Archiv für die Kategorie ‘Internet’

Innovative Technologien verbreiten

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Schon mal was von Freedom Toasters gehört?

Von mehreren Seiten bin ich in der letzten Woche auf eine neue , interessante Plattform aufmerksam gemacht worden: Kopernik. Nach dem Motto: Kopernik connects innovative technologies, poor communties and You, präsentiert die Seite originelle und nachhaltige Technologie, die sich an Bottom of Pyramid-Gemeinschaften richten. Unter den Technologie finden sich z.B. Solarlampen, Life Straw Wasserfilter, ebenso wie Brillen, die Menschen ohne Zugriff auf Augenärzte, auf ihre eigenen Sehbedürfnisse einstellen können.

Wie funktioniert die Plattform? Eine Organisation in Nigeria möchte 150 Solarlampen für die Schüler eines nicht-elektrifizierten Dorfes haben. Auf Kopernik findet sie einen passenden Technologieanbieter (der Kopernik als Vertriebsplattform nutzt) und veröffentlicht ihr Konzept, sowie den offenen Geldbedarf (in diesem Fall 5.500 US). Spender können nun dieses Projekt bespenden.

Die Idee ist gut, denn oft ist das Problem ja nicht, dass es keine passenden Technologien gibt, sondern dass wir keine effektiven Systeme haben, um innovative Designideen dorthin zu bringen, wo sie benötigt werden. Leider bietet die Seite jedoch keine Möglichkeit Technologien und Proposals zu diskutieren um eigene Erfahrungen einzubringen. Doch gerade das ist bei einigen Designinnovationen dringend nötig, denn was Spender in NYC und Berlin cool finden, ist nicht unbedingt das, was sich vor Ort bewährt.

Fundraising2.0Camp – Be there or be square!

fc20 Am Freitag 22.01.2010 fand das Fundraising2.0Camp im Hub in Berlin Kreuzberg statt. Da das für uns eine Art Heimspiel ist, waren wir mit einem Großaufgebot dabei. Die lockere Atmosphäre machte es einfach viele spannende Menschen kennen zu lernen und bereits bestehende Kontakte zu pflegen. Es waren kleine und große Organisationen da. Webaffine und Einsteiger. Auch mit Vertretern verschiedener Unternehmen konnte man ungezwungen ein Pläuschchen halten. Insgesamt also eine interessante Mischung.

Nach Begrüßung und Sessionplanung gab es zwei Sessions-Slots morgens. Gefreut haben wir uns sehr darüber, dass Katrin und Jörg unsere Bewertungsmethode von Projekten in ihrem Jahresrückblick besonders betonten. Im Anschluss an eine leckere Stärkung gab es dann erneut eine Sessionplanung und 3 weitere Sessions-Slots am Nachmittag. Insgesamt waren es 16 Sessions.

Für jeden Geschmack war thematisch etwas dabei. Es wurden Grundlagen des Fundraisings 2.0 diskutiert, innovative Wege aufgezeigt und Chancen und Risiken abgewogen. Björns Präsentation zur Nachmittagssession „Facebook für NGOs mit Schwerpunkt Fundraising“ könnt hier herunterladen.

Unter dem Strich wurde klar: Modernes Fundraising sollte die Möglichkeiten nutzen, die neue technische und soziale Entwicklungen wie das Web 2.0 bieten. Gerade kleine Organisationen können aufgrund der niedrigen Eintrittsbarrieren hiervon profitieren. Wichtig dabei ist eine an das jeweilige Medium angepasste Botschaft.

Vielen Dank nochmals an die Organisatoren und Sponsoren des Camps. Es war eine tolle Plattform für den direkten und kreativen Ideenaustausch. Wie Alexa zu Beginn der Veranstaltung schon sagte: Das Fundraising2.0Camp ist Web 2.0 zum Anfassen.

Unsere aktuelle Pressemitteilung: Weltverbessern à la Web 2.0 – Warum die Zukunft des Spendens im Internet stattfindet

Täglich werden auf der Videoplattform YouTube mehr als eine Milliarde Videos angeschaut. Die gedruckte Encyclopedia Britannica umfasst in ihrer aktuellen Ausgabe 65.000 Artikel – die englischsprachige Ausgabe der Internetseite Wikipedia mit ihren 3,1 Millionen Artikeln beinahe 50 Mal so viel. Und wäre das Soziale Netzwerk Facebook mit seinen über 300 Millionen Mitgliedern ein Staat, würde es mit den USA um den Titel des drittgrößten Landes der Erde ringen. Es ist unbestreitbar: Das Internet ist auf dem Vormarsch. Kein Wunder, dass auch immer mehr Spender ihre Spende online tätigen – besonders während der Weihnachtszeit.

„Das Internet ist ideal, um Menschen und ihr Wissen weltweit zu verbinden. Es bietet exakt das, wonach Spender heutzutage suchen: Mehr Transparenz über die Verwendung ihres Geldes und direkten Austausch mit jenen, denen die Spende zugute kommt“, so Till Behnke, Mitgründer und Geschäftsführer der gemeinnützigen Internetplattform betterplace.org. Mit mehr als 20.000 Mitgliedern und über einer Million Euro generiertem Spendenvolumen ist betterplace.org Deutschlands größte Spenden-Community. Wie Behnke erklärt, geht dabei der Großteil der Spenden nicht vom „klassischen Spender über 60 Jahre“, sondern von Menschen unter 40 ein, also von einer deutlich jüngeren und von den klassischen Hilfsorganisationen kaum erschlossenen Zielgruppe.

Jüngere Spender, besser Vergleichsmöglichkeiten der Projekte, schnelleres Feedback

Für den sozialen Sektor ist am Internet aber nicht nur der Zugang zu neuen Zielgruppen reizvoll. Die Vorteile des Online-Spendes sind vielfältig. Ähnlich wie bei YouTube oder eBay findet man im Internet einfacher und schneller, was man sucht: So lassen sich beispielsweise auf betterplace.org gezielt Hilfsprojekte nach einer Region oder einem Thema filtern. Geld, Sachspende oder freiwillige Mitarbeit kann man anschließend – je nach Wunsch und persönlichen Interessen – ganz gezielt einem Kinderheim in Berlin oder einer Kooperative, die in Honduras Solaranlagen baut, zugute kommen lassen. Ist man sich dabei nicht sicher, ob das Projekt wirklich so gut arbeitet, wie es scheint, ermöglichen es die Kommunikationsmöglichkeiten des Internets, vorher bei den Projektverantwortlichen über den aktuellen Stand des Projekts Auskunft zu erhalten. Oder man schaut sich die öffentlich zugänglichen Projektbewertungen der anderen Community-Mitglieder an – viele davon haben einmal selbst vor Ort am Projekt mitgearbeitet. Hat man ein Projekt gefunden, das man unterstützen möchte, kommt die Multimedialität des Netzes zum Tragen: Per Video, Fotoberichten oder geschriebenen Blogartikeln erhält der Spender Rückmeldung über den Fortschritt „seines“ Projekts. Was wiederum andere Mitglieder motivieren kann, das Projekt ebenfalls zu unterstützen. „Bisher war das Spenden meist eine Einbahnstraße – wir wollen es zum Kreisverkehr machen“, so Behnke.

Fundraising-Kosten online senken

Gleichzeitig trägt das Internet dazu bei, die häufig als zu hoch beklagten Fundraising-Kosten der klassischen Hilfsorganisationen zu senken. Stephanie Sczuka, Fundraisierin bei Action Medeor, sagt: „Die konventionelle Neu-Akquise eines Spenders kostet action medeor zwischen 70 und 90 Euro. Für unsere Projekte sind über betterplace.org in kurzer Zeit 15.000 Euro zusammengekommen. Allein die Akquise dieser neuen Spender hätte uns auf konventionellem Wege rund 17.000 Euro gekostet.“ Natürlich bleibe aber noch abzuwarten, wie sich die Spendertreue über die kostenlose Plattform entwickelt, so Sczuka weiter.

Neben den großen Hilfsorganisationen ist das Internet aber insbesondere auch für unzählige kleine Initiativen eine Chance, ihre Arbeit bekannt zu machen. Diese Projekte vor Ort, die bisher häufig keinerlei Öffentlichkeit hatten, haben dank des Internets erstmals die Möglichkeit, weltweit um Unterstützung zu werben. Im Falle von betterplace.org können dies auch Projekte und Organisationen tun, die im Ausland ihren Sitz haben und daher vom deutschen Finanzamt nicht als gemeinnützig anerkannt werden können, oder die zu klein sind, als dass sich der Aufwand für den Erwerb eines Spendensiegels lohnen würde. Um ein Projekt auf betterplace.org vorstellen zu können, gilt: Die gute Absicht genügt. Denn das Berliner Start-up um den 30-jährigen Behnke kontrolliert die vorgestellten Projekte nicht.

Diese Offenheit ruft natürlich auch Kritik hervor. So hält Burkhard Wilke, Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen, Herausgeber des DZI Spendensiegels, den freien Zugang zu betterplace.org für „gewagt“. Im Berliner Tagesspiegel sagt er, die Kommentatoren im Betterplace-Netz könnten lügen und mit bildreichem Aufwand vortäuschen, afrikanischen Kindern zu helfen, während sie das Geld für eigene Zwecke nutzen.

Behnke widerspricht: „Selbstverständlich können wir nicht jedes Projekt auf der Welt kontrollieren – das kann niemand. So ehrlich muss jeder sein, der im sozialen Sektor arbeitet. Aber wir können neben den bekannten Vertrauensmechanismen, wie das DZI Spendensiegel oder die Annerkennung der Gemeinnützigkeit durchs Finanzamt, die wir beide auch auf unserer Plattform anzeigen, eine bisher übersehene Dimension hinzufügen: Den einzelnen Menschen und seine positiven – oder auch negativen – Bewertungen, Reiseberichte und Kommentare.“ Wikipedia diene dabei als positives Beispiel, so Behnke weiter, ebenso wie die Bewertungen von Dienstleistungen oder Produkten in anderen Gemeinschaften des Web 2.0. „Diese ‚Schwarmintelligenz’ ist als eine wichtige Ergänzung zu den bisherigen Vertrauensmechanismen zu sehen. Wir trauen den Menschen und der engagierten Gemeinschaft zu, kompetent über Spenden zu entscheiden, wenn sie die nötigen Informationen vorfinden.“ Niemand auf betterplace.org spende an zwielichtige Projekte, die ein, zwei vermeintlich positive Bewertungen hätten.

Bereits überzeugt: Ashoka und Prof. Eigen, Gründer von Transparency International

Behnke und sein Team sind mit diesem Urteil nicht alleine. Das Konzept von betterplace.org findet mehr und mehr Fürsprecher – auch prominente. Neben Ashoka, der weltweit größten Organisation für Social Entrepreneurs, gehört auch Prof. Dr. Peter Eigen zu den Unterstützern des zwei Jahre alten Portals. „Die bisherige Form der weltweiten Hilfe bedarf der Erneuerung. Sie muss transparent, partizipativ und unmittelbar sein – so wie betterplace.org“, erklärt der Gründer von Transparency International, einer der weltweit renommiertesten Organisationen im Kampf gegen die Korruption, die bekanntlich eines der größten Probleme der Entwicklungszusammenarbeit darstellt. Dabei hat Eigen, wie er sagt, bisher weder je einen Wikipedia-Artikel gelesen, noch sich als Mitglied bei Facebook angemeldet. Nur ein paar Videos auf YouTube habe er sich schon mal angesehen. Eines davon über ein Projekt auf www.betterplace.org.

Techies welcome :)

Heute ist sie offiziell gestartet, die Mozilla Mitmachwoche. Die Mozilla Foundation hat diese Aktion ins Leben gerufen, um mit ihrer technisch versierten Community gemeinnützigen Organisationen und Initiativen in technischer Hinsicht unter die Arme zu greifen. Wie in einem früheren Post erwähnt, ist betterplace.org bei dieser Aktion Partner für die Region Deutschland. Zahlreiche Organisationen haben technisch-orientierte Bedarfe als Gesuche eingestellt – jetzt geht es in dieser Woche darum, diese zu erfüllen. Wer Zeit und Lust hat ist also aufgerufen in dieser Woche sein Know-How für die gute Sache nutzen.

betterplace.org Workshop auf Zanzibar

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betterplace.org Workshop auf Sansibar

Vor kurzem trafen Yvonne und ich gemeinsam mit unserer Praktikantin Miriam, zwei Mitglieder von Twende Pamoja e.V., die gerade auf Zanzibar einen betterplace Wokshop durchgeführt hatten. Nun können die sansibarischen Mitglieder des Vereins ihre Projekte selbst einstellen – was sie dann auch gleich machten: Der Feldweg zur Entbindungsstation soll ausgebessert werden. Die Regierung hat zwar zugesagt, dass sie die Arbeiten übernehmen würden, die Baumaterialien müssen aber von den Bewohnern selbst gestellt werden. Und dabei kann man ihnen sehr einfach helfen.

Das 2. Projekt wird von einer Frauenkooperative betrieben, die für ihre Geflügelfarm und Baumschule einen Brunnen bauen wollen. 

Beides Projekte, über die ich mich total freue, weil sie die schrittweise Ermächtigung der Leute vor Ort signalisieren.

Bei unserem Treffen überreichten und Michaela und Matthias von Twende Deutschland eine CD mit eindrucksvollen Photos von ihrem letzten Aufenthalt auf Zanzibar. Hier eine  kleine Auswahl:

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Teilnehmerinnen eines betterplace Workshops auf Sansibar

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Theatervorführung, die mit Hilfe von betterplace-Spenderinnen finanziert werden konnte

„Wir machen vielleicht nicht das Werbefernsehen besser, dafür aber die Welt!“

Von starken Partnern pro-bono unterstützt, be­ginnt noch im August die Ausstrahlung des ersten TV-Spots von betterplace.org. Der Spot wurde kostenlos von der Pforzheimer Agentur „Heck-Antrieb“ in Zusammenarbeit mit „Kropp & Ritzert Create GmbH“ produziert und wird ab sofort kostenlos auf zehn Fernsehsendern bundesweit ausgestrahlt, darunter RTL2, VOX, DSF und viele andere. Bestandteile des Spots sind der Aufruf zur konkreten Projektspende per SMS sowie das augenzwinkernde Motto, das auf die Kernkompetenz  der größten deutschen Spendenplattform abzielt: „Wir machen vielleicht nicht das Werbefernsehen besser, dafür aber die Welt!“.

Ziel ist es, betterplace.org dem breiten TV-Publikum bekannt machen. Dabei werden neue, junge und internetaffine Zielgruppen angesprochen und das SMS-Spenden als zeitgemäße Form des Helfens etabliert. Mit einer im Reminder des Hauptspots kommunizierten Spendenmöglichkeit kann jeder Zuschauer per SMS 2,82 Euro an das dort präsentierte Projekt spenden, eine Kinderküche in Berlin. Da der Charity-SMS Anbieter „Burda Wireless“ und auch die Mobilfunkanbieter bis auf eine technische Gebühr von 17 Cent auf die üblichen Erlösanteile verzichten, kostet den Spender die SMS mit 2,99 Euro dabei nur minimal mehr.

Der neue betterplace.org Hauptspot, vorab zu sehen hier im Teamblog:

Was! Ihr kontrolliert die Projekte nicht?

3. Teil Sommerlektüre: What Would Google Do? Teil 1 und Teil 2

Jeder von uns aus dem Team, der Außenstehenden beschreibt, wie betterplace funktioniert, ist mit der Frage konfrontiert worden, wie es denn mit der Kontrolle der Projekte steht. Wenn wir entgegnen, dass betterplace eine offene Plattform ist, auf der jeder sein Projekt einstellen kann, kommt oft der Einwand: Aber dann öffnet ihr doch die Tore für Missbrauch und Betrug!

Jeff Jarvis hat in What Would Google Do? auch hierfür eine gute Antwort: Natürlich, schreibt er, gibt es im Internet (ebenso wie in der Offline Welt) Betrug. Es gibt z.B. Menschen, die – wie ich in einem meiner letzten blogposts beschrieben habe  – fake NGOs gründen, nur um sich selbst zu bereichern.

Aber zugleich ist das Internet voller Beweise dafür, dass es unzählige Menschen gibt, die sich dafür einsetzen, dass solche Betrügereien aufgedeckt werden (wahrscheinlich sogar mehr als in der Offline Welt). „We can fact-check your ass“ zitiert Jarvis den Blogger Ken Layne.

Beispiel Wikipedia

In den 2.3 Millionen Einträgen von Wikipedia gibt es viele Fehler -  aber viel erstaunlicher ist es, wie schnell diese gefunden und korrigiert werden. Dazu eine kleine betterplace Geschichte: meine Kollegin Josefina Petrus saß vor kurzem beim Abendessen mit einem Internetkritischen Journalisten, der das durch Wikipedia erzeugte Pseudowissen beklagte. Bürgerjournalismus ist nicht gerade etwas, was viele Journalisten erfreut. Daraufhin machte Josefina ein Experiment: Vorm Hauptgang veränderte sie im Wikipediaeintrag zu Frank Walter Steinmeier, den Beruf seines Vaters. Der Journalist fühlte sich in seiner These bestätigt: so einfach sei also die Geschichtsfälschung im Netz. Doch noch bevor der Dessert serviert wurde hatte jemand den Fehler bemerkt und korrigiert!

Wikipedia ist ein lebender Beweis dafür wie viele Menschen bereit sind – ohne Geld und sichtbare Anerkennung – Fehler zu korrigieren. Das was sie im Gegenzug erhalten ist einfach nur die Befriedigung etwas richtig gemacht zu haben.

Gibt es diesen Brunnen wirklich?

Genauso verhält es sich auch mit betrügerischen Projekten. Menschen werden Projekte überprüfen und kontrollieren: Gibt es dieses Waisenhaus bei mir um die Ecke wirklich? Ist dieser Brunnen in Ostafrika wirklich gebohrt worden? Journalisten, Reisende, Nachbarn, Projektnutznießer und Experten, sie alle können sich Projekte ansehen und eventuelle Missstände und Betrügereien aufdecken. 

Im Falle dass diese als betrügerisch gemeldeten Projekte von einer renommierten Organisation durchgeführt werden (und das es solche faulen Äpfel selbst unter den etablierten gut beleumundeten Hilfsorganisationen gibt, ist ein offenes Geheimnis), tut diese gut daran, sich nicht zu verschanzen, sondern offen mit dem Problem umzugehen.

The People Formaly Known as the Donors

Teil 2 der Lektüre von Jeff Jarvis What Would Google Do? Teil 1

Jarvis zitiert den Journalismusprofessor Jay Rosen, der von „the people formaly known as the audience” spricht. Standen in der alten Welt der Printmedien, des Radios und TVs eine Reihe von Produzenten einer großen Masse – den Lesern, Zuhörern und Zuschauern – gegenüber, so lösen sich diese Fronten gerade auf und eine weitgehend passive Rezipientenmasse gehört der Vergangenheit an. Nachrichten, Wissen, Unterhaltung werden kollaborativ – sie entstehen im Dialog zwischen Produzenten und Konsumenten. Sie sind interaktiv und werden von den Konsumenten mitgestaltet.

Von Spendern zu Mitgestaltern

Genau das gleiche Phänomen werden wir in der Welt des sozialen Engagements erleben: Aus Spendern werden Dialogpartner und Mitgestalter. Indem Moment, wo die Möglichkeit besteht sich auf einfache Art und Weise einzubringen – z. B. mit seinem Know How, werden soziale Organisationen immer mehr in den Dialog treten und kollaborative Strategien entwickeln (müssen).

Ein kleines Beispiel aus dem eigenen Haus: Vor einiger Zeit stieß ich (Joana) auf ein Malaria-Präventionsprojekt auf betterplace, welches mir gut gefiel und das ich bespendete. Allerdings interessierte mich woher die Mückennetze stammten, die die Hilfsorganisation mit meiner Spende in einem westafrikanischen Land verteilen wollte. Ich wußte von einer hoch effizienten, sozial engagierten Firma in Tansania A-Z Textiles, die in großem Maßstab Insektizidimprägnierte Netze vertreibt. Da eines der Hauptkriterien für nachhaltige Entwicklung die Stärkung lokaler Unternehmen und die Schaffung lokaler Arbeitsplätze ist, empfinde ich es als wesentlich sinnvoller, wenn die Hilfsorganisation ihre Netze nicht bei einer europäischen Firma bestellt, sondern bei einem lokalen, afrikanischen Unternehmen.

In der Offline-Welt wäre es mir zu mühsam gewesen, diesem Thema nachzugehen. Ich hätte einen Brief schreiben, den richtigen Adressaten in der Hilfsorganisation ausfindig machen, einen Briefumschlag frankieren und zum Briefkasten bringen müssen. Viel zu viel Aufwand für mein ohnehin atemloses Leben. Doch auf betterplace war die Projektverantwortliche nur einen Klick entfernt und ich konnte meine Frage – verbunden mit einem Vorschlag – ganz einfach stellen. Nach nur wenigen Tagen hatte ich von der Organisation eine Antwort bekommen, die mich zwar nicht vollständig in meiner Spende bestätigte (die Netze werden nicht in Afrika produziert), jedoch den Eindruck erweckte, als sei ich gehört worden und man werde meinem Vorschlag nachgehen.

Stellen Sie sich jetzt noch mal vor, die Organisation das Thema wirklich ernsthaft verfolgen und mich darüber auf dem Laufenden halten! Sie hätte nicht nur eine völlig begeisterte Spenderin gewonnen, die auch weitere Projekte der Organisation unterstützt und in ihrem Bekanntenkreis für diese wirbt. Es wäre auch gemeinschaftlich eine – so meine ich – entwicklungspolitisch bessere Lösung zustande kommen.

Wer sich öffnet gewinnt

Der kritischen Fundraising-Literatur, u.a. Alexander Glücks Der Spendenkomplex  kann man entnehmen, dass Organisationen Spender sehr oft auf „Datensätze“ reduzieren, von denen sie Geld in Empfang nehmen. Dabei haben so viele Menschen so viele gute Ideen und Zugang zu sehr spezifischen Informationen – was wäre, wenn sie dieses punktgenau und einfach den Hilfsorganisationen zur Verfügung stellen könnten? Und wenn diese Organisationen sich ihren Unterstützern wirklich öffnen würden? Wenn aus Spendern Mitgestalter werden?

Unsere Vorhersage nach der Lektüre von What Would Google Do? – Die Organisationen und Initiativen, die ihre Unterstützer wirklich ernst nehmen und mit ihnen zusammenarbeitet, werden diejenigen sein, die im Internetzeitalter überleben und florieren.

betterplace.org – What Would Google Do?

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Ein Buch, welches in unseren Ferien von Hand zu Hand gereicht wird und momentan bei unserem 14 jährigen Sohn Vico gelandet ist, ist Jeff Jarvis What Would Google Do? 

Jarvis betreibt einen der bekanntesten blogs über das Internet und Neue Medien BuzzMachine.com, unterrichtet Journalismus an der City University in New York und schreibt die New Media Kolumne für den Guardian. What Would Google Do? destilliert einige Kernelemente hinter dem Erfolg von Google – des am schnellsten wachsenden Unternehmens der Geschichte. In Kapiteln mit Titeln wie Give the People Control and We Will Use it, Do What You Do Best and Link to the Rest oder Free is a Business Model leitet Jarvis die Hauptprinzipien einer neuen Wirtschaftsordnung ab, die viele Regeln der old economy auf den Kopf stellen.

Als Internetplattform versteht sich auch betterplace als eine disruptive Kraft, die Antworten auf einige der wichtigsten Herausforderungen des gemeinnützigen Sektors liefern möchte. Zu diesen Herausforderungen gehört zum einen die Intransparenz des Sektors (welche Spenderin weiß, was mit ihrem Geld gemacht wird?), die hohen Kapitalbeschaffungskosten (so kann Fundraising gut und gerne zwischen 30-50% der eingesammelten Spenden verschlingen) und das fehlende Wissen darüber, welche Organisationen effektive Arbeit leisten und welche nicht (wo ist Ihr Spendeneuro besser angelegt – bei World Vision oder der Choki Traditional Art School?). 

Die disruptive Kraft des Netzes im Gemeinnützigen Sektor

Diesen Herausforderungen versuchen wir dadurch zu begegnen, dass sich auf betterplace Organisationen nicht nur verpflichten ihre Arbeit in Projekte und einzelne Bedarfe aufzuschlüsseln, sondern auch regelmäßig über den Projektfortschritt in Wort und Bild zu berichten. Den bisher hohen Kapitalbeschaffungskosten stellen wir betterplace als 100% kostenfreie Plattform gegenüber und das Web of Trust soll Spendern (und Organisationen!) ermöglichen, ein realistischeres Bild bezüglich der Effektivität der Projektarbeit zu bekommen, indem eine möglichst große Menge von Stakeholdern zu Wort kommen.

Unsere Welt ist mitten in einem gigantischen Transformationsprozess und viele alte Gewissheiten werden durch die neuen Kommunikationswelten auf den Kopf gestellt.

betterplace ist disruptiv, d.h. wir brechen bestehende Prozesse und Systeme auf, machen sie transparenter und effizienter, da wir Wertschöpfungsketten verkürzen. Die Erfahrung zeigt, so sagt unser Mitgründer Jörg Rheinboldt, dass das nicht allen Beteiligten Spaß und Freude macht. Aber diejenigen, die sich rechtzeitig auf diese neue Welt einstellen, können davon nur profitieren.

Mehr davon im nächsten WWGD-blogpost.

Wipp-Lounge und Bambini-Schaukel oder: Wie man über betterplace.org sein Netzwerk aktiviert. Ein Paradebeispiel.

WippeSeit diesem Jahr ist der BFC Dynamo aus Berlin der erste Profifußballverein mit einem Kinderspielplatz auf dem Stadiongelände. Dass es dazu kam, verdankt der Verein seinen fleißigen Fans, deren Unterstützern und betterplace.org, dem transparenten Marktplatz für soziales Engagement. Das gesamte Spielplatz-Projekt wurde in beeindruckender Geschwindigkeit ausschließlich über Spenden auf betterplace.org finanziert. Sein erfolgreicher Abschluss ist deshalb ein Paradebeispiel für effektives Fundraising im eigenen Netzwerk über betterplace.org.

Aufstellung:

Zunächst erstellten die Fans des Berliner FC Dynamo eine Profilseite auf betterplace.org. Potentielle Unterstützer und Helfer konnten dort die gewählte Taktik genau ablesen: wie das Projekt geplant ist, wofür genau wieviel Geld gebraucht wird und wer sich darum kümmert. Zuerst soll eine Wippe gebaut werden, dann eine Schaukel, eine Bank, ein Sandkasten und zu guter Letzt eine Rutsche.

Anpfiff:

dynamo4Um dem Projekt den nötigen Anschub zu verleihen, aktivierten die Projektverantwortlichen zunächst ihr eigenes Netzwerk: die Fankurve des BFC. Auf der offiziellen Homepage des Vereins wurde das Spielplatz-Projekt prominent beworben und verlinkt. Fans, Gäste, Sponsoren und Journalisten erfuhren so aus erster Hand vom geplanten Bau des neuen Buddelkastens. Jeder Kontakt wirkt dabei als möglicher Multiplikator für weitere Spender.

Spielfluss:

Das Projekt wird bald im vereinseigenen Forum aufgegriffen und diskutiert. Ein Klick, ein Spender – einfacher geht’s nicht. Fans erfuhren stets den aktuellen Stand der Arbeiten und den Spendenpegel für den nächsten Schritt. Dazu stellten die Projektverantwortlichen einen Spendenaufruf als Textvorlage mit Link zum Projekt zur Verfügung. Der Text konnte einfach in Mailverteiler, Messenger, Blogs oder Online-Communities kopiert werden. Wer eine eigene BFC-Fanseite betreibt, konnte das Projekt zusätzlich per Widget bewerben. Sobald eine Phase des Projekts abgeschlossen werden konnte, dokumentierten die Verantwortlichen das mit Fotos und Blog-Einträgen auf betterplace.org. Die Transparenz motiviert neue Spender: “Da passiert was, da will ich dabei sein!”.

Spielanalyse:

Durch seine Präsenz auf betterplace.org konnte die Spendengemeinschaft für den Spielplatz schnell über das vereinseigene Klientel hinauswachsen und fand Unterstützer sogar auch unter Anhängern anderer Vereine – ein erstaunlicher Effekt. In einer Online-Community für aktive Fußballfans kommentierte ein Nutzer die übergreifende Solidarität so: “Getrennt in den Farben, in der Sache vereint”. Die Erfolgsgeschichte des neuen BFC-Spielplatzes illustriert gleich mehrere Vorzüge der Wirkungsweise sozialen Engagements auf betterplace.org. Anstatt mit hohem Aufwand und niedriger Effizienz herkömmliche Fundraising-Kanäle aus allen Lagen in der Breite zu befeuern, konnte das Projekt via betterplace.org gezielt angegangen, verbreitet und vollendet werden. Innerhalb der eigenen Zielgruppe und deren Netzwerk wurde der “Long Tail” der Fangemeinschaft zielgenau angesprochen und sein Spendenpotential optimal genutzt.

Zur Nachahmung ausdrücklich empfohlen!



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