Archiv für die Kategorie ‘Crowdsourcing’

Haiti digital

Lucy Bernholz hat auf ihrem Blog Philanthropy 2173 eine Zusammenstellung der digitalen Technologien begonnen, die im Zuge der Hilfsaktionen in Haiti verwendet werden. Diejenigen von Euch, die an der Schnittstelle zwischen digital und sozial interessiert sind, sollten ihre Liste auf jeden Fall im Auge behalten.

So hat die Mikro-Volunteering Seite Extraordinaries einen Service eingerichtet, in dem jeder Internetnutzer Fotos von vermissten Personen auf Haiti taggen kann. Auch das ICRC hat eine Family Links Seite eingerichtet, über die sich Menschen in Haiti wiederfinden können. Und Ushahidi, über die ich gestern schon geschrieben hatte, hat eine kostenlose Nummer eingerichtet, über die Haitianer vermisste Personen und Notfälle, ihren Standort und akute Bedürfnisse melden können.

Katastrophenhilfe kann über ein Wiki von Crisis Commons organisiert werden, welches aufzeigt, welche Organisation wo und in welchem Bereich arbeitet. Da das Erdbeben große Schäden am Straßensystem angerichtet hat, arbeiten Krisenkartographen rund um die Uhr an Landkarten, die den Helfern eine für die Distribution von Hilfsgütern absolut notwendige Orientierung geben können. Über OpenStreetMap werden verschiedenste Satellitenbilder, UN Schadensberichte und andere Daten aggregiert.

O’Reilly Radar berichtet über kostenlose iPhone app, die gerade auf Basis der existierenden iPhone app www.gaiagps.com programmiert werden und über die Karten von Haiti für Katastrophenhelfer zur Verfügung gestellt werden.

This version of Gaia GPS is intended to aid disaster relief for the Haitian earthquake. The app can be used to download maps and satellite imagery of the earthquake area, including up-to-date overlays of disaster sites, hospitals, and other relevant waypoints. The map data is provided by Digital Globe, GeoEye, OpenStreetMap, and the maps are hosted by the New York Public Library.

Der Ushahidi Situation Room: Echtzeit Landkarte der Katastrophe

images

Digitale Technologien eröffnen radikal neue Möglichkeiten in Katastrophensituationen. Schaut Euch nur mal die Haiti Crisis Map des Ushahidi Information Room an. In den letzten vier Tagen sind Hunderte von Meldungen fast in Echtzeit hier zusammengelaufen; sie weisen auf in Trümmern gefangene Menschen hin: The “school behind St. Gerard still has people buried in it.” Unclear if alive or dead und versuchen verschwundene Freunde und Verwandte zu finden: looking for the entire Bontemps family in Haiti (Father Dr.Sainfard Bontemps). Sie beschreiben konkret die Arbeit von Hilforganisationen vor Ort: MSF is starting to truck drinkable water to Choscal hospital for the patients and the people nearby” ebenso wie akute Bedürfnisse und Engpässe: St. Marc: We are receiving a lot of surgery cases. We have operating rooms, nurses, equipment but no surgeons. Besucher der Website haben die Möglichkeit die einzelnen Report zu verifizieren.

Ushahidi entstand in der Krise nach den Wahlen in Kenia Anfang 2008 und ist eine open source Plattform, auf der kollektive Kriseninformationen zugänglich gemacht werden. In die Haiti Crisis Map gehen Informationen aus diversen Kanälen vor Ort ein – sowohl von Menschen in Haiti, die einen Report auf der Ushahidi Website eingeben, als auch von SMS, blogs, Emails, Radio, twitter, Facebook, Fernsehen und List-serves.

Aber Ushahidi überläßt das Crowdsourcing nicht sich selbst, sondern die Informationen werden zusätzlich von einem engagierten Team koordiniert, welches wiederum von einer Gemeinde von Freiwilligen ergänzt wird, darunter z.B. Studenten der Tufts Fletcher School (hier ein Video).

Update: Auf dem TED Blog finet ihr ein interessantes Interview mit Patrick Meier vom Ushahidi Team.

Rück- und Vorschau 4. Teil: Crowdsourcing – Ideen, Engagement, Vertrauen

Ein Trend, mit weitreichenden Folgen, der 2009 an Momentum gewonnen hat, besteht im Crowdsourcing von Lösungen für soziale Probleme. Wettbewerbe wie Googles Project 10100 “Ideen, die die Welt verändern können”, Ashoka’s Changemakers, der Purpose Prize (für Menschen in ihrer zweiten Lebenshälfte, die sozial einen wirklichen Unterschied machen) und die Buckminster Fuller Institute Challenge schaffen es, eine kritische Masse von Ideen und innovativen Denkern anzuziehen, diese öffentlich sichtbar zu machen und im Dialog zu verfeinern.

Plattformen für Mikro-volunteering und Mikroarbeit
Crowdsourcing spielt auch bei einigen innovativen, 2009 gelaunchten Plattformen eine zentrale Rolle, so bei den Microvolunteer-Seiten The Extraordinaries oder Catalista, über die ehrenamtliche Mitarbeiter online Aufgaben erledigen können, zum Beispiel, in dem sie für Bibliotheksarchive Bilder taggen. Interessanterweise können über das Netz – so auf der Samasource Plattform - auch benachteiligte Gruppen wie Flüchtlinge oder verarmte Bevölkerungsgruppen in Arbeitsprozesse eingebunden werden.

Mobiltechnologie bietet völlig neue Möglichkeiten für Partizipation und Feedback
Die durchs Internet kanalisierte und sichtbar gemachte Weisheit der Vielen wird in den kommenden Jahren auch im Bereich der Projektevaluation einen enorm wichtigen Stellenplatz einnehmen. 2009 hat es immense Fortschritte im Bereich der Verknüpfung von Mobiltelefonie mit entwicklungspolitischer und humanitärer Arbeit gegeben. So ist es  mittlerweile möglich, dass Handybenutzer Informationen an Internetseiten schicken, auf der diese dann aggregiert erscheinen. Beispiele hierfür sind die Angebote von Ushahidi oder SMS Frontline.

Für uns bei betterplace birgt diese Entwicklung ein spannendes Potential, da sie per SMS eine wesentlich niedrigschwelligere Teilnahme an unserem Web of Trust ermöglichen könnte. Die Aktivierung des Web of Trusts und die Erweiterung des hierin liegenden Potentials für eine radikal veränderte Partizipation und Vertrauensbildung ist eines der Gebiete, denen sich das betterplaceLab im neuen Jahr intensiv zuwenden wird.



© 2007-2009 betterplace

This Blog is proudly powered by WordPress
Entries (RSS) and Comments (RSS).