrung zeigt, so sagt unser Mitgründer Jörg Rheinboldt, dass das nicht allen Beteiligten Spaß und Freude macht. Aber diejenigen, die sich rechtzeitig auf diese neue Welt einstellen, können davon nur profitieren.

Mehr davon im nächsten WWGD-blogpost.

MySpace unterstützt mit seinen Mitgliedern die Jugend Kabuls

Seit dieser Woche gibt es bei MySpace ein betterplace.org-Widget, mit welchem das Projekt Skateistan auf betterplace.org unterstützt wird. Jeder MySpace-Nutzer kann das Widget in seinem Profil installieren und seine Sympathie und sein Engagement für das Projekt zeigen. Um das Projekt auch monetär zu unterstützen, haben wir ein MySpace-Team bei betterplace.org gegründet.

Für die kostenlose Erstellung des Widgets möchten wir an dieser Stelle auch nochmal Shirzad Kamawall (Programmierung), Michael Faltermann (Design) und Thomas Gawlitta (Koordination) danken.

Und natürlich freuen wir uns, dass MySpace voll hinter dem Projekt steht und unser gemeinsames Widget heute prominent auf der Startseite bewirbt! Hier unser Startseitenbanner:

myspace-skateistan

Und ein Screenshot des Widgets:

myspace_widget

Schauspielerin Anna Maria Mühe unterstützt das “Bärenherz” und betterplace.org

Anna_Maria-1_betterplace-orgAuf betterplace.org kann jeder mithelfen, die Welt ein bisschen besser zu machen – auch berühmte Film-Schauspielerinnen. Anna Maria Mühe ist Trägerin der Goldenen Kamera und in diesem Jahr sogar für den Deutschen Filmpreis nominiert. Auf betterplace.org trägt sie aber einen noch viel besseren Titel: “Projektbesucherin”. Sie hat das Projekt “Kinderhospiz Bärenherz” in Leipzig besucht und unterstützt es seither auf betterplace.org. „Bärenherz“ betreut schwerstkranke Kinder, um deren Familien zu begleiten und zu entlasten.

Auf der Projektseite des Bärenherz‘ berichtet Anna Maria von ihrem Besuch: “Es war für mich einer der Momente, in denen einem bewusst wird, was wirklich wichtig ist im Leben. Man darf vor so etwas nicht die Augen verschließen. Den Kindern ein Lachen zu schenken ist ganz einfach.”

Anna Maria Mühe wird künftig auch auf unserer Startseite zum Spenden zu animieren. Für das “Bärenherz”, und für über 1.000 andere Projekte.

www.baerenherz.betterplace.org

Schauspielerin Anna Maria Mühe unterstützt betterplace.org

Auf betterplace.org kann jeder mithelfen, die Welt ein bisschen besser zu machen – auch

berühmte Film-Schauspielerinnen. Anna Maria Mühe ist Trägerin der Goldenen Kamera und in diesem

Jahr sogar für den Deutschen Filmpreis nominiert. Auf betterplace.org trägt sie aber einen noch

viel besseren Titel: “Projektbesucherin”. Sie hat das Projekt “Kinderhospiz Bärenherz” in

Leipzig besucht und unterstützt es seither auf betterplace.org. „Bärenherz“ betreut

schwerstkranke Kinder, um deren Familien zu begleiten und zu entlasten.

Auf der Projektseite des Bärenherz’ berichtet Anna Maria von ihrem Besuch: “Es war für mich

einer der Momente, in denen einem bewusst wird, was wirklich wichtig ist im Leben. Man darf vor

so etwas nicht die Augen verschließen. Den Kindern ein Lachen zu schenken ist ganz einfach.”

Anna Maria Mühe wird künftig auch auf unserer Startseite zum Spenden zu animieren. Für das

“Bärenherz”, und für über 1.000 andere Projekte.

www.baerenherz.betterplace.org

Afrikanische NGOs: unabhängige Akteure oder Handlanger des Westens?

Eines der wissenschaftlichen Journale, die ich verfolge, ist Development and Change (und nicht nur, weil ich dort auch veröffentlich habe). Gerade kam mir ein interessanter Artikel zum Thema Zivilgesellschaft und NGOs in Afrika in die Hände: African NGOs: The New Compradors? (der direkte Link auf den Artikel scheint defekt). Das Thema: welche Rolle spielen lokale, in diesem Fall afrikanische, Nichtregierungsorganisationen in der entwicklungspolitischen Landschaft?

Ein Ziel von betterplace ist es neben den prominenten internationalen NGOs auch lokalen Organisationen eine Plattform zu geben, auf der sie ihre Arbeit vorstellen können und Unterstützung mobilisieren können. Dabei entsteht leicht der Eindruck, als handelte es sich um zwei völlig verschiedene Gruppen: auf der einen Seite die westlichen großen NGOs (Oxfam, Care, Caritas etc.) und auf der anderen Seite die kleinen, lokal verwurzelten Grassroot-Organisationen. Diese Zweiteilung ist zudem gelegentlich noch mit einem Werturteil verbunden, demnach klein und lokal mit besser, effektiver und effizienter gleichgesetzt wird als groß und global. Diese simple Dichotomie wird von Julie Hearn, Autorin von African NGOs herausgefordert.

Explosives Wachstum

Hearns Ausgangspunkt ist das massive Wachstum afrikanischer NGOs in den letzten 25 Jahren. Gab es 1990 in Tanzania gerade mal 41 registrierte Nichtregierungsorganisationen so waren es 2000 schon 10.000! Und managten 1990 afrikanische NGOs weniger als US$ 1 Milliarde an Hilfsgeldern, so standen ihnen 10 Jahre später schon US$ 3.5. Milliarden zur Verfügung.

In den 1980er und 90er Jahren wurden lokale afrikanische Organisationen als Wundermittel gegen die den Kontinent plagende Armut und soziale Ungerechtigkeit angesehen: hier sei ein wirksames Instrument gegen das gescheiterte top-down Management der internationalen Entwicklungshilfeorganisationen, von Weltbank bis UN. Lokale Organisationen, so die weit verbreitete Annahme, würden lokale Bevölkerungen ermächtigen und ihnen eine längst überfällige Stimme geben.

Mitte der 90er Jahre wurde der Diskurs dann kritischer und zum ersten Mal forderten Entwicklungshelfer im Feld und empirische wissenschaftliche Studien das positive Bild einer aufblühenden, pluralistischen afrikanischen Zivilgesellschaft heraus. Studien mit Titel wie Undermining Development: The Absence of Power among Local NGOs (Michael 2004), zeigten anhand von Case Studies in verschiedensten afrikanischen Staaten, dass einheimische afrikanische NGOs weitgehend machtlos sind.

Diese Bestandaufnahme wurde von einigen, vorwiegend afrikanischen Beobachtern noch weitergeführt, die die Machtbeziehungen zwischen westlichen Hilfsorganisationen und staatlichen Entwicklungshilfeinstitutionen auf der einen Seite und ihren afrikanischen Pendants auf der anderen Seite höchst kritisch hinterfragen. Westliche Staaten hätten keineswegs ihren Machtanspruch in Afrika aufgegeben, sondern ihn nur dahingehend verlagert, dass sie weniger direkt als nunmehr indirekt, durch afrikanische Partner, ihren Einfluß ausübten. Denn die Gelder, mit denen Entwicklung vorangetrieben werden soll, stammen nach wie vor aus dem Westen.

NGOs – „the place to make money“

Andere kritische Stimmen verwiesen darauf, dass nur weil NGOs von Afrikanern betrieben werden, sie per se besser seien müssten als die ihrer internationalen Kollegen. Denn der Boom der afrikansischen Zivilorganisationen fällt in eine Periode des wirtschaftlichen Kollapes: zwischen 1982 und 1995 belief sich das durchschnittliche Wirtschaftswachstum der Sub-Saharischen Staaten auf minus 1.1% und koinzidierte mit einem rapiden Fall des Lebensstandards. In dieser Situation stellte ausländische Entwicklungshilfe – kanalisiert durch einheimische Partnerorganisationen – in vielen Staaten die wichtigste Geldquelle dar. In der Folge dienten NGOs als: 

safety net for the African petit bourgeois to survive and maintain their livelihood in the most appalling economic conditions. As both the state and the private sector have dried up as sites of either accumulation or ‚’rent seeking’, the voluntary sector, with ist sigificant inflows of external funding, has become the place to make money. The NGOs sector expanded exponentially, fuelling comments about the creation of ‚bogus’ NGOs that were in fact just ‚husband and wife NGOs’ or ‚briefcase NGOs’. (…) an interview with the director of a Ugandan NGO shows how this trend continues. Look (he says) I am not going to be shy about this – this is in the first place a business. We think first of our own survival, secondly about other people’s survival’

Scheinautonomie

Aber auch lokale NGOs, die seriöse Arbeit leisten, sind oft viel weniger unabhängig, als es den Anschein hat. Das liegt hauptsächlich daran, dass sie über 90% ihrer Gelder von den großen, internationalen Organisationen erhalten. Diese sind  ihrerseits aus Imagegründen gezwungen mit lokalen Partnerorganisationen zusammenzuarbeiten (ansonsten heißt es, der Westen würde den afrikanischen Kontinent rekolonisieren) und haben sich in den letzten Jahren Buzzwords wie „Partizipation“, „Ownership“ und „Rechenschaft den Armen gegenüber“ auf die Fahnen geschrieben.

Aber in der Praxis sieht das meist anders aus und Projekte werden nicht vor Ort, in Kampala, Maputo oder Freetown entworfen, sondern in den Londoner, Washingtoner oder Pariser Headquarters der Entwicklungshilfeorganisationen. In diesem Prozess der Projektentwicklung und Implementierung werden die Interessen der lokalen Partner (und der Bevölkerungen) nachweislich nur zu oft übergangen.

Hearns Fazit: Afrikanische NGOs sind „lokale Verwalter internationaler Entwicklungshilfegelder, nicht eigenständige Manager lokaler, afrikanischer Entwicklungsprozesse.“

Mitmachen: Plakate, die die Welt verändern!

betterplace wird noch diesen Monat auf einigen tausend Großplakaten im ganzen Land zu sehen sein – dank großzügiger Förderer.
Im Zentrum der Anzeige wird zu sehen sein, wer wir sind: Die Startseite von betterplace.org.

Heute werden wir den Screenshot für das Plakat schiessen und wie immer sind darauf die letzten drei Spender zu sehen.
Wer HEUTE zwischen JETZT und 14 Uhr unter den ersten 50 Spendern ist – egal welches Projekt unterstützt wird – hat die Chance mit auf das Plakat zu kommen.

Jetzt spenden und weitersagen!
www.betterplace.org

Viel Spass!

PS Selbstverständlich wird den Gewinnern der Verlosung das endgültige Motiv gezeigt und ihr Einverständnis noch abgefragt.

The Blue Sweater – Philanthropie und Markt

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Als ich vor einer Woche in Berlin meinen Koffer packte, hatte ich ernsthafte Sorgen der Fluggesellschaft eine satte Gebühr für Übergepäck bezahlen zu müssen. Seit Monaten stapeln sich in meinem Arbeitszimmer die Bücher, die ich in den Ferien hier in Südfrankreich lesen will. Nach einer Runde Belletristik – The Women, das neueste Buch des begnadeten T.C. Boyle über die Frauen von Frank Lloyd Wright – war als erstes Sachbuch des Sommers The Blue Sweater. Bridging the Gap Between Rich and Poor in an Interconnected World an der Reihe, eine Art Biographie der Acumen Fund Gründerin Jacqueline Novogratz.

Amerikaner, die die Geschichte ihrer Weltverbesserer-Laufbahn aufschreiben, verfallen oft in eine Art Erweckungsrhetorik – so beispielsweise Room to Reads John Wood in Leaving Microsoft to Change the World. Auch Novogratz ist davor nicht gefeit und an einigen Stellen wünschte ich mir, sie wäre weniger edel und gut, ihr Pfad weniger gradlinig und aufopferungsvoll. Dennoch ist die Lektüre über ihre mittlerweile zwanzigjährige Erkenntnisreise durch die Welt der Entwicklungszusammenarbeit und Armutsreduktion, über weite Stellen lohnend. (Und anders als John Wood, der in seinem Buch überhaupt nicht auf die Arbeit vor Ort – z.B. in Nepal und Vietnam – eingeht und über alle Hindernisse und Herausforderungen beim Aufbau von Room to Read hinwegwischt (gab es die etwa nicht?), erscheint Novogratz’ Darstellung der vielen Widersprüche und gescheiterten Versuche wesentlich realistischer).  

Investments in Sozialen Fortschritt

Für alle, die den Acumen Fund nicht kennen: Der 2001 von der Rockefeller Stiftung, der Cisco Stiftung und einigen engagierten Privatpersonen mit über acht Millionen Startkapital ausgestattete Fond investiert in Organisationen und Individuen, die das Potential haben, in großem Stil sozialen Wandel zu initiieren. Im Gegensatz zu herkömmlichen philanthropischen Ansätzen, investiert Acumen dabei sowohl in for-profit, als auch not-for-profit Organisationen und Sozialunternehmer, die sich einer strengen Qualitätskontrolle und Rechenschaftspflicht unterwerfen und messbaren, skalierbaren Fortschritt anstreben. Unter den bekanntesten Investments finden sich der Aufbau und Vertrieb von Bewässerungstechnologien fürs ländliche Indien und die Finanzierung von A to Z Textiles in Tanzania, dem mittlerweile größten afrikanischen Mückennetz-Produzenten.

Lernen, auf die harte Weise

Nach einer frühen, erfolgreichen Karriere bei einer amerikanischen Großbank, beschließt die damals 25 jährige Novogratz nach Afrika zu gehen und dort Mikrokredit-Organisationen für Frauen aufzubauen. Doch in Kenia und der Elfenbeinküste, ebenso wie in Ruanda, begegnet ihr nicht nur teilweise massiver Widerstand lokaler Entwicklungshelfer (die keine Weiße auf dem Führungsposten der African Development Bank sehen wollen), sie ist auch mit den Absurditäten staatlicher Entwicklungszusammenarbeit konfrontiert. Evaluiert sie großangelegte internationale Programme, z.B. von UNICEF und kommt zu dem Schluß, dass diese nicht nur unproduktiv, sondern sogar kontraproduktiv sind, dann stößt sie nur zu oft auf lokale Regierungsbeamte und internationale Entwicklungshelfer, die an dem System nichts ändern wollen und an einer Effizienz– und  Effektivitätssteigerung scheinbar überhaupt nicht interessiert sind.

Die blaue Bäckerei

Zugleich wird sie mit der Apathie und dem geringen Selbstwertgefühl von Frauen in Ruanda konfrontiert, die sie als Kunden für die neu gegründete Frauenbank Duterimbere gewinnen will. Novogratz möchte Mikrokredite nicht nur dafür verwendet sehen, dass eine Marktfrau mehr Tomaten oder Reis verkaufen kann. Sie möchte bei den Frauen unternehmerische Energien freisetzen, so dass diese wiederum selbst neue Jobs schaffen. Also wendet sie sich an eine Frauenkooperative, die bis dato von Entwicklungshilfegeldern finanziert, Backwaren herstellt und vertreibt. Als sie zum ersten Mal in der Bäckerei vorbeischaut sitzen dort 20 Frauen in einem engen Zimmer zusammen und warten auf Kundschaft. Es gibt keine ausgelegten Waren, keine Werbung – nichts außer ein paar Beignets (Schmalzgebackenes), Samosas und Waffeln, die jeden Morgen zubereitet werden um dann von den Frauen in ein paar Regierungsgebäude als vormittäglicher Snack feilgeboten zu werden – Knoppers auf Ruandisch.

Die Frauen verdienen 0.50$ am Tag, zu wenig um damit ihre oft vielköpfigen Familien zu ernähren. Aber selbst bei diesen niedrigen Einkünften verliert das Projekt Geld – an die $650 im Monat. Die Differenz wird von zwei Hilfsorganisationen gezahlt und die Kooperative bangte jedes Mal von neuem, ob die Unterstützung verlängert wird oder nicht. Novogratz überzeugt die Leiterin die Gelder der Hilfsorganisationen abzulehnen und gemeinsam ein eigenes Geschäftsmodell zu entwickeln.

Zuerst gilt es die Kundenbasis zu vergrößern: Da die Frauen zu schüchtern sind um Kunden zu werben, zieht die Amerikanerin mit ihnen los und gewinnt in Botschaften und internationalen Organisationen zusätzliche Abnehmer für eine (um Bananen- und Kassavachips) erweiterte und in leuchtend orangenen Körben dargebotene Produktpalette.

Die Einnahmen steigen, doch da einige Frauen Gelder privat einstecken, muss ein Kontrollsystem entwickelt werden. In Workshops versucht Novogratz ihnen Marketingskills zu vermitteln, scheitert jedoch, weil die Frauen meinen, es sei nicht Teil der „ruandischen Kultur“ Fremden in die Augen zu sehen oder diese direkt anzusprechen. Nichts desto trotz wird die Bäckerei nach einigen Monaten profitabel und langsam beginnen die Frauen an ihren eigenen Erfolg zu glauben und sich nicht nur als letztes Glied und Opfer ihrer Gesellschaft zu fühlen, welche gerade mal mit westlichen Almosen überleben kann. Schlußendlich wird das Haus der Kooperative auch noch zu einem leuchtend blau angestrichenen Backladen für Laufkundschaft umgewandelt und die begehrtesten Produkte der Bäckerei werden an viele kleine Läden Kigalis geliefert und dort verkauft. Nach 8 Monaten hat sich der Tagesverdienst der Frauen von US$0.50 auf US$2 gesteigert, eine Summe, die nur wenigen Frauen in Ruanda zur Verfügung steht.

Feedback und Incentivierung durch Marktmechanismen

Viele der gescheiterten Fälle von Entwicklungshilfe hängen damit zusammen, dass einer Bevölkerung Infrastrukturtechnologien – seien es Brunnenpumpen oder Hirsemühlen – geschenkt werden, diese aber, einmal defekt, von der lokalen Bevölkerung nicht repariert werden können. Oder teures Benzin zur Unterhaltung der Technologie verwendet werden muss, welches sich vor Ort niemand leisten kann. Weder Hilfsorganisationen noch Regierungsstellen müssen für die geleistete Hilfe effektiv Rechenschaft abliefern und je mehr Novogratz in die Mechanismen der Charities Einblick erhält, desto überzeugter ist sie, das das bestehende Hilfssystem eine niedrige Erwartungshaltungen der Bevölkerung und (bestenfalls) mittelmäßige Resultate produziert. Im Gegensatz dazu sind Marktmechanismen nicht nur zur Incentivierung der Bevölkerung besser geeignet, sondern bieten auch  den Finanzgebern die Chance, besseres Feedback zu erhalten, ob die finanzierten Maßnahmen funktioniert haben oder nicht.

Zurück in den USA fängt Novogratz für die Rockefeller Stiftung an vierwöchige Workshops in effektiver Philanthropie zu geben. In diesen Workshops kommen jeweils 8-10 Philanthropen zwischen 28 und 50 Jahren zusammen, die strategisch effektiv in sozialen Fortschritt investieren wollen – mittlerweile haben über 150 wohlhabende Menschen aus der ganzen Welt sich auf diese Weise darin ausbilden lassen, wie ihr Spendeneuro am nachhaltigsten und wirksamsten eingesetzt werden kann. Einige dieser Individuen unterstützten Novogratz dann auch bei der Gründung des Acumen Funds.

Ein Venture Capital Fund für ein Armen

Acumen versteht sich als ein Venture Capital Fund für die Armen: der Fund sammelt Spendengelder und investiert sie als Darlehen, Spende oder Unternehmensanteil in Organisationen, die von herausragenden Individuen geleitet werden und die sich mit den großen zeitgenössischen Problemen beschäftigen: mit low-income Bevölkerungen, die keinen Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Anlagen, adäquater medizinische Vorsorge oder Versorgung haben. Neben dem finanziellen Engagement bietet Acumen Hilfestellung im Managementbereich an und vernetzt Produzenten mit Marktpartnern und potentiellen Kunden. Sobald die initialen Investments zurückgezahlt werden können, werden sie in andere Unternehmen, die den Armen zu gute kommen, reinvestiert.

Dabei ist ein wichtiges Prinzip nicht nur in einzelne Projekte, sondern in Organisationen zu investieren und letztere zu stärken. Ohne stabile Institutionen wird der soziale Sektor nicht erfolgreich sein können. Ebenso wichtig erscheint mir Acumens Praxis, sowohl in for-profit als auch in not-for-profit Organisationen zu investieren. Die Unterscheidung zwischen beiden muss keine grundsätzliche sein: in manchen Fällen erscheint es sinnvoll eine Dienstleistung oder ein Produkt als (kostenlose) Spende zu verteilen, während es in einer anderen Situation sinnvoller sein kann, wenn sie kostenpflichtig verkauft werden:

„There is a powerful role both fort he market and for philanthropy to play … philanthropy alone lacks the feedback mechanisms of markets, which are the best listening devices we have; and yet, markets alone too easily leave the most vulnerable behind.“

Wipp-Lounge und Bambini-Schaukel oder: Wie man über betterplace.org sein Netzwerk aktiviert. Ein Paradebeispiel.

WippeSeit diesem Jahr ist der BFC Dynamo aus Berlin der erste Profifußballverein mit einem Kinderspielplatz auf dem Stadiongelände. Dass es dazu kam, verdankt der Verein seinen fleißigen Fans, deren Unterstützern und betterplace.org, dem transparenten Marktplatz für soziales Engagement. Das gesamte Spielplatz-Projekt wurde in beeindruckender Geschwindigkeit ausschließlich über Spenden auf betterplace.org finanziert. Sein erfolgreicher Abschluss ist deshalb ein Paradebeispiel für effektives Fundraising im eigenen Netzwerk über betterplace.org.

Aufstellung:

Zunächst erstellten die Fans des Berliner FC Dynamo eine Profilseite auf betterplace.org. Potentielle Unterstützer und Helfer konnten dort die gewählte Taktik genau ablesen: wie das Projekt geplant ist, wofür genau wieviel Geld gebraucht wird und wer sich darum kümmert. Zuerst soll eine Wippe gebaut werden, dann eine Schaukel, eine Bank, ein Sandkasten und zu guter Letzt eine Rutsche.

Anpfiff:

dynamo4Um dem Projekt den nötigen Anschub zu verleihen, aktivierten die Projektverantwortlichen zunächst ihr eigenes Netzwerk: die Fankurve des BFC. Auf der offiziellen Homepage des Vereins wurde das Spielplatz-Projekt prominent beworben und verlinkt. Fans, Gäste, Sponsoren und Journalisten erfuhren so aus erster Hand vom geplanten Bau des neuen Buddelkastens. Jeder Kontakt wirkt dabei als möglicher Multiplikator für weitere Spender.

Spielfluss:

Das Projekt wird bald im vereinseigenen Forum aufgegriffen und diskutiert. Ein Klick, ein Spender – einfacher geht’s nicht. Fans erfuhren stets den aktuellen Stand der Arbeiten und den Spendenpegel für den nächsten Schritt. Dazu stellten die Projektverantwortlichen einen Spendenaufruf als Textvorlage mit Link zum Projekt zur Verfügung. Der Text konnte einfach in Mailverteiler, Messenger, Blogs oder Online-Communities kopiert werden. Wer eine eigene BFC-Fanseite betreibt, konnte das Projekt zusätzlich per Widget bewerben. Sobald eine Phase des Projekts abgeschlossen werden konnte, dokumentierten die Verantwortlichen das mit Fotos und Blog-Einträgen auf betterplace.org. Die Transparenz motiviert neue Spender: “Da passiert was, da will ich dabei sein!”.

Spielanalyse:

Durch seine Präsenz auf betterplace.org konnte die Spendengemeinschaft für den Spielplatz schnell über das vereinseigene Klientel hinauswachsen und fand Unterstützer sogar auch unter Anhängern anderer Vereine – ein erstaunlicher Effekt. In einer Online-Community für aktive Fußballfans kommentierte ein Nutzer die übergreifende Solidarität so: “Getrennt in den Farben, in der Sache vereint”. Die Erfolgsgeschichte des neuen BFC-Spielplatzes illustriert gleich mehrere Vorzüge der Wirkungsweise sozialen Engagements auf betterplace.org. Anstatt mit hohem Aufwand und niedriger Effizienz herkömmliche Fundraising-Kanäle aus allen Lagen in der Breite zu befeuern, konnte das Projekt via betterplace.org gezielt angegangen, verbreitet und vollendet werden. Innerhalb der eigenen Zielgruppe und deren Netzwerk wurde der “Long Tail” der Fangemeinschaft zielgenau angesprochen und sein Spendenpotential optimal genutzt.

Zur Nachahmung ausdrücklich empfohlen!

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