Archiv für April, 2010

High-Five

2600 Projekte, über 2,5 Millionen Euro in Spenden und vor allem über 30.000 aktive Unterstützer!

Ein großes High-Five an uns alle!  Hier ist eine Anleitung wie es geht — vor allem jedoch wie man es auf keinen Fall tun sollte:

Klicke jetzt auf “Kommentar schreiben” und lass alle wissen warum ein bestimmtes Projekt, betterplace.org Mitglied, oder sogar die ganze Community ein High-Five verdient!

Wo sind die Kontroversen?

Es gibt noch ein paar abschießende Beobachtungen zum Skoll World Forum, die ich teilen möchte. Neben den vielen euphorischen Momenten auf dieser Konferenz, erzeugt durch den geballten Sachverstand und das große Engagement der Teilnehmer, haben mich insbesondere drei Dinge nachdenklich gemacht:

Wo ist die Politik?
In den Diskussionen um Armutsbekämpfung, soziale Gerechtigkeit und Klimawandel dominierte die Überzeugung, unternehmerisches Handeln sei die zentrale Stellschraube. Aber nachhaltiger systemischer Wandel wird nicht von einzelnen Sozialunternehmern und NGOs kommen, sondern bedarf staatlicher oder globaler Regulierungen. Wir brauchen Regulierungen auf der Makro-ebene, denn nur durch neue Gesetzgebungen (in Bereichen wie regenerierbare Energie oder Welthandel) werden die anstehenden Aufgaben zu bewältigen sein.

Wo sind die Kontroversen?
Selten war ich auf einer Konferenz, wo so viel Einigkeit herrscht. Und das macht mir Angst. Denn viele der diskutierten Themen sind eigentlich kontrovers und vielschichtig. Auf einem Panel wie das von V-Day - einer bewundernswerten Organisation, die auf den Vagina Monologues aufbaut und sich weltweit erfolgreich für Frauenrechte einsetzt – wird der Kampf gegen weibliche Beschneidung so geführt, als gäbe es weder ernstzunehmende medizinische und anthropologische Ansätze, das Thema differenziert zu betrachten (s. z.B. Carla Obermeyer oder Richard Shweder), noch einen größeren Kontext (die westliche Schönheitsindustrie, die mit massiven chirurgischen Eingriffen Brüste vergrößert, Fett absaugt und Nasen verkleinert etc.) in dem diese Formen von weiblicher Körperverletzung gesetzt werden sollten.

Aber auch ein Thema wie der mediale Erfolg von kiva.org wird diskutiert ohne die Repräsentationsstrategien der Plattform kritisch zu hinterfragen. Wie im früheren SWF-Post beschrieben, gelang Kiva der Durchbruch, nachdem TV-Zuschauer von der Möglichkeit begeistert waren, konkrete Mikrokreditnehmer in afrikanischen Staaten zu unterstützen. Doch wie in den letzten Monaten breit diskutiert wurde, sind die auf der Plattform abgebildeten Kreditnehmer gar nicht diejenigen, die den Kredit bekommen, sondern Stellvertreter. Die Abgebildeten haben ihren Kredit schon erhalten. Diese Praxis kann verteidigt werden, da eine wirkliche Peer to Peer Plattform einen viel größeren Verwaltungsaufwand mit sich bringen würde. Was mich nur wunderte war, dass in einem Saal voller Menschen, von denen bestimmt viele die so genannten Kiva Kontroverse im Internet verfolgt hatten, keiner darüber diskutieren wollte.

Wo ist das Unternehmertum?
Auf dem Skoll Forum war eine kritische Haltung gegenüber staatlichen Entwicklungsorganisationen und den etablierten großen NGOs deutlich zu spüren. Nun gibt es meiner Ansicht nach wirklich eine Reihe von Unterschieden zwischen den älteren Institutionen und den neuen Social Entrepreneurs, in dem letztere sich z.B. sehr fokussiert EINEN sozialen Missstand herausnehmen und diesen mit modernern Managementmethoden, schlanken Verwaltungsapparaten und genauen Metriken angehen (s. z.B. die von Ashoka für ihre Fellows entwickelten Wirksamkeitsanalysen)

In einem Panel zu Aid Agencies and Social Entrepreneurs, wurde aber auch deutlich, dass die staatlichen EZ-Organisationen mit ihren Millionenbudgets die neuen Spieler nicht ernst nehmen, da sie in ihren Augen keine wirklichen Skaleneffekte erzielen. So berichtete Jörg Hartmann, Direktor bei der gtz für Public-Private Partnerships, dass in der deutschen EZ die Kategorie „social entrepreneurs“ nicht existiert.

Und wenn man genauer nachfragte, wie sich die vielen vertretenen Organisationen denn finanzieren, dann standen sie fast nie wirtschaftlich auf eigenen Füßen, sondern leben wie ihre NGO-Vorgänger von Spenden, Stipendien und öffentlichen Zuschüssen. Die Schwierigkeiten, denen sich soziale Unternehmer auf dem Weg in ihre finanzielle Unabhängigkeit gegenüber sehen, werden z. B. in diesem Artikel nachvollziehbar beschrieben. Nur bitte lasst uns keine, auf falschen Prämissen aufgebaute Riesenblase erzeugen, die nur zu leicht zerplatzen kann. In der Armutsbekämpfung können wir seit dem 2. Weltkrieg sehen, wie sich eine Ideologie an die nächste reiht. Die Ideen des Social Entrepreneurships sind es wert, dass diese nach einer Dekade nicht genauso ihre Legitimation verlieren, wie ihre Vorläufer.

Das beste Panel: “We are all in the entertainment industry”

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Die brilliante Moderatorin des Panels, Jess Search, CEO der Channel 4 Britdoc Foundation

Ungeachtet der vielen beeindruckenden Menschen, die auf dem 7. World Skoll Forum zusammenkamen, erinnerten die meisten Panels doch sehr an den Frontalunterricht meiner Schulzeit und der Wissensreichtum des durchweg hochkarätigen Publikum kam nur in kurzen Abschnitten zum Vorschein. Einigen Teilnehmern der letzten Skoll Foren fehlte diese interaktive Dimension so sehr, dass sie kurzerhand eine „un-conference“, die Oxford Jam, ins Leben riefen, die dieses Jahr erstmalig parallel zum SWF tagte.

Eine Veranstaltung, die dieses Muster deutlich durchbrach und helle Begeisterung bei uns allen hervorrief, war „Social Change Media in the Age of Information Overload“. Moderatorin Jess Search gelang es während eineinhalb Stunden ein echtes Feuerwerk an Stimmen und Perspektiven auf dem Panel zu entzünden. Und das ging so:

Das Format
Auf der Bühnen saßen nicht nur die vier Panelisten, TV-Presentator Alvin Hall, Kiva-Mitgründer Premal Shah, Jim Berk CEO von Participant Media und Cara Mertes, Direktorin des Sundance Institutes, sondern ein leerer Stuhl, der von jedem Teilnehmer der Session besetzt werden konnte. Sobald ein Beitrag beendet war, kam aus dem Saal jemand nach vorne um sich in die Diskussion einzubringen, während einer der ursprünglichen Panelisten im Zuschauerraum Platz nahm. So wurde Alvin Hall abgelöst durch Bart Weetjens (über den Alvin einen Dokumentarfilm gemacht hatte), der wiederum von einem  BBC Worldservice-Produzenten usw.. Auf diese Weise konnte der Spannungsbogen über eineinhalb Stunden gehalten werden und eine unvergleichliche Vielfalt von Perspektiven Gehör finden. Ganz zum Schluss holte Jess wieder die ursprünglichen Gäste auf die Bühne, die in einem Kurzstatement die wichtigsten Themen des Nachmittags zusammenfassten.

“Behalten Sie Ihre Handys während der Veranstaltung angeschaltet”
Die Widerspenstigkeit des Formats wurde unterstrichen von den Ansagen der Moderatorin: Während alle anderen Diskussionsleiter zu Beginn darum baten, Handys und Laptops auszustellen, erklärte sie, wir sollten bitte unsere Telefone anlassen um zu tweeten und auch unsere Laptops dazu nutzen Sachen nachzuschauen.

Fazit: Das Format war absolut super, funktioniert aber nur mit einer erstklassigen Zuhörergruppe, bei denen keine Wichtigtuer Monologe halten, vom Thema abschweifen und sich profilieren wollen.

Der Inhalt
„Welche Arten von Geschichten motivieren Menschen zu handeln?“ Wir alle werden von Informationen überflutet und klicken die Hälfte der emails in unserem Posteingang ungelesen weg. Dennoch gelingt es immer wieder einzelnen Aktionen Menschen so direkt anzusprechen, dass sie Handeln – eine Petition unterzeichnen, Spenden, eine Geschichte weitertragen. Und genau dieses Wissen ist für eine Organisation Gold wert.

Die Kiva-Geschichte
So geschehen im Falle von Kiva.org, betterplace’s großer amerikanischer „Bruder“ im Bereich Mikrokredite. Ein Jahr nach Kivas Start hatte die Plattform 450.000US$ an Krediten von Privatleuten eingenommen, um sie an Mikrokreditnehmer auf der ganzen Welt zu verteilen. Dann zeigte PBS Frontline im Okotber 2006 einen kurzen TV-Beitrag über die Plattform und die Zugriffszahlen schossen nach oben. Die Server brachen für 4 Tage unter dem Ansturm zusammen; das verstärkte den Hype um die Seite nicht nur, sondern trug auch zur Konsolidierung der Finanzen bei: auf der lahmgelegten Seite schaltete Kiva einen Banner, der die User aufforderte, für einen neuen Server zu spenden. Das Resultat: innerhalb eines Monats kamen 125.000 US$ zusammen, die dringend benötigt wurden, da Kiva zu diesem Zeitpunkt nur noch Geld für einen weiteren Monat hatte. In den Monaten nach der Ausstrahlung stieg das monatliche Kreditvolumen über kiva.org auf 1 Millionen US$ an. Heute kommt alle fünf Tage eine Millionen US$ zusammen!

Was machte diesen kurzen TV-Spot so wirksam? Das Thema Mikrokredit war gerade durch die Verleihung des Friedensnobelpreises an Muhammad Yunus populär geworden und der Fernsehsender erreichte die genau richtige demographische Gruppe. Vor allem aber wurden die Zuschauer durch das Erzählformat direkt einbezogen. So erzählt ein Kiva-Kreditgeber, der einen kleinen Mikrokredit vergeben hatte, er fühle sich ein bisschen so, “als ob er seine eigene Rockefeller Stiftung hätte“. Diese Einstellung modellierte nachahmenswertes Verhalten. Andere Sequenzen zeigten konkrete Kreditnehmer in Ostafrika und ihre Anliegen und holten den Zuschauer nah an die Lebenswelten der Kreditempfänger heran.

Waiting for Superman
Sehr wirksam war auch der Trailer, den Jim Berk von Participant Media (der von Jeff Skoll gegründeten Filmfirma, die u.a. Syriana (mit George Clooney) finanziert haben) von ihrem neuesten Filmprojekt, Waiting for Superman, zeigte. Innerhalb von wenigen Minuten wurde ich hineingezogen, in ein Thema, welches sich auf den ersten Blick nicht für einen Thriller zu eignen scheint: das Scheitern des amerikanischen Schulsystems.

Sein Rezept für einen Dokumentarfilm, der Menschen bewegt:

  1. Finde das Thema, die Du erzählen willst.
  2. Finde den Geschichtenerzähler, in diesem Fall der Regisseur von Al Gore’s Inconvenient Truth
  3. Finde die Geschichte: 11 Kinder, die der Film ein Jahr begleitet
  4. Finde den richtigen Tonfall: bloß keine erhobenen Zeigefinger
  5. Finde die Zuschauer: bestimme sehr genau Deine Zielgruppe
  6. Baue auf Emotionen, zieh den Zuschauer in die Geschichte rein
  7. Erkenne Deine Grenzen und erzähl bloß nicht zu viel

Alvin’s Guide to Good Business
Für betterplace und die bei uns versammelten Projekte waren auch die Erfahrungen von Alvin Hall wichtig. Der amerikanische Fernsehreporter präsentiert im BBC (zur Primetime) Alvins Guide to Good Business, in der die Arbeit von Social Entrepreneurs vorgestellt wird. Hall besucht die Aktivisten in Indien, Mosambik oder Zambia und verfolgt ihre Projekte über ein halbes Jahr. Das Resultat sind sehr unterhaltsame, erfahrungsnahe Portraits eindrucksvoller Sozialunternehmer (ich habe mir online bislang 3 angesehen und freue mich auf die restlichen 5 Episoden).

Die Serie findet bei den Zuschauern guten Anklang. Wie aber wirkt sie sich auf die portraitierten Organisationen aus? Die Website von Apopo, der Organisation von Bart Weetjens, die mit Hilfe von Ratten Landminen beseitigt, wurde nach der Ausstrahlung 300.000 geklickt. Doch insgesamt kamen nur um die 5.-10.000€ Spenden zusammen.

Wieso mobilisiert die Sendung nicht mehr Spenden? Hängt es im Falle von Apopo damit zusammen, dass keine Opfer von Landminen gezeigt wurden? Eher nicht, so die TV-Experten: In der Branche weiß man, dass Geschichten mit Verletzten sehr schnell abgeschaltet werden.

Nobody switches on the TV in the evening, saying: „I am going to do something good tonight“. You have to seduce them.

Der BBC Produzent, der aus dem Zuschauerraum auf das Panel kam, begründete den Fundraising-Misserfolg damit, dass die BBC Zuschauerschaft keine Spender im klassischen Sinne sind. Statt dessen würde die Doku-Serie die Reputation der Organisationen fördern und meinungsbildend wirken. Und wirklich, die Macher von Riders for Health http://www.riders.org/, die ebenfalls auf die Bühne kamen, beschrieben, dass sie den Film über ihre Organisation u.a. dazu verwendet hätten, einem Minister in Zambia ihre Arbeit (im Land selbst) zu präsentieren und das dieser derart beeindruckt, gerade einen Vertrag mit der Organisation abgeschlossen hätte.

Oft divergieren die Interessen der Filmemacher (oder Medienleute im allgemeinen) und die der portraitierten Sozialunternehmer. Bart Weetjens erzählte, dass einige Mitarbeiter kritisiert hätten, der Film über Apopo sei eher einer über Alvin Hall. Alvin rechtfertigte dies damit, dass man durch jede Serien einen roten Faden weben muss und dieser in diesem Fall u.a. er selbst die Identifizierungsfigur sei.

Erfolgreiche Erzählstrategien für non-profit Organisationen sind solche, die gute, emotionale Geschichten erzählen, die bei Zuschauern das Begehren wecken, selbst Teil der Geschichte zu werden. Diese Geschichten müssen nicht lang sein, sie sollten authentisch sein – „put cameras into the hands of your beneficiaries“ lautete ein Ratschlag (den wir an alle Interessenten unseren Flip-Kamera Videowettbewerbs gerne weitergeben) und wir als Organisationen müssen wohl unsere Scheu verlieren, auf Vollständigkeit und Komplexität bis zu einem gewissen Maße zu verzichten, denn so das Fazit der Panelisten: „If you want to change the world, you have to become part of the entertainment business.“

P.S. Ich bin übrigens sehr glücklich, Bart Weetjens als Speaker für TEDx Hamburg am 27.Mai 2010 gewonnen zu haben. Außerdem wird Apopo seine Projekte in den nächsten Wochen auch auf betterplace präsentieren und dann können wir da reüssieren, wo die BBC versagt hat!

P. P. S: Im letzten Teil der SWF Highlights werde ich mich kritisch mit dem Hype um Social Entrpreneurship auseinandersetzen.

Highlights vom Skoll World Forum 2010

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Das Skoll World Forum gilt als das „Davos der Sozialunternehmer“ und viele der Menschen, die letzte Woche in Oxford zum 7. Skoll World Forum zusammenkamen sind die Rockstars des Gutes Tun und werden hier auch dementsprechend gefeiert. Darunter Paul Farmer, Gründer von Partners in Health, der bei der Eröffnungsveranstaltung im ehrwürdigen Sheldonian Theatre, ein Plädoyer für die Unterstützung von Haiti gab, ebenso wie Autor und Unternehmer Paul Hawken, Bunker Roy, Gründer der Barefoot Colleges (hier mit einem afrikanischen Solarprojekt auf betterplace) und Ex-Eurythmics Annie Lennox, die ihre Stimme jetzt vermehrt unterpriviligierten Mädchen gibt.

Da andere blogs wie Social Edge eine gute Zusammenfassung des dichtgedrängten Programms bieten und ich aus den Panels getwittert habe, möchte ich hier nur einige persönliche Höhepunkte und Beobachtungen zusammenfassen.

Wie mobilisieren wir Menschen?
Bei betterplace überlegen wir uns natürlich immer, wie wir mehr Menschen mobilisieren können. Das Panel zum Thema The Neuroscience of Change mit Psychologen und Hirnforschern schien hier sehr grundlegende Hinweise bieten zu können.

Empathie basiert auf der Trennung zwischen In-group und Out-group, unser Unterbewusstsein fühlt Schmerz oder Angst eines Menschen, mit dessen Gruppe wir uns identifizieren stärker, als den eines Außenstehenden.

Doch die Trennung in In-group und Out-group ist nicht fest, sondern verändert sich und lässt sich durch Kommunikation z.T. sehr einfach manipulieren. Wir können Geschichten so erzählen, dass sie die Betroffenen als Teil der In-Group unserer Zielgruppe darstellen. So wurden in einem psychologischen Experiment verschiedenste Ansprecharten ausprobiert, um Hotelgäste davon zu überzeugen, dass sie ihre Handtücher nicht jeden Tag wechseln ließen. Manche Schilder verwiesen z.B. auf die realen Umweltfolgen und Kosten des täglichen Wechsels. Doch ein anderer Hinweis erwies sich als wesentlich erfolgreicher: „Die Mehrzahl unserer Gäste verwendet ihre Handtücher mehrere Tagen hintereinander“. Hotelgäste wollen so sein, wie andere Hotelgäste auch.

Interessant waren auch die Forschungen von Read Montague am texanischen Baylor College of Medicine. Mit Hilfe von Maschinen, die Gehirnaktivitäten sichtbar machen, untersuchten die Gehirnforscher, wie wir auf soziale Gesten reagieren. So sollten Probanten sagen, wie ihnen eine Reihe von modernen Kunstwerken gefiel, während sie ein andermal die Zusatzinformation bekamen, dass ein Unternehmen die Kosten des Experiments übernommen hatte. Durchweg wurden die Kunstwerke besser bewertet, wenn sie mit der Information versehen wurden, dass die Experimente gesponsert worden waren. Fazit: Wir reagieren positiver, wenn jemand uns gegenüber eine soziale Geste macht.

Was folgt daraus für soziales Engagement? Beschreibt Eure Anliegen so, dass die Begünstigten als Teil der In-Gruppe wahrgenommen werden und zeigt, dass sich auch schon andere Menschen für die Sache engagieren.

to be continued … Morgen geht es weiter mit einem Panel, von dem mein Mann Stephan sagte, es sei das beste, an dem er jemals teilgenommen hätte (und das will was heißen!).

Guest blog: You can’t outrun a mosquito – but you CAN hide

Online volunteers of Nabuur.com combat malaria through social networks

Kids with mosquito nets in Mawoito

A thousand-mile journey starts with a single step, they say. In this case, a journey spanning the globe starts with a click as Emmanuel, an agricultural Engineer from Uganda, logs onto Nabuur.com.

Soon after posting his message – a request for help outlining his mission to cut death-rates from Malaria in his home village of Wakitaka – his entry is read by a health-worker in a neighbouring village. Two hours later an economics graduate turns on her laptop in a European café. Click. Ideas and offers of expertise pour in from around the world. Click, click, click.

This is Nabuur – a community of impassioned online volunteers who refuse to say “it can’t be helped.” When ordinary people put their unique expertise and energies to extraordinary use, virtually anything is possible. For villagers in Emmanuel’s home village, this means no longer suffering debilitating, and frequently fatal, bouts of malaria.

Emmanuel’s vision takes shape. A collaboration is formed between Wakitaka and neighbouring Mawoito and Jinja Central villages. Funds will be raised to provide 1000 vulnerable families with mosquito nets and educate them about malaria prevention and treatment. Efforts will focus on protecting children, 350 of whom are killed by Malaria in Uganda every day.

“Most families do not cover their children with treated nets due to lack of funds and information,” says Emmanuel.

Tonny Ulambe, Nabuur representative and founder of a centre caring for orphaned children adds “the government doesn’t take it on itself to provide for vulnerable children here. Their communities must protect them.”

TweetANet gives private donors a way to help ground-level activists like Tonny by harnessing social networking sites such as Facebook and Twitter to reach donors and spread the campaign’s message – that for just 2 euros  - less than the price of a latte – you can protect a child from malaria.

“Both Nabuur and the TweetANet fundraiser are based on the belief that anyone with a computer can contribute and make a difference in villages that have not been reached by the big donors so far,“ says Maria Zandt, TweetANet organizer.

It’s working.

As of April 15th private donors have funded about 170 mosquito nets. This means 170 families protected from this deadly, but preventable, disease. This means children back in school, parents relieved of costly medical expenses. This means healthy communities with income to other Nabuur projects such as local education and income-generation initiatives.

These donors – ordinary people with access to the internet  –  are making an extraordinary difference.
You can join them by logging onto betterplace.org and making a donation or simply spreading the word and becoming an advocate in support of Tweet-a-Net.

Capuccino?

- I think I’ll pass.

More about the project Tweet a net: http://de.betterplace.org/projects/3436-1000-mosquito-nets-for-uganda-tweet-a-net

Von null auf 10.000 in 30 Jahren.

Wolfgang Buchner redet nicht viel, er macht. Der gelernte Wassermeister ist bereits 1980 im Alter von 24 Jahren nach Bolivien gefahren und hat dort eine Einfach-Technologie zum Bohren von Brunnen entwickelt. Mit Erfolg: Die Methode hat sich durchgesetzt, bereits 10.000 der preiswerten und einfach zu wartenden Brunnen wurden bislang in ganz Latein-Amerika gebaut. Das ist auch dem Wissenstransfer zu verdanken, den Buchner über Brunnenschulen sicherstellt. Doch lesen Sie selbst, gucken Sie das Video und klicken Sie sich zu Buchners Organisation, hier im Wasserportal.

Falls Sie reichlich Informationen abgeschöpft haben, lassen Sie doch auch etwas zurückfließen?! Besonders gut passende Projekte auf betterplace.org sind:

  • Das DRK sammelt unter anderem für lebensrettende Wasserfilter in Somalia. Einen Filter gibt´s für nur 16 Eurojetzt zuschlagen!

Das Wasser-Wissens-Portal ist ein Projekt des

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Die Geschichte des Buddel-Wassers

Destilliertes Wasser ist ungesund, deshalb haben wir aus dem Thema „Wasser in Flaschen“ nur die Fakten heraus destilliert:

  • Geschätzte 200 Milliarden Flaschen Wasser werden weltweit jedes Jahr ausgetrunken.
  • Nur jede 5. Flasche wird recycelt. Die andere vier tragen zu den 136 Milliarden Tonnen Plastik-Flaschen-Müll bei.
  • 40 Prozent des Buddel-Wassers stammt aus der regulären Trinkwasserleitung. Es wird zu einem bis zu 10.000-fachen Preis verkauft und enthält oft chemische Verunreinigungen, die Gesundheitsstandards nicht erfüllen.
  • Um eine Flasche Wasser herzustellen, benötigt man 3 Flaschen Wasser. Knapp zwei Milliarden Liter Öl werden jährlich verbraucht, um den weltweiten Bedarf an Plastikflaschen zu decken – damit könnten eine Million Autos ein Jahr lang fahren.
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flickr cc: Klearchos Kapoutsis

Hinzu kommen noch die Informationen, die wir auf unserem Wasser-Wissens-Portal bereit gestellt haben. Die Wasserknappheit an vielen Orten weltweit hat zum Teil gravierenden Einfluss auf Umwelt, Gesundheit und Wirtschaft.

Wasser in Flaschen ist zwar eine sinnvolle Lösung nach akuten Krisen, wenn der Zugang zu Trinkwasser eingeschränkt ist. Aber in Entwicklungsländern ist der Trend zur teuren Wasserflasche eine zunehmende Bedrohung für Umwelt und Gesundheit, gegen die vorgegangen werden muss, sagt Anna Lenzer in ihrer Kritik des teueren Fiji-Wassers – Obama´s Lieblingswasser. Lenzers „Story of bottled water“ behandelt das Thema sehr kurzweilig. Um tiefer in das Thema einzutauchen, empfiehlt sich der Film „Flow“, der auch in der Auswahl des Sundance Film Festivals 2008 gezeigt wurde.

Und wie können sie einen Unterschied machen?

  • Trinken Sie Leitungswasser. Deutsches Leitungswasser ist sehr sauber. Falls sie Angst vor Verunreinigungen haben, besorgen Sie sich einen Wasserfilter
  • Benutzen Sie rostfreie Stahl- oder andere Flaschen, um Ihr Wasser zu transportieren
  • Motivieren Sie andere Leute dazu, auf Konferenzen und anderen Veranstaltungen oder am Arbeitsplatz auf Flaschen-Wasser zu verzichten.
  • Fragen Sie bei der örtlichen Verwaltung an, ob öffentliche Trinkbrunnen installiert werden können.

Die hier erwähnten Fakten wurden hauptsächlich aus der Online Education Info Grafik.

Der Videowettbewerb von betterplace.org und FLIP

Sie wollten Ihren Unterstützern schon immer einmal zeigen, wie Sie mit Ihrem betterplace-Projekt die Welt verbessern? Der Videowettbewerb von betterplace.org und FLIP ist die Gelegenheit. Denn wir geben Ihnen nicht nur das Werkzeug in Form von FLIP-Kameras in die Hand – wir prämieren den besten Film auch mit einer professionellen Beratung, damit Sie Ihr Projekt noch effektiver gestalten können.

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Sie haben eine Reportage über Ihr Projekt im Sinn? Ein Portrait über jemand, der direkt von Ihrem Projekt profitiert? Oder eine Interview-Collage? Egal, welche Idee Ihnen am besten erscheint: Begeistern Sie uns auf maximal einer DIN-A4-Seite davon und schicken diese Idee ein bis zum 25. Mai! Beschreiben Sie den Film, wie Sie diesen umsetzen wollen und warum er für den Zuschauer interessant ist.

Da der Film nicht nur unterhalten, sondern auch die Welt verbessern soll, müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • Ihr Projekt muss auf betterplace.org registriert sein
  • Der Film muss in irgendeiner Form die Wirkung Ihres Projektes dokumentieren
  • Und: Kein Projekt ist perfekt. Zeigen Sie mindestens eine Schwachstelle Ihres Projektes – und gerne auch, wie man sie beheben könnte.

Später zeigen wir Ihnen hier im Blog und auf einer Facebook Community Seite, wo Sie im Internet die besten Materialien zum grundsätzlichen Handwerk des Videofilmens  und -schneidens finden. Die fertigen Filme, die nicht länger als drei Minuten dauern sollen, stellen wir ab dem 15. August 2010 auf betterplace.org online. Dort stimmen die Mitglieder ab, welcher Film der beste ist. Das Gewinner- Projekt krönen wir mit einer professionellen und intensiven Beratung. Je nach Ihrer geografischen Lage veranstalten ausgewählte Spezialisten ein Seminar im Internet, ein sogenanntes Webinar, oder einen Workshop in Berlin. Über die Inhalte entscheiden die Gewinner gemeinsam mit den Beratern: Hauptsache es hilft, Ihr Projekt noch besser zu machen.

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Schicken Sie uns Ihre Idee: Einsendeschluss für die Beschreibung Ihrer Filmidee ist der 25. Mai. eMail: skr@betterplace.org

Danach schicken wir den 10 besten Ideen je zwei FLIP Kameras. Die können Sie in jedem Fall behalten. Dann haben Sie aber Zeit bis zum 15. August um Ihre Filmidee auch tatsächlich zu filmen und an uns zu senden.

betterplace freut sich auf Ihre Ideen!

Auf eine Treppe mit… Dennis Buchmann

In der zweiten Ausgabe unserer Videofolge ‘Auf eine Treppe mit…’ treffen wir Dennis Buchmann, Redakteur bei betterplace.org. Mit den Videos wollen wir Euch die Menschen hinter betterplace.org näher bringen. Die erste Ausgabe und viele weitere Videos finden sich in unserem YouTube-Kanal. Wenn Ihr Fragen an die Mitarbeiter von betterplace.org habt, schreibt einfach einen Kommentar und wir nehmen sie bei einem der nächsten Filme mit auf.

Moving Out Of Poverty – Die Stimmen der Armen

In den letzten Jahren mehren sich die Stimmen kritischer Entwicklungsökonomen und informierter Laien, darunter Bill Easterly und Dambisa Moyo, die das Scheitern der Entwicklungspolitik der letzten Dekaden konstatieren und versuchen alternative Wege aus der weltweiten Armut aufzuzeigen. Jetzt ist eine Studie erschienen, die auf einer sehr breit angelegten empirischen Basis, neue Perspektiven zur Armutsbekämpfung darlegt.

Moving Out of Poverty. Success from the Bottom Up ist das Werk von Deepa Narayan, der Projektleiterin der Weltbank Studie „Moving out of poverty: Understanding, Freedom, Democracy and Growth“, Lant Pritchett, Professor der Praktischen Entiwicklungsökonomie an der John F. Kennedy School of Government, Harvard University und Soumya Kapoor, Beraterin für Soziale Entwicklung bei der Weltbank in Indien.

Die gut geschriebene Studie basiert auf einer großen Datenfülle: 60.000 Männer, Frauen und Jugendliche in 21 Regionen (Dörfern) in 15 Ländern in Afrika, Süd- und Ostasien und Lateinamerika wurden in ihren Lebenswegen aus der Armut und in die Armut hinein untersucht. Moving Out of Poverty stellt die Erfahrungen und Ansichten der untersuchten Armen in den Mittelpunkt, d. h. es beschreibt lokale Realitäten auf eine sehr ethnographische Art und Weise und argumentiert aus der Perspektive der Betroffenen selbst (statt von westlichen Theoriegebilden auszugehen, die dann in der Praxis verifiziert oder falsifiziert werden).

We start with questions, not theories. We use an inductive approach to gradually aggregate, life story by life story, discussion by discussion, the threats that tie these experiences together. In doing so … we gain insights into the underlying processes by which people either escape poverty or remain stuck in chronic poverty. These insights guide our concluding reflections on policy and action that call for innovations on a large scale by civil society, businesses, and governments, informed by poor people’s realities.

Nicht Experten, sondern die Menschen selbst definieren, wer arm ist
Die Vorgehensweise, arme Menschen selbst sprechen zu lassen, fängt schon mit der Definition von Armut an. Statt herkömmliche Weltbank-Kriterien zu nehmen, fragen die Autoren die untersuchten Bevölkerungsgruppen, was sie unter Armut verstehen. Dabei erstellt jede Gruppe eine differenzierte Karte der eigenen Gesellschaft und ihrer sozialen Stratifikation (meist in 4-6 verschiedene soziale Schichten) und bestimmt zwischen welchen Schichten die Armutsgrenze verläuft: so gelten in Bufkaro (Uganda) Menschen als arm, die zwar eine eigene Matratze und ein paar Möbel besitzen, diese aber immer wieder in Krisenzeiten verkaufen müssen, während im indischen Kamalapur die Armutsgrenze zwischen denen verläuft, die eigene Häuser bzw. keine festen Häuser haben.

Gemäß dieser subjektiven Armutsdefinition sind die meisten Menschen in den untersuchten Gebieten arm – Armut ist etwas, was die Bevölkerungsmehrheit betrifft und potentiell für alle ein Risiko darstellt.

Wieso sind Menschen arm?
Die im Westen dominierenden drei Armuts-Theorien gehen entweder davon aus, dass die Armen ihr Schicksal charakterlichen Defiziten, bzw. einer „Kultur der Armut“ (mit Merkmalen wie Apathie, Entfremdung und geringem Selbstwertgefühl) zu verdanken haben, oder á la Marx systemisch-gesellschaftliche Faktoren (die kapitalistische Produktionsweise) Armut erzeugen. So unterschiedlich diese Theorien sind, sie alle verweigern den Armen einen eigenen Handlungsspielraum. Dagegen verstehen die meisten Armen sich als eigenständige Akteure, denen es immer wieder gelingt aus der Armut zu entkommen. Armut ist kein permanenter Zustand oder gar eine Identität, sondern eine Erfahrung. Sie ist nicht statisch, sondern höchst dynamisches: in den untersuchten Gruppen wanderten viele Menschen zwischen den Schichten hin und her: in den meisten Regionen kletterte die Hälfte der Bevölkerung während ihres Lebens mindestens eine Schicht nach oben, im Durchschnitt schafften ¼ der Haushalte den Sprung über die Armutsgrenze.

Statistische Erhebungen über Steigungen oder Senkungen der Armutsraten verdecken oft die Tatsache, dass beides zugleich stattfindet: In Malawi beispielsweise gab es im Zeitraum der Studie einen marginalen Zuwachs von 1% an Armut, eine differenzierte Analyse zeigte jedoch, dass 10.2% der Haushalte die Wohlstandsleiter hochkletterten und zugleich 10.6 in die Armut zurückfielen.

Welche Faktoren waren ausschlaggebend dafür, dass Menschen die Wohlstandsleiter hochklettern konnten? 77,5% der Interviewten verwiesen auf ihr Selbstbewusstsein und ihre starke Persönlichkeit, die sie dazu gebracht hätten sich einen Job zu suchen, unternehmerisch tätig zu werden oder in der Landwirtschaft zu reüssieren.  Nur 3,4% führten ihre verbesserten Lebensbedingungen auf Regierungsmaßnahmen zurück und ganze 0,3% auf die Hilfestellungen von Seiten von Hilfsorganisationen.

Nicht nationale, sondern lokale Konditionen sind ausschlaggebend
Anders als es das Klischee will, demnach nationale und kulturelle Unterschiede maßgebliche Auswirkungen auf Armut haben, fördert die Studie zutage, dass es vor allem die Konditionen in der engen lokalen Umgebung (dem Dorf und seiner engeren Umgebung) sind, die über die Chance entscheiden, aus der Armut zu entfliehen. Positiv wirkten sich die allgemeine ökonomische Situation (gibt es vor Ort Arbeitsplätze?), das Vorhandensein von (physischen) Märkten und die verkehrstechnische Anbindung an Städte aus. Dem Aufstieg entgegen stehen vor allem große soziale Klüfte innerhalb einer Gesellschaft und Korruption, die den fairen Zugang zu Märkten und Dienstleistungen behindern.

Verantwortungsbewusste lokale demokratische Strukturen können Armut reduzieren
„Elite capture“ war in allen untersuchten Gesellschaften weit verbreitet – d.h. Eliten bereicherten sich an Gütern und Dienstleistungen (von denen viele aus Entwicklungshilfeprojekten stammten), die eigentlich der Gemeinschaft zustehen, verteilten diese an ihre Gefolgschaft oder verkaufen sie.

In Gemeinschaften mit weniger korrupten, verantwortungsbewußteren Politiker hatten Menschen besseren Zugang zu Trinkwasser, Schulen und Gesundheitsdiensten, allerdings ging damit noch keine automatische Senkung der Armutsrate einher; insbesondere in Konfliktzonen scheinen demokratische Strukturen nicht zu besseren Lebensbedingungen zu führen.

Solidarität unter Armen führt nicht zu wachsendem Lebensstandard
Paradoxerweise fanden die Autoren eine negative Korrelation zwischen kollektivem Solidarverhalten und Lebensstandard. Arme Menschen sind darauf angewiesen, dass sie sich in Krisenzeiten gegenseitig stützen und mit Geld, Arbeit und Nahrung versorgen. Doch die vielen traditionellen kollektiven Arbeitsgruppen und Sparzirkel stoßen meist sehr schnell an eine Grenze. In den Worten eines der Interviewten: „There is a limit to how much one hungry man can feed another“ und auch gemeinsam schaffen sie es nicht genügend Ressourcen zurückzulegen, um den Sprung in die nächste soziale Schicht zu schaffen. Es kann sogar argumentiert werden, dass diese Solidarnetze einen Aufstieg aktiv verhindern, denn Individuen, die sich aus ihnen ausklinken (z.B. um Kapital für eine neue Bewässerungstechnologie, Vieh oder Nähmaschine zu akkumulieren) werden misstrauisch beäugt und sind einem großen sozialen Druck ausgesetzt, ihre eigenen Ressourcen mit anderen zu teilen.

Welches sind die wesentlichsten Strategien um Armut zu reduzieren?
Die auf 400 Seiten angeführten Geschichten belegen überzeugend, dass es der großen Mehrzahl der Armen nicht am Willen zur harten Arbeit und Vorstellungskraft für ein besseres Leben fehlt. Im westlichen Alltagsdiskurs verbreitete viktorianische, kulturalistische oder marxistische Erklärungen für Armut greifen nicht: arme Menschen können sich sehr wohl helfen, sind nicht faul, trunken oder dumm und sie kapitulieren auch nicht vor dem System:

Indeed, a major finding of the study is that there is no such fixed group as „the poor“. Poverty is a condition, not a permanent identity.

Die Autoren identifizieren 3 wichtige Prinzipien für eine erfolgversprechende Entwicklungspolitik:

  1. Alle Interventionen müssen die Armen in ihrer Eigeninitiative stärken. Neben den vielen Bedürfnissen, die sie haben, verfügen sie nämlich auch über eine Fülle an Aspirationen, Träumen, Ehrgeiz und Fähigkeiten, die sie ermächtigen, sich selbst zu helfen.
  2. Die Armen haben ein erstaunlich großes Vertrauen in den Markt und in ihren eigenen Unternehmergeist. Deshalb lautet das 2. Prinzip: Wir müssen Märkte so transformieren, dass auch arme Menschen fairen Zugang zu ihnen bekommen. Dazu gehört der Ausbau von Infrastruktur, von Straßen und Telefonen, Elektrizität und Bewässerungstechnologien, ebenso wie die Möglichkeit Kredite aufzunehmen und relevante Informationen (über Marktpreise und Geschäfts-Knowhow) zu erhalten.
  3. Arme Menschen glauben dass Regierungen und lokale demokratische Strukturen ihnen helfen können der Armut zu entfliehen. Verantwortungsbewusste lokale Politiker, gerechte Wahlen, verbesserter Zugang zu Informationen, Teilhabe und kollektive Aktionen tragen dazu bei, dass arme Bevölkerungsgruppen von ihren lokalen Anführer Rechenschaft einfordern und darüber ihre Situation nachhaltig verbessern können.
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