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Projektfortschritt Schritt für Schritt verfolgen

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“Es geht voran” – heute in der Choki Traditional Arts School, die Schule für Kinder aus verarmten Regionen in Bhutan eine Berufsausbildung ermöglicht und die für Stephan und mich am Anfang von betterplace.org stand. Im letzten Jahr veranstalteten die Jugendlichen von betterplace junior eine Reihe von Aktionen, von einem Gebäckstand an ihren Schulen und Flohmarktverkäufen bis hin zu einer gemeinsamen Veranstaltung mit Alba Berlin und Vattenfall Europe, bei denen über 4.000€ zusammenkamen.

Vor 2 Monaten fingen die Bauarbeiter gemeinsam mit Schülern der Choki Arts School mit der Konstruktion des Platzes an – heute informiert die Schulleiterin Sonam Choki betterplace-Spender über den Projektfortschritt in Wort und Bild.

Und als spezielles Dankeschön erreichte die Jugendlichen dann noch ein großes, schweres Paket aus Bhutan: die Schüler der Choki School, die in den traditionellen Künsten des Landes, Malerei und Schnitzerei, unterrichtet werden, haben für alle betterplace juniors kleine Masken geschnitzt und ihnen geschenkt.

VIELEN DANK!

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Daniela, Tim, Rebecca, Komang, Lilian and Vico from betterplace junior

The Blue Sweater – Philanthropie und Markt

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Als ich vor einer Woche in Berlin meinen Koffer packte, hatte ich ernsthafte Sorgen der Fluggesellschaft eine satte Gebühr für Übergepäck bezahlen zu müssen. Seit Monaten stapeln sich in meinem Arbeitszimmer die Bücher, die ich in den Ferien hier in Südfrankreich lesen will. Nach einer Runde Belletristik – The Women, das neueste Buch des begnadeten T.C. Boyle über die Frauen von Frank Lloyd Wright – war als erstes Sachbuch des Sommers The Blue Sweater. Bridging the Gap Between Rich and Poor in an Interconnected World an der Reihe, eine Art Biographie der Acumen Fund Gründerin Jacqueline Novogratz.

Amerikaner, die die Geschichte ihrer Weltverbesserer-Laufbahn aufschreiben, verfallen oft in eine Art Erweckungsrhetorik – so beispielsweise Room to Reads John Wood in Leaving Microsoft to Change the World. Auch Novogratz ist davor nicht gefeit und an einigen Stellen wünschte ich mir, sie wäre weniger edel und gut, ihr Pfad weniger gradlinig und aufopferungsvoll. Dennoch ist die Lektüre über ihre mittlerweile zwanzigjährige Erkenntnisreise durch die Welt der Entwicklungszusammenarbeit und Armutsreduktion, über weite Stellen lohnend. (Und anders als John Wood, der in seinem Buch überhaupt nicht auf die Arbeit vor Ort – z.B. in Nepal und Vietnam – eingeht und über alle Hindernisse und Herausforderungen beim Aufbau von Room to Read hinwegwischt (gab es die etwa nicht?), erscheint Novogratz’ Darstellung der vielen Widersprüche und gescheiterten Versuche wesentlich realistischer).  

Investments in Sozialen Fortschritt

Für alle, die den Acumen Fund nicht kennen: Der 2001 von der Rockefeller Stiftung, der Cisco Stiftung und einigen engagierten Privatpersonen mit über acht Millionen Startkapital ausgestattete Fond investiert in Organisationen und Individuen, die das Potential haben, in großem Stil sozialen Wandel zu initiieren. Im Gegensatz zu herkömmlichen philanthropischen Ansätzen, investiert Acumen dabei sowohl in for-profit, als auch not-for-profit Organisationen und Sozialunternehmer, die sich einer strengen Qualitätskontrolle und Rechenschaftspflicht unterwerfen und messbaren, skalierbaren Fortschritt anstreben. Unter den bekanntesten Investments finden sich der Aufbau und Vertrieb von Bewässerungstechnologien fürs ländliche Indien und die Finanzierung von A to Z Textiles in Tanzania, dem mittlerweile größten afrikanischen Mückennetz-Produzenten.

Lernen, auf die harte Weise

Nach einer frühen, erfolgreichen Karriere bei einer amerikanischen Großbank, beschließt die damals 25 jährige Novogratz nach Afrika zu gehen und dort Mikrokredit-Organisationen für Frauen aufzubauen. Doch in Kenia und der Elfenbeinküste, ebenso wie in Ruanda, begegnet ihr nicht nur teilweise massiver Widerstand lokaler Entwicklungshelfer (die keine Weiße auf dem Führungsposten der African Development Bank sehen wollen), sie ist auch mit den Absurditäten staatlicher Entwicklungszusammenarbeit konfrontiert. Evaluiert sie großangelegte internationale Programme, z.B. von UNICEF und kommt zu dem Schluß, dass diese nicht nur unproduktiv, sondern sogar kontraproduktiv sind, dann stößt sie nur zu oft auf lokale Regierungsbeamte und internationale Entwicklungshelfer, die an dem System nichts ändern wollen und an einer Effizienz– und  Effektivitätssteigerung scheinbar überhaupt nicht interessiert sind.

Die blaue Bäckerei

Zugleich wird sie mit der Apathie und dem geringen Selbstwertgefühl von Frauen in Ruanda konfrontiert, die sie als Kunden für die neu gegründete Frauenbank Duterimbere gewinnen will. Novogratz möchte Mikrokredite nicht nur dafür verwendet sehen, dass eine Marktfrau mehr Tomaten oder Reis verkaufen kann. Sie möchte bei den Frauen unternehmerische Energien freisetzen, so dass diese wiederum selbst neue Jobs schaffen. Also wendet sie sich an eine Frauenkooperative, die bis dato von Entwicklungshilfegeldern finanziert, Backwaren herstellt und vertreibt. Als sie zum ersten Mal in der Bäckerei vorbeischaut sitzen dort 20 Frauen in einem engen Zimmer zusammen und warten auf Kundschaft. Es gibt keine ausgelegten Waren, keine Werbung – nichts außer ein paar Beignets (Schmalzgebackenes), Samosas und Waffeln, die jeden Morgen zubereitet werden um dann von den Frauen in ein paar Regierungsgebäude als vormittäglicher Snack feilgeboten zu werden – Knoppers auf Ruandisch.

Die Frauen verdienen 0.50$ am Tag, zu wenig um damit ihre oft vielköpfigen Familien zu ernähren. Aber selbst bei diesen niedrigen Einkünften verliert das Projekt Geld – an die $650 im Monat. Die Differenz wird von zwei Hilfsorganisationen gezahlt und die Kooperative bangte jedes Mal von neuem, ob die Unterstützung verlängert wird oder nicht. Novogratz überzeugt die Leiterin die Gelder der Hilfsorganisationen abzulehnen und gemeinsam ein eigenes Geschäftsmodell zu entwickeln.

Zuerst gilt es die Kundenbasis zu vergrößern: Da die Frauen zu schüchtern sind um Kunden zu werben, zieht die Amerikanerin mit ihnen los und gewinnt in Botschaften und internationalen Organisationen zusätzliche Abnehmer für eine (um Bananen- und Kassavachips) erweiterte und in leuchtend orangenen Körben dargebotene Produktpalette.

Die Einnahmen steigen, doch da einige Frauen Gelder privat einstecken, muss ein Kontrollsystem entwickelt werden. In Workshops versucht Novogratz ihnen Marketingskills zu vermitteln, scheitert jedoch, weil die Frauen meinen, es sei nicht Teil der „ruandischen Kultur“ Fremden in die Augen zu sehen oder diese direkt anzusprechen. Nichts desto trotz wird die Bäckerei nach einigen Monaten profitabel und langsam beginnen die Frauen an ihren eigenen Erfolg zu glauben und sich nicht nur als letztes Glied und Opfer ihrer Gesellschaft zu fühlen, welche gerade mal mit westlichen Almosen überleben kann. Schlußendlich wird das Haus der Kooperative auch noch zu einem leuchtend blau angestrichenen Backladen für Laufkundschaft umgewandelt und die begehrtesten Produkte der Bäckerei werden an viele kleine Läden Kigalis geliefert und dort verkauft. Nach 8 Monaten hat sich der Tagesverdienst der Frauen von US$0.50 auf US$2 gesteigert, eine Summe, die nur wenigen Frauen in Ruanda zur Verfügung steht.

Feedback und Incentivierung durch Marktmechanismen

Viele der gescheiterten Fälle von Entwicklungshilfe hängen damit zusammen, dass einer Bevölkerung Infrastrukturtechnologien – seien es Brunnenpumpen oder Hirsemühlen – geschenkt werden, diese aber, einmal defekt, von der lokalen Bevölkerung nicht repariert werden können. Oder teures Benzin zur Unterhaltung der Technologie verwendet werden muss, welches sich vor Ort niemand leisten kann. Weder Hilfsorganisationen noch Regierungsstellen müssen für die geleistete Hilfe effektiv Rechenschaft abliefern und je mehr Novogratz in die Mechanismen der Charities Einblick erhält, desto überzeugter ist sie, das das bestehende Hilfssystem eine niedrige Erwartungshaltungen der Bevölkerung und (bestenfalls) mittelmäßige Resultate produziert. Im Gegensatz dazu sind Marktmechanismen nicht nur zur Incentivierung der Bevölkerung besser geeignet, sondern bieten auch  den Finanzgebern die Chance, besseres Feedback zu erhalten, ob die finanzierten Maßnahmen funktioniert haben oder nicht.

Zurück in den USA fängt Novogratz für die Rockefeller Stiftung an vierwöchige Workshops in effektiver Philanthropie zu geben. In diesen Workshops kommen jeweils 8-10 Philanthropen zwischen 28 und 50 Jahren zusammen, die strategisch effektiv in sozialen Fortschritt investieren wollen – mittlerweile haben über 150 wohlhabende Menschen aus der ganzen Welt sich auf diese Weise darin ausbilden lassen, wie ihr Spendeneuro am nachhaltigsten und wirksamsten eingesetzt werden kann. Einige dieser Individuen unterstützten Novogratz dann auch bei der Gründung des Acumen Funds.

Ein Venture Capital Fund für ein Armen

Acumen versteht sich als ein Venture Capital Fund für die Armen: der Fund sammelt Spendengelder und investiert sie als Darlehen, Spende oder Unternehmensanteil in Organisationen, die von herausragenden Individuen geleitet werden und die sich mit den großen zeitgenössischen Problemen beschäftigen: mit low-income Bevölkerungen, die keinen Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Anlagen, adäquater medizinische Vorsorge oder Versorgung haben. Neben dem finanziellen Engagement bietet Acumen Hilfestellung im Managementbereich an und vernetzt Produzenten mit Marktpartnern und potentiellen Kunden. Sobald die initialen Investments zurückgezahlt werden können, werden sie in andere Unternehmen, die den Armen zu gute kommen, reinvestiert.

Dabei ist ein wichtiges Prinzip nicht nur in einzelne Projekte, sondern in Organisationen zu investieren und letztere zu stärken. Ohne stabile Institutionen wird der soziale Sektor nicht erfolgreich sein können. Ebenso wichtig erscheint mir Acumens Praxis, sowohl in for-profit als auch in not-for-profit Organisationen zu investieren. Die Unterscheidung zwischen beiden muss keine grundsätzliche sein: in manchen Fällen erscheint es sinnvoll eine Dienstleistung oder ein Produkt als (kostenlose) Spende zu verteilen, während es in einer anderen Situation sinnvoller sein kann, wenn sie kostenpflichtig verkauft werden:

„There is a powerful role both fort he market and for philanthropy to play … philanthropy alone lacks the feedback mechanisms of markets, which are the best listening devices we have; and yet, markets alone too easily leave the most vulnerable behind.“

Weitersagen!

“betterplace.org? Nie gehört – War da nicht mal sowas von Michael Jackson?”

Diese Kommentare wollen wir am liebsten aussterben lassen. Damit Jacko künftig nur noch die Nummer zwei der Assoziationskette hinter dem Begriff “betterplace” einnimmt, haben wir unsere “Weitersagen!-Seite” generalüberholt. Darauf haben wir kompakt und übersichtlich aufgelistet, was wir alle tun können, um betterplace.org bekannter zu machen. Denn die beste Idee bringt schließlich nichts, wenn niemand von ihr erfährt.

Nach und nach wird sich die Weitersagen!-Seite mit noch mehr Inhalten füllen. Regelmäßige Visite können wir also nur empfehlen. Wir brüten ständig über guten und neuen Ideen, wie wir betterplace.org verbreiten können. Wenn auch ihr eine habt, immer her damit!

Zauberwort: Transparenz

Seitdem wir Anfang des Jahres mit einer gezielten Akquise von Organisationen angefangen haben, deren Projekte wir – neben den vielen unterschiedlichen Projekten, die sich von selbst auf betterplace einstellen – auf der Plattform vertreten sehen wollen, habe ich mit vielen Machern kleiner und mittelgroßer Initiativen, ebenso wie mit zahlreichen Fundraisern großer Organisationen gesprochen.

Dabei ist es mir wichtig herauszufinden, wie die Schnittstelle zwischen den Organisationen unterschiedlicher Größe und betterplace.org verbessert werden kann. Denn wir möchten, dass möglichst viele Organisationen unsere kostenlose Plattform nutzen und dadurch u.a. ihre Fundraisingkosten senken können. Geringere Fundraisingkosten bedeuten, dass mehr Geld dahin kommt, wo es eigentlich hin soll: zum Projekt.

Projekte und Bedarfe – eine Scheinwelt?

Auf betterplace.org tragen Unterstützer nicht zu den Globalbudgets von Organisationen bei, sondern beteiligen sich an konkreten Projekten, die wiederum in spezifische Bedarfe heruntergebrochen werden müssen. Zudem werden Projektverantwortliche aufgefordert Spender über die Projektrealisierung in regelmäßigen Abständen auf dem laufenden zu halten.

Diese Vorgehendweise stößt mitunter auf Widerstand. „So arbeiten wir nicht“, heißt es dann. „Wir sammeln in unserem Deutschland-Büro Gelder ein und geben die an die Zentrale weiter. Wir selbst hören nur einmal im Jahr, was in dem Projekt, für die sie bestimmt waren, geschehen ist.“ Andere weisen darauf hin, dass die Budgets so groß sind, dass über die Einzelverwendung von Geldern, die über betterplace zusammen gekommen sind, gar keine Rechenschaft möglich ist.

Da stellt sich die Frage, ob wir mit unseren Forderungen nach Projekt- und Bedarfsgenauem Feedback nicht eine Scheinwelt aufbauen, weil sie der Arbeitsweisen der Hilfsorganisationen widerspricht und sie unseren Anforderungen nicht gerecht werden können.

Für sehr viele, der auf betterplace vertretenen Initiativen ist dies kein Problem: eine kleine Grassroots-Initiative wie das Cecil Kids Center in Mombasa operiert völlig anders als z.B. die SOS Kinderdörfer  (hier das in Mombasa) mit Millionenbudget und zig Tausenden von Mitarbeitern.

Erstere hat keine anderen Geldquellen außerhalb von betterplace und kann bei dem bescheidenen benötigten Finanzvolumen punktgenau angeben, was für den Bau von 2 Latrinen oder die Renovierung der Klassenzimmer an Material und Arbeitslohn benötigt wird. Sobald die Gelder zusammen kommen, wird mit der Arbeit begonnen und nach ein paar Wochen werden die Spender von der Projektverantwortlichen, die direkt vor Ort ist, mit Photos und blogposts von der gelungenen Renovierung informiert.

Eine große NGO hingegen hat viele verschiedene Finanzquellen. Die Fundraiser, die das Projekt auf betterplace vertreten, sind meist tausende von Kilometern vom Feld entfernt und bekommen oft selbst nur in großen Abständen etwas von der Projektrealisierung mit.

Paßt die betterplace Architektur deshalb nur für kleine Grassroots-Initiativen?

Ist sie im Falle der großen Hilfsorganisationen nur ein Marketinggag der Spendern den Euro aus der Tasche ziehen will, indem konkret zu bespendende Gegenstände und Leistungen die Identifikation leichter machen?

Ich denke nein. Denn auch ein riesiges Vorhaben mit einem großen Budget weiß, welche Einzelbedarfe es zur Durchführung braucht und wie viel diese kosten. Und auch eine große Organisation kann nach Abschluß des Projekts sagen und zeigen, was geschafft worden ist. (Und einige machen das auch wunderbar.)

Natürlich darf man sich das als Spender nicht so vorstellen, dass mit genau den 50 Euro, die  ich jetzt gerade für ein Fenster in einem Waisenhaus überwiesen habe, am anderen Ende der Welt ein Fenster gekauft und eingebaut wird. Aber ich kann erwarten, dass ich nach Projektabschluss ein Foto des Waisenhauses sehe, in dem Fenster eingebaut sind.

Der Unterschied, den Spender machen, muss (soweit möglich) sichtbar gemacht werden.

Genau darum geht es uns: Spender haben ein Anrecht darauf zu erfahren, was mit ihrem Geld gemacht wird. Sie spenden Geld um einen Unterschied in der Welt zu machen. Diesen Unterschied müssen sie auch sehen können. Das dass nicht immer möglich ist, und eine Reihe von Maßnahmen zur Armutsbekämpfung keine schnellen Resultate zeugen und auch unsichtbar seien können – wie dokumentiert man gewachsenes Selbstbewusstsein? – ist selbstverständlich. Dennoch lassen sich in vielen Fällen konkrete Beweise erbringen. Wenn eine Schule gebaut werden soll und Stipendien für Schüler vergeben werden, dann kann das dokumentiert und gemessen werden.

Zu viele gut gemeinte Hilfsprojekte scheitern. Ich selbst habe letzten Monat auf meiner Reise durch Usbekistan von zig großen Vorhaben gehört, die in den 1990er Jahren von der EBRD (European Bank for Reconstruction and Development) finanziert worden waren und von denen NICHTS realisiert wurde, da die Gelder in die Taschen korrupter Politiker und Geschäftsletute gingen.

Transparenz und Kommunikation bekämpfen Korruption 

Transparenz öffnet die Blackbox „Hilfe“ und stellt Korruption ein Bein. Wenn eine Organisation in Kambodscha auflistet, was Zement, Steine, Türen und Fenster für ein neues Internetcafe kosten sollen und dafür Spendengelder entgegennimmt, dann können andere Menschen auf der Plattform, die in Kambodscha leben oder sich dort auskennen, kritisch anmerken, wenn es sich dabei um Phantasiesummen handelt.

Transparenz ist oft auch nur eine Frage der Kommunikation: Es geht nicht darum sklavisch an einmal veröffentlichten Bedarfen festzuhalten, nachdem sie sich als unpraktisch herausgestellt haben. Wichtig ist, wie man damit umgeht.

Einer unser Projektverantwortlichen, Marcus Vetter vom Cinema Jenin, erzählte mir jüngst, dass er – nachdem über betterplace Gelder für die ersten Dutzend Kinostühle zusammengekommen waren – diese nicht im Ganzen renovieren lassen könnte. Er würde mit den ersten Geldern Stoff für alle 500 Stühle kaufen, denn das sei natürlich viel billiger, als wenn er den Stoff Dutzendweise kaufen würde. Die restlichen Arbeiten an den Stühlen würden dann mit später dazu kommenden Gelder finanziert. Ich denke es ist den meisten von uns Spendern ziemlich egal, in welcher Reihenfolge die anvisierten Arbeiten vor sich gehen. Wahrscheinlich lernt Marcus mit der Zeit, wie er auf betterplace Bedarfe möglichst klein, aber dennoch realistisch aufgliedert. Was aber wirklich zählt ist, ob die Kinostühle am Ende renoviert sind, oder nicht. 

Skeptische Spender fordern zunehmend Transparenz

Deutsche spenden mehr – im ersten Halbjahr 2008 waren es 60 Millionen Euro mehr als im gleichen Zeitraum 2007 – aber viele Spender stehen den Hilfsorganisationen zunehmend skeptisch gegenüber. Das ist das Fazit einer neuen Studie – Bilanz des Helfens – des Deutschen Spendenrats und der Gesellschaft für Konsumforschung. Der Anstieg ist vor allem auf die jüngsten Naturkatastrophen in Asien, insbesondere in Birma zurückzuführen.

Ihre Skepsis bezieht sich auf Skandale in der jüngeren Vergangenheit. Nach dem Unicef im Februar das Spendensiegel entzogen worden war, wurde im Juni die Deutsche Kinderhilfe wegen Intransparenz vom Spendenrat ausgeschlossen.

Drei von vier Deutschen bemängelt, dass zu viel Geld in die Verwaltung der Organisationen fließt und weit weniger als möglich bei den Bedürftigen ankomme. 

Transparenz ist das Wichtigste
Entscheidend für die Spendenbereitschaft sei Transparenz, sagt Daniela Felser vom Deutschen Spendenrat (eine Interessenvertretung von 24 spendensammelnden, gemeinnützigen Organisationen). Und so verlagern immer mehr Menschen ihre Zuwendungen an Bedürftige in ihrem persönlichen Umfeld.

Die Befragten erwähnten, dass sie Kindern in der Nachbarschaft oder Obdachlosen Geld gegeben hätten. Sie spenden bei Sammlungen in der Firma, beispielsweise für die Hinterbliebenen eines verstorbenen Kollegen. Da wissen die Spender, das dass Geld dort landet, wo es gebraucht wird.

Um skeptische Spender zurück zu gewinnen könnten, so Felser, Organisationen zum Beispiel dazu übergehen, den Bau eines Projekts öfter im Internet mit Bildern zu dokumentieren.

Hey, da kenne ich eine Website, die genau dies ermöglicht! Auf der jeder Einzelne, genau die Initiative finden kann, die ihm sinnvoll erscheint. Wo er punktgenau spenden kann und Feedback über die Realisierung des Projekts erhält. Wir müssen die Welt nicht neu erfinden – die geforderte Transparenz gibt es schon und wir freuen uns über jede große und kleine Organisation, die sich auf betterplace transparent darstellt, ihre Stakeholder ins Web of Trust einlädt und Spendern direktes und informiertes Handeln ermöglicht.

Kapitalmärkte für Soziale Unternehmen

Auf Mutmacher fragt sich Susanna Krüger, wie Kapitalmärkte für Sozialunternehmer aussehen könnten:

Die Vizepräsidenting einer grossen amerikanischen Stiftung (Hewlett), die seit langem Studien über die mögliche Beschaffenheit solcher Märkte finanzieren, hat vor einiger Zeit Interessantes dazu geäußert. Sie glaubt, es braucht mehr Transparenz und einheitlichere Metriken, um als Stiftung besser entscheiden zu können, welche Organisationen man unterstützt. Mit solchen Marktplätzen hätten Social Entrepreneurs mit innovativen Ideen, die hohe soziale Wirkung versprechen, die Chance, bereits im Anfangsstadium ihrer Tätigkeit höhere Geldsummen einzusammeln und damit schneller zu wachsen.

Eine erste Plattform die versucht einen Marktplatz für die besten sozialen Organisationen und Initiativen zu etablieren, ist www.Socialmarkets.org:

US amerikanische Sozialunternehmen können sich anmelden, müssen ein klares Evaluationskonzepts für ihre erwarteten Ergebnisse voweisen und begeben sich damit auf die (online) Suche nach Geldgebern. Die Initiatoren träumen von einem “Stock Exchange” für Social Entrepreneurs.

Weitverbreitetes Misstrauen in den gemeinnützigen Sektor
Nun wollen Geldanleger genau wissen, was mit ihrem Geld geschieht. Und so hat diese Entwicklung u.a. zur Folge, dass ein bislang oft vor sich hin wurschtelnder Sektor sich neuen Qualitätsstandards unterwerfen muss.

Laut social markets sind Spender so misstrauisch wie noch nie zuvor, dass gemeinnützige Organisationen ihr Geld auch wirklich klug verwenden. Mit dieser Einschätzung sind sie nicht allein. Kritiker der Entwicklungszusammenarbeit wie William Easterly konstatieren, dass die Bemühungen, die Kluft zwischen Arm und Reich zu schließen, grandios gescheitert sind: so findet Easterly statistisch zwischen 1950 und 2001 KEINE Korrelation zwischen Entwicklungshilfe und wirtschaftlichem Wachstum. Im Gegenteil, die Länder, die es geschafft haben sich wirtschaftlich zu entwickeln, sind fast alles solche, die aus dem Westen nur vernachlässigenswerte Hilfszahlungen bekommen haben (Indien und China). 

Die Ursachen sind vielfältig, aber ein wesentlicher Grund ist der, dass staatliche Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit, wie die Weltbank oder die GTZ nicht ihren eigentlichen Kunden (den Armen) Rechenschaft über die Verwendung von Geldern ablegen müssen, sondern ihren Geldgebern, den westlichen Regierungen und Wählern. Und die haben vom Thema zumeist wenig Ahnung und sind schon zufrieden, wenn sie öffentlich verkünden können, wieder mal Millionen für Afrika, HIV oder Klimaschutz zur Verfügung gestellt zu haben.

Wo sind die Resultate?
Mich macht es jedes Mal völlig wahnsinnig, wenn in den Nachrichten mal wieder nur davon die Rede ist, wie viel Geld zur Armutsreduzierung gesammelt oder von der G8 versprochen wurde. Wenn nur halb soviel Tinte darüber vergossen werden würde, was MIT DEM GELD GEMACHT WIRD und welche RESULTATE damit erzielt werden!

Dem gleichen Phänomen begegnet man übrigens in Unternehmen (dem Thema einer unserer letzten Diskussionen): soziales unternehmerisches Engagement und Sponsoring ist der Geschäftsbereich in deutschen Unternehmen, der wahrscheinlich am weitaus unprofessionellsten betrieben wird: Es werden Millionen ausgegeben, doch wofür und warum, weiß niemand so genau. Meist ist man zufrieden mit etablierten Hilfsorganisationen zusammenzuarbeiten: was die genau mit dem Geld machen, wie viel in den administrativen Overhead fließt und wie viel wirklich beim eigentlichen Empfänger (den Notleidenden) ankommt, erscheint sekundär. 

Feedbackschlaufen über das Web of Trust
Wir bei betterplace verfolgen mit Interesse die neuen Qualitätsstandards, die sich momentan im non-profit Sektor herausbilden. Unseren bislang wesentlichsten Beitrag zu dieser Debatte sehen wir in dem Web of Trust. Jeder, Kritiker ebenso wie Fan, Zaungast oder direkter Benefaktor einer sozialen Initiative, kann hier zu Wort kommen und beschreiben, welchen Unterschied die Arbeit einer Organisation oder eines anderen Menschen in der Praxis macht. Das Web of Trust ermöglicht enge Feedbackschlaufen zwischen Projektverantwortlichen, Benefaktoren und Unterstützern; Unterstützer haben eine solidere Basis auf Grund derer sie Gelder vergeben können. Benefaktoren haben eine Stimme um zu sagen, ob die Gelder bei ihnen angekommen sind und die Interventionen für sie sinnvoll waren. Projektverantwortliche können auf Grund dieser Informationen ihre Arbeit verbessern.

Studie zu Online Spenden Marktplätzen

 

Susanna Krüger berichtet auf Mutmacher über eine Keystone (”accountibility for social change”) Studie ONLINE PHILANTHROPY MARKETS: From ‘feel-good’ giving to effective social investing?, die für alle online-Spender und damit auch für uns bei betterplace hoch interessant ist.

Wie effektiv tragen Online Marktplätze wie Global GivingKivaGiveIndia oder HelpArgentina zu einer qualitativen und quantitativen Transformation des philanthropischen Engagements bei?

Die sich rapide ausbreitende Landschaft der online Philanthropie birgt das Potential Transparenz und Rechenschaft im non-Profit Sektor extrem zu steigern und in Folge dessen große Effizienzgewinne zu erbringen.

So schreibt Llyod Nimetz im Stanford Social Innovation Review: 

eBay disintermediated shopping. Napster initially did the same for music and Wikipedia for information. More recently it has been Prosper for the sluggish industry of unsecured loans.  What paradigm shifting changes has the Internet brought to the slowest sector of them all, the philanthropic sector?  The answer might be online giving markets.

Doch ihr radikales Potential, so das Fazit der Studie, wird von den wenigsten Plattformen eingelöst. Statt soziales Engagement als soziales Investments zu betrachten, welches sich konkreten, z.T. messbaren Bewertungs- und Erfolgskritierien stellen muss, fördern die meisten Plattformen das traditionelle „feel good giving“.

Für uns bei betterplace ist diese Diskussion von enormem Interesse. Unser Anspruch ist es, daran mitzuwirken, soziales Engagement nicht nur einfacher, sondern auch effizienter und leistungsorientierter zu gestalten. Daher legen wir Wert auf die kleinteilige und differenzierte Darstellung der Bedarfe einer Organisation. Zudem verpflichten wir Projektverantwortliche regelmäßig Feedback über ihre Arbeit zu geben. Und über das Web of Trust ermöglichen wir einer möglichst großen Menge von Menschen ihre Erfahrungen mit einem konkreten Projekt und einem Projektverantwortlichen darzulegen.

Zugleich machen wir uns Gedanken über die Bandbreite an Instrumenten (von Spenden über Mikrokredite bis zur Vermittlung von Expertenwissen), die für unterschiedliche soziale Probleme angemessen und am erfolgversprechendsten sind. So macht es meines Erachtens wesentlich mehr Sinn, einem Unternehmer, z.B. dem Betreiber eines Lokals in Katmandu, einen Kredit für die Anschaffung eines Fernsehers zu bewilligen, als ihm das Geld dafür zu schenken. Auf der anderen Seite sind nicht profitorientierte Initiativen, wie Schulen oder Straßenkinderprojekte, auf Geldspenden angewiesen, da sie Kredite nur schwer zurück zahlen können.

Um das Unterstützern auf betterplace zur Verfügung stehende Instrumentarium zu erweitern, werden wir in einem nächsten Schritt z.B. die Vergabe von Mikrokrediten auf der Plattform ermöglichen.

Zugleich müssen wir uns eingestehen, dass wir am Anfang eines langen und komplexen Lernprozesses stehen. Wenn die Menschheit genau wüsste, was in der Welt der Armutsreduzierung und des sozialen Engagements funktioniert und was nicht, würde die Bilanz nach 5 Jahrzehnten Entwicklungsarbeit nicht so miserabel aussehen, wie sie es tut.

Ich verstehe betterplace als eine Plattform, auf der genau dieses Lernen stattfindet: Welche Intervention funktioniert für welches Problem? Wie sehen in den unterschiedlichen Projektsparten die Kriterien für Erfolg jeweils aus? Welche Informationen – wie aufbereitet – müssen Unterstützern für eine informierte Auswahl zur Verfügung gestellt werden?

Wir sind Teil eines extrem spannenden Prozesses, der die Welt wirklich revolutionieren kann. Damit dies gelingt, müssen wir jedoch unsere eigene Performance und die von uns zur Verfügung gestellten Instrumente aufmerksam beobachten und auf ihre Sinnhaftigkeit hin immer wieder hinterfragen. Studien wie die vorliegende können uns dabei helfen. 

3 LKWs mit Bausand

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Sandanlieferung im Aids-Waisenhaus in Bombolulu, Mombasa. 203 Euro spendeten betterplacer für 3 LKWs mit Bausand.

Vor ein paar Wochen hatte ich schon über Ann Wambuas perfekte Form des Feedbacks gebloggt - das Ergebnis kann man jetzt hier sehen. Einziges Manko: die Fotos können (noch) nicht einzeln kommentiert werden.



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