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Haiti, 100 Prozent und die Verwaltungskosten.

Nach dem Erdbeben auf Haiti haben Millionen von Menschen nicht gezögert, mit Millionen von Euro zu helfen. Auch über betterplace.org sind Hilfsgelder für Haiti geflossen. 750.000 Euro haben die Menschen über betterplace gespendet und 750.000 Euro hat betterplace weitergeleitet.

Auf diese 100 Prozent sind wir sehr stolz. Deshalb steht der Satz bei uns auch auf jeder Seite links oben. Denn dass betterplace 100 Prozent der Spenden weiterleitet und dabei sogar Transaktionsgebühren übernimmt ist weltweit ziemlich einzigartig. Und macht Fundraising sehr, sehr effizient.

Aber was passiert eigentlich mit dem Geld, nachdem wir es zu 100 Prozent weitergeleitet haben?

1.

betterplace.org leitet die Spenden für erfüllte Bedarfe ohne Abzug an die projekttragende Organisation bzw. (bei einem Individualprojekt) an den projektverantwortlichen Nutzer weiter. Auf betterplace.org gibt es ja nicht nur Hilfsorganisationen, sondern auch Einzelpersonen, die Geld sammeln – wir möchten schließlich die ganze Bandbreite an Spendenmöglichkeiten auf betterplace.org abbilden. Nach dem Erdbeben von Haiti gingen die meisten Spenden über betterplace.org an Hilfsorganisationen. Große Hilfsorganisationen, die vor Ort dank Ihrer Spende schnell und effektiv Nothilfe leisten konnten.

2.

Nachdem wir das Geld zu 100 Prozent weitergeleitetet haben, wird es anschließend von der Organisation bzw. dem Projektverantwortlichen für die Realisierung des Zweckes verwendet, wofür in der Projektbeschreibung geworben und in den einzelnen Bedarfen konkret Spenden gesammelt wurde. So regeln es unsere Projektregistrierungsbedingungen. Wenn nun also in einem Projekt auf betterplace.org steht: „Wir brauchen 900 Euro für 10 Hilfsboxen für Haiti“, dann sind mit den von Ihnen gespendeten und von uns weitergeleiteten 900 Euro auch 10 Hilfsboxen für Haiti anzuschaffen (Abweichungen von unter 10 Prozent sind z.B. aufgrund Preis- und Währungsschwankungen zulässig).  Denn in unseren Projektregistrierungsbedingungen heißt es unter Absatz 5.3. „Spenden dürfen nur gemäß den Angaben in der Projektbeschreibung verwendet werden.“

3.

Wie detailliert die Organisation bzw. der Projektverantwortliche die Verwendung der Spenden beschreibt, liegt dabei allerdings nicht in unserer Hand. Manche machen das vorbildlich, andere können da noch besser werden. Wir appellieren an größtmögliche Transparenz. Ob eine Organisation schreibt: „900 Euro für 10 Hilfsboxen für Haiti“. Oder ob sie noch viel genauer darlegt, warum 10 Hilfsboxen für Haiti 900 Euro kosten, indem sie ausführt, dass die eigentliche Anschaffung der 10 Boxen 800 Euro kostet, der Flug nach Haiti aber zusätzlich noch mal 50 Euro, und der Mitarbeiter vor Ort, der die Boxen verteilt auch noch mal 50 Euro (Verwaltungskosten!) ausmachen, ist im Endeffekt zwar das selbe („10 Hilfsboxen nach Haiti zu bringen und dort zu verteilen kostet 900 Euro, die hätten wir gerne von Ihnen!“), aber wir von betterplace.org fördern natürlich ganz klar die detailliertere und anschauliche Verwendungsbeschreibung der Bedarfe, also inklusive Verwaltungs- und Werbekosten. Und wir werden das zukünftig auch in unserer Kommunikation an diese noch stärker fordern.

Aber wie können Verwaltungs- und Werbekosten transparent ausgewiesen sein?

  • Entweder indem diese Ausgaben jeweils in den Bedarfssummen enthalten sind, wie im obigen Haiti-Beispiel beschrieben oder wie es beispielsweise bei Action Medeor in der Projektbeschreibung genannt wird (Klick auf „…mehr“!)
  • Oder indem diese als eigener Bedarf „Verwaltungskosten“ bzw. „Werbekosten“ deklariert werden, wie z.B. hier bei Viva con Agua.
  • Und warum machen manche beides nicht? Es gibt auch Organisationen bzw. Individuen, die betterplace.org ausschließlich als  Spendenkanal für sehr konkrete Dinge nutzen und ihre Verwaltungs- und Werbekosten nur über andere Kanäle generieren.

(Wie das Ihr Lieblingsprojekt handhabt? Stellen Sie doch einfach eine Frage in der Sektion „Frage&Antworten“ auf der entsprechenden Projektprofilseite!)

Wir sind überzeugt, dass eine solche Transparenz zu mehr Vertrauen und damit zu mehr Spenden führt. Man darf ja bei der ganzen Diskussion nicht vergessen, dass Verwaltungskosten nichts Schlechtes sind: gute Projekte müssen natürlich gut verwaltet werden.

Dem Spender gegenüber werden wir unsere Kommunikation zu diesem Thema übrigens auch noch besser machen. Dass noch klarer wird, was mit dem vom Spender gespendeten Geld passiert: Wir als betterplace.org leiten die Spende zu 100 Prozent an die projekttragende Organisation bzw. den Projektverantwortlichen weiter. Und die Organisation bzw. der Projektverantwortliche hat das Geld zu 100 Prozent zur Realisierung dessen zu verwenden, wie es in der Projektbeschreibung beschrieben und in den Projektbedarfen (je exakter und transparenter, desto besser!) konkret gemacht wurde.

Verdrängt Haiti-Hilfe Spenden für andere Projekte?

In seinem Beitrag zur Haiti-Hilfe prognostizierte Alexander Glück, “Initiativen, die nicht in Haiti engagiert sind, stehen vor einem Spendeneinbruch”. Diese Frage haben wir auch im Team diskutiert – und auf der Basis von betterplace.org analysiert.

Mehr Spenden für Haiti – mehr Spenden für andere Projekte
Und siehe da, das Gegenteil ist der Fall! Im Vergleich zu den Vormonaten weisen unsere Zahlen zwischen dem 15. – 26. Januar 2010 ganz eindeutig darauf hin, dass viele Menschen, die auf Haiti-Projekte gespendet haben, zur gleichen Zeit auch noch andere Projekte unterstützen. Sind sie erstmal auf der Plattform und in Spendenlaune schauen sie sich auch Projekte an, die nichts mit Katastrophenhilfe zu tun haben und drücken auf den Spendenknopf.

Engagement ist offensichtlich kein Nullsummenspiel. Und das freut uns sehr!

Fünf Prognosen zur Haiti-Hilfe – von Alexander Glück

Im Zuge der Katastrophe in Haiti kommen über betterplace.org täglich sehr viele Spenden für Organisationen zusammen, die in der Nothilfe engagiert sind, von Care International über das Deutsche Rote Kreuz bis zu dem Bündnis Aktion Deutschland Hilft. Unser Gastblogger Alexander Glück setzt sich sehr kritisch mit diesem Thema auseinander. Bestimmt teilen nicht alle aus dem betterplace Team alle seine fünf Thesen, aber wir finden es wichtig, dass auch diese Sicht auf die Nothilfe-Aktionen eine Stimme bekommt und sind gespannt auf Eure Meinung:

Kaum schreibt man ein kritisches Buch zum Spendenwesen, steht schon die nächste Großspendenaktion ins Haus und bestätigt die Mechanik, die in “Die verkaufte Verantwortung” (Essen: Stiftung & Sponsoring, 2009) ausführlich beschrieben ist. Wenn die darin enthaltenen Aussagen stimmen, wird man sich demnächst auf Entwicklungen einstellen müssen, die folgende Prognosen zulassen:

1.. Es werden neue Spendenrekorde aufgestellt. Der Akuthilfe bringt das zunächst nichts.

Täglich signalisieren die Massenmedien, daß schon jetzt das Spendenaufkommen alle Erwartungen übersteigt, trotzdem blenden sie permanent Kontonummern ein, verknüpft mit wirkungsstarken Schicksalsbildern. Die Frontleute wie Anne Will, Thomas Gottschalk und als Bild-Kolumnistin sogar Angela Merkel verstärken den bereits vorhandenen Druck und rufen zu immer neuen Spenden auf, möglichst ohne Verwendungszweck, damit die Mittel für einen wirkungsvollen Einsatz verfügbar sind.

Die Probleme im Erdbebengebiet sind jedoch logistischer und technischer Natur, während die benötigten Ressourcen in großer Menge bereits vorhanden sind. Obwohl die Medien es suggerieren, rettet eine Geldzahlung, gleich in welcher Höhe, kein einziges jetzt noch verschüttetes Kind.

2.. Haiti steht vor einem tiefgreifenden Strukturwandel.

Die eingeworbenen Mittel finanzieren nicht die Soforthilfe, sondern füllen die Kassen der Initiativen, die damit langfristige Aufbauprojekte finanzieren. Das ist gut und hilfreich, wird jedoch kaum thematisiert. Mit dem Wiederaufbau gehen Verteilungs- und Zuteilungskonflikte einher; ohne funktionierende Strukturen wird es zu Ungerechtigkeiten und Begünstigungen kommen. Dabei spielt es eine wesentliche Rolle, daß es in Haiti eine Oligarchie gibt, die schon vor der Katastrophe auf Kosten der breiten Bevölkerung lebte und sich auch aus dieser Mittelverteilung zu finanzieren versuchen wird. Der kommende Strukturwandel kann alte Ausbeutungsverhältnisse überwinden helfen, dafür jedoch neue entstehen lassen.

3.. Initiativen, die nicht in Haiti engagiert sind, stehen vor einem Spendeneinbruch.

Wer für Haiti spendet, wird diesen Betrag nicht mehr für eine andere Initiative einsetzen können. So wichtig die Finanzierung von langfristigen Projekten in Haiti ist, gerät in der jetzigen Spendenhysterie schnell aus dem Blickfeld, daß sehr viele andere, ebenfalls dringende Projekte künftig deutlich weniger an Spenden einnehmen werden, weil sehr viele Menschen sich nach getaner Haiti-Spende gegen eine weitere Zahlung an ein anderes Projekt entscheiden werden.

4.. Die Haiti-Thematik wird daher vermehrt auch von dort inkompetenten Initiativen bedient werden.

Schon bei der Tsunami-Katastrophe konnte beobachtet werden, wie Werbeagenturen und Fundraiser verschiedene Initiativen zu einer Übernahme dieser Thematik gedrängt haben, um ihre Spendeneinnahmen zu steigern. Dies wird sich jetzt wiederholen. Die meisten dieser Initiativen sind jedoch auf dieses Engagement nicht vorbereitet und riskieren hinsichtlich ihrer Kompetenz einen Ansehensverlust.

5.. Haiti kommt dauerhaft unter Kontrolle der Vereinigten Staaten.

Die Militärpräsenz der USA in Haiti sichert augenscheinlich die jetzt erforderlichen Strukturen für eine schnelle und effektive Verteilung der benötigten Hilfe. Das geradezu invasionsartige Auftreten der US-Soldaten wird aller Voraussicht nach für mindestens zwei Jahrzehnte zum Dauerzustand werden und ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr in direktem Zusammenhang mit der Hilfe für die Erdbebenopfer stehen.

Alexander Glück

www.der-spendenkomplex.de.tt

betterplace works!

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betterplace.org funktioniert, meinen wir. Um diese These zu untermauern haben wir eine Broschüre zusammengestellt, die nicht nur „betterplace works!“ heißt, sondern an Hand verschiedener Beispiele zeigt, warum das so ist. Geschichten über die großen Projekte „Cinema Jenin“, „X-Runner“ oder „Skateistan“ erzählen davon, welche Rolle betterplace.org für deren Erfolg gespielt hat und immer noch spielt.

Wir konnten aber auch junge Fotografen der Fotoschule Ostkreuz gewinnen, verschiedene betterplace-Projekte zu fotografieren – die Fotostrecken sind sehr schön anzuschauen. Joana Breidenbach hat einen interessanten Text über die „Revolution im Spendemarkt“ geschrieben, den Daniel Stolle illustriert hat (auch sehr schön anzuschauen). Aber auch Grundsätzliches wie einen Geschäftsbericht finden Sie in betterplace works! Und noch einiges mehr…

Falls Ihr Interesse über das pdf hinaus geht, schicken wir Ihnen auch eine gedruckte Version (solange der Vorrat reicht). Eine E-Mail an dbu(at)betterplace.org (Dennis Buchmann) genügt.

Was war 2009 – was kommt 2010? 1.Teil

Zwischen den Jahren möchte ich einen kleinen Jahresrückblick in Etappen machen – verbunden mit einer Vorausschau auf betterplace.org und den sozialen Sektor in 2010.

Spendenvolumen trotz Krise nur leicht verringert
Im Vorfeld wurde viel darüber spekuliert, wie sich die Wirtschaftskrise auf das Spendenverhalten auswirken würde. Während sich in den USA die Höhe der durchschnittlichen Einzelspende im Gegensatz zum Vorjahr halbiert hat und fast alle non-profit Organisationen von gravierenden finanziellen Einbußen berichteten, hat sich die Finanzkrise in Deutschland auf das Spendenvolumen (jedenfalls im ersten Halbjahr) weniger negativ ausgewirkt. Zwar ist das Spendenaufkommen leicht verkleinert – der Vize-Vorstand des Deutschen Spendenrats rechnet mit 5% weniger Spenden, die vor allem mit einer zunehmenden Angst um den Job und geringeren Renditen bei Rentnern zusammenhängen. Doch der Rückgang scheint hauptsächlich darauf zurückzuführen zu sein, dass die Einkünfte 2008 in Folge von Naturkatastrophen in Birma und China, Pakistan und Indien untypisch hoch waren und Organisationen 2009 weniger (sehr teure) Spendenbriefe rausschickten und dementsprechend weniger Einnahmen verzeichnen konnten.

Kleine Spendenorganisationen werden bevorzugt
Dieses Jahr haben die Deutschen eher an kleine gemeinnützige Organisationen gespendet, als an die großen “üblichen Verdächtigen”. Dieser Trend konnte in einem Experiment des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim belegt werden. An dem Versuch beteiligten sich 223 Personen zwischen 18-75 Jahren, die repräsentativ aus der deutschen Bevölkerung ausgesucht worden waren und im Labor reale Spendenentscheidungen trafen (in den sonst üblichen Umfragen beantworten Testpersonen nur hypothetische Fragen, ohne selbst Geld einzusetzen).

In 73% der Fälle wurden kleine Organisationen bevorzugt (als klein gelten Einrichtungen, die zwischen 40.000 – 300.000€ im Jahr einnehmen). Nur 27% zogen eine große Institution vor. Dahinter steckt zum einen eine Vertrauenskrise: nicht wenige Spender fragen sich, ob in großen Organisationen ihre Spenden nicht einfach in der Verwaltung und in Beraterhonoraren verschwinden, statt soziale Mißstände wirklich zu beseitigen. Laut Spendenrat fordern Geber heute mehr Klarheit und wollen Einblick in die Projekte und Bilanzen nehmen. (Nun muss man allerdings sagen, dass diese Transparenz bei kleinen Organisationen nicht per se größer ist als bei großen und Verwaltungskosten für gute Arbeit notwendig sind. Es ist eher eine Frage der Relation und der Qualität der Arbeit, die geleistet wird).

Der Trend hin zu kleineren Organisationen deckt sich aber mit denen in anderen Branchen. Ob im Musikhandel oder im Buchmarkt: Im Zuge der Digitalisierung wird der Massenmarkt durch eine Masse von Nischenmärkten abgelöst.

Beim Online Buchhändler amazon übersteigt die Summe der Verkäufe der vielen niedrigauflagigen Nischenbücher – wissenschaftlichen Abhandlungen, Gedichtbänden, Memoiren – die der wenigen Bestseller.  Übertragen auf den sozialen Sektor bedeutet das: Die kleinen Summen, die Du und ich für einen Verein in Brandenburg oder ein Sozialprojekt in Mosambik spenden, haben ein größeres Volumen, als die Spendengelder, die bei den großen, bekannten Hilfsorganisationen landen.

2010 wird der Long Tail der Hilfe noch bedeutsamer
Immer mehr Menschen werden Plattformen wie betterplace.org, global giving oder Help India nutzen, um eine zu ihren Interessen passende Organisation zu finden. Plattformen bieten kleinen und mittelgroßen Organisationen eine größere Sichtbarkeit, als sie es bislang hatten. Aber auch große Hilfsorganisationen, die ihre Arbeit anschaulich darstellen und über die Verwendung der Gelder authentisch Rechenschaft ablegen können, werden immer mehr Spender an sich binden können.

Zugleich gewinnen lokale Projekte wie auch schon 2009 mehr an Bedeutung. In Zeiten der Krise engagieren sich Menschen stärker vor Ort: dort nimmt die Not zu und Spender können im Zweifelsfalle auch mal bei der Organisation vorbeigehen, um sich von deren Arbeit zu überzeugen.

Im zweiten Teil unseres Jahresrückblicks wird es um die Veränderungen gehen, die digitale Technologien im Sektor bewirken – und um die Entwicklung des Online Fundraising in Deutschland.

Unsere aktuelle Pressemitteilung: Weltverbessern à la Web 2.0 – Warum die Zukunft des Spendens im Internet stattfindet

Täglich werden auf der Videoplattform YouTube mehr als eine Milliarde Videos angeschaut. Die gedruckte Encyclopedia Britannica umfasst in ihrer aktuellen Ausgabe 65.000 Artikel – die englischsprachige Ausgabe der Internetseite Wikipedia mit ihren 3,1 Millionen Artikeln beinahe 50 Mal so viel. Und wäre das Soziale Netzwerk Facebook mit seinen über 300 Millionen Mitgliedern ein Staat, würde es mit den USA um den Titel des drittgrößten Landes der Erde ringen. Es ist unbestreitbar: Das Internet ist auf dem Vormarsch. Kein Wunder, dass auch immer mehr Spender ihre Spende online tätigen – besonders während der Weihnachtszeit.

„Das Internet ist ideal, um Menschen und ihr Wissen weltweit zu verbinden. Es bietet exakt das, wonach Spender heutzutage suchen: Mehr Transparenz über die Verwendung ihres Geldes und direkten Austausch mit jenen, denen die Spende zugute kommt“, so Till Behnke, Mitgründer und Geschäftsführer der gemeinnützigen Internetplattform betterplace.org. Mit mehr als 20.000 Mitgliedern und über einer Million Euro generiertem Spendenvolumen ist betterplace.org Deutschlands größte Spenden-Community. Wie Behnke erklärt, geht dabei der Großteil der Spenden nicht vom „klassischen Spender über 60 Jahre“, sondern von Menschen unter 40 ein, also von einer deutlich jüngeren und von den klassischen Hilfsorganisationen kaum erschlossenen Zielgruppe.

Jüngere Spender, besser Vergleichsmöglichkeiten der Projekte, schnelleres Feedback

Für den sozialen Sektor ist am Internet aber nicht nur der Zugang zu neuen Zielgruppen reizvoll. Die Vorteile des Online-Spendes sind vielfältig. Ähnlich wie bei YouTube oder eBay findet man im Internet einfacher und schneller, was man sucht: So lassen sich beispielsweise auf betterplace.org gezielt Hilfsprojekte nach einer Region oder einem Thema filtern. Geld, Sachspende oder freiwillige Mitarbeit kann man anschließend – je nach Wunsch und persönlichen Interessen – ganz gezielt einem Kinderheim in Berlin oder einer Kooperative, die in Honduras Solaranlagen baut, zugute kommen lassen. Ist man sich dabei nicht sicher, ob das Projekt wirklich so gut arbeitet, wie es scheint, ermöglichen es die Kommunikationsmöglichkeiten des Internets, vorher bei den Projektverantwortlichen über den aktuellen Stand des Projekts Auskunft zu erhalten. Oder man schaut sich die öffentlich zugänglichen Projektbewertungen der anderen Community-Mitglieder an – viele davon haben einmal selbst vor Ort am Projekt mitgearbeitet. Hat man ein Projekt gefunden, das man unterstützen möchte, kommt die Multimedialität des Netzes zum Tragen: Per Video, Fotoberichten oder geschriebenen Blogartikeln erhält der Spender Rückmeldung über den Fortschritt „seines“ Projekts. Was wiederum andere Mitglieder motivieren kann, das Projekt ebenfalls zu unterstützen. „Bisher war das Spenden meist eine Einbahnstraße – wir wollen es zum Kreisverkehr machen“, so Behnke.

Fundraising-Kosten online senken

Gleichzeitig trägt das Internet dazu bei, die häufig als zu hoch beklagten Fundraising-Kosten der klassischen Hilfsorganisationen zu senken. Stephanie Sczuka, Fundraisierin bei Action Medeor, sagt: „Die konventionelle Neu-Akquise eines Spenders kostet action medeor zwischen 70 und 90 Euro. Für unsere Projekte sind über betterplace.org in kurzer Zeit 15.000 Euro zusammengekommen. Allein die Akquise dieser neuen Spender hätte uns auf konventionellem Wege rund 17.000 Euro gekostet.“ Natürlich bleibe aber noch abzuwarten, wie sich die Spendertreue über die kostenlose Plattform entwickelt, so Sczuka weiter.

Neben den großen Hilfsorganisationen ist das Internet aber insbesondere auch für unzählige kleine Initiativen eine Chance, ihre Arbeit bekannt zu machen. Diese Projekte vor Ort, die bisher häufig keinerlei Öffentlichkeit hatten, haben dank des Internets erstmals die Möglichkeit, weltweit um Unterstützung zu werben. Im Falle von betterplace.org können dies auch Projekte und Organisationen tun, die im Ausland ihren Sitz haben und daher vom deutschen Finanzamt nicht als gemeinnützig anerkannt werden können, oder die zu klein sind, als dass sich der Aufwand für den Erwerb eines Spendensiegels lohnen würde. Um ein Projekt auf betterplace.org vorstellen zu können, gilt: Die gute Absicht genügt. Denn das Berliner Start-up um den 30-jährigen Behnke kontrolliert die vorgestellten Projekte nicht.

Diese Offenheit ruft natürlich auch Kritik hervor. So hält Burkhard Wilke, Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen, Herausgeber des DZI Spendensiegels, den freien Zugang zu betterplace.org für „gewagt“. Im Berliner Tagesspiegel sagt er, die Kommentatoren im Betterplace-Netz könnten lügen und mit bildreichem Aufwand vortäuschen, afrikanischen Kindern zu helfen, während sie das Geld für eigene Zwecke nutzen.

Behnke widerspricht: „Selbstverständlich können wir nicht jedes Projekt auf der Welt kontrollieren – das kann niemand. So ehrlich muss jeder sein, der im sozialen Sektor arbeitet. Aber wir können neben den bekannten Vertrauensmechanismen, wie das DZI Spendensiegel oder die Annerkennung der Gemeinnützigkeit durchs Finanzamt, die wir beide auch auf unserer Plattform anzeigen, eine bisher übersehene Dimension hinzufügen: Den einzelnen Menschen und seine positiven – oder auch negativen – Bewertungen, Reiseberichte und Kommentare.“ Wikipedia diene dabei als positives Beispiel, so Behnke weiter, ebenso wie die Bewertungen von Dienstleistungen oder Produkten in anderen Gemeinschaften des Web 2.0. „Diese ‚Schwarmintelligenz’ ist als eine wichtige Ergänzung zu den bisherigen Vertrauensmechanismen zu sehen. Wir trauen den Menschen und der engagierten Gemeinschaft zu, kompetent über Spenden zu entscheiden, wenn sie die nötigen Informationen vorfinden.“ Niemand auf betterplace.org spende an zwielichtige Projekte, die ein, zwei vermeintlich positive Bewertungen hätten.

Bereits überzeugt: Ashoka und Prof. Eigen, Gründer von Transparency International

Behnke und sein Team sind mit diesem Urteil nicht alleine. Das Konzept von betterplace.org findet mehr und mehr Fürsprecher – auch prominente. Neben Ashoka, der weltweit größten Organisation für Social Entrepreneurs, gehört auch Prof. Dr. Peter Eigen zu den Unterstützern des zwei Jahre alten Portals. „Die bisherige Form der weltweiten Hilfe bedarf der Erneuerung. Sie muss transparent, partizipativ und unmittelbar sein – so wie betterplace.org“, erklärt der Gründer von Transparency International, einer der weltweit renommiertesten Organisationen im Kampf gegen die Korruption, die bekanntlich eines der größten Probleme der Entwicklungszusammenarbeit darstellt. Dabei hat Eigen, wie er sagt, bisher weder je einen Wikipedia-Artikel gelesen, noch sich als Mitglied bei Facebook angemeldet. Nur ein paar Videos auf YouTube habe er sich schon mal angesehen. Eines davon über ein Projekt auf www.betterplace.org.

Wo landen Fußgemalte Weihnachtspostkarten bei Euch?

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Es ist wieder mal die Zeit im Jahr wo unsere Briefkästen überquellen mit den Postwurfsendungen der großen Hilfsorganisationen. Gestern erhielt ich einen dicken Brief mit einem guten Dutzend Postkarten von Mund- und Fußmalenden Künstlern, natürlich begleitet von einem Überweisungsträger.

Welch wahnsinnige Verschwendung! Denn natürlich landeten die Weihnachtspostkarten in meinem Papierkorb – wie bei mindestens 95% der Bevölkerung.

Am gleichen Tag erreichte mich eine mail von Brian Walsh von Liquidnet mit einem Artikel von William F. Meehan Why we need a more efficient social capital market – and how we can get there (leider funkioniert der Link zu diesem Artikel im Stanford Social Innovation Review nicht, Danke Basti für den Hinweis), der Zahlen für diese Verschwendung bereit hielt:

Dort heißt es:

Offensichtlich ist der Kapitalmarkt für soziales Engagement schmerzlich ineffizient …  Es fehlt an kostengünstigen Transaktionsprozessen … Im profitorientierten Kapitalmarkt müssen Unternehmen zwischen $2 und $4 für Marketing, Rechtsrat etc. ausgeben, um sich $100 zu beschaffen – bei non-profit Organisationen liegt dieser Betrag zwischen $10 and $24 (die verwendet werden um an Spenderlisten heranzukommen, Direct Mails zu verschicken oder Telefonanrufe zu machen). Die Manager gemeinnütziger Organisationen verbringen 30 – 60% ihrer Zeit mit der Suche nach und Pflege von Spendern – Ressourcen, die meist nicht in den offiziellen Bilanzen der Fundraiser und NGOs auftauchen. Dazu kommen noch die $12 bis $19 pro $100 , die für Verwaltungskosten draufgehen.

… Alles in Allem fressen die Kosten der Kapitalbeschaffung zwischen 22 – 43% der eingenommenen Spenden.

Gemeinsam mit den anderen Internet Plattformen für soziales Engagement versuchen wir genau diese Entwicklung zu stoppen und eine kostengünstige Alternative für die Finanzierung sozialer Ziele durchzusetzen.

Bitte macht mit: Jeder der in der Vorweihnachtszeit über betterplace spendet, trägt dazu bei, dass mehr Geld in die Projekte fließt als in den Papierkorb.

Twende Pamoja: Wie ein kleiner Verein sein Fundraising auf betterplace auslagert

Im Kleinen ganz groß – dafür ist der Verein Twende Pamoja ein wirklich gutes Beispiel. Denn auch ohne einen mächtigen Fundraising-Apparat und fast ausschließlich über betterplace.org hat Twende Pamoja schnell und effizient Spenden gesammelt. Und das nicht zu knapp.

Twende Pamoja ist Kiswahili und bedeutet „Lasst uns gemeinsam gehen“. Das tun seit dem Jahr 2000 ein paar junge Deutsche zusammen mit ihren Freunden und Partnern aus demostafrikanischen Tansania, genauer gesagt von der Insel Sansibar. Dort sind die Hilfsprojekte von Twende Pamoja angesiedelt.

Dass die Projekte so erfolgreich bespendet wurden, liegt unter anderem daran, dass Twende Pamoja die neuen Möglichkeiten des Online-Fundraisings voll ausgeschöpft hat: Das Internet ist schnell, aktuell, anschaulich und billig im Unterhalt. Also haben Matthias Mnich, Michaela Blaske und Verena Specht-Ronique, die Projekte für Twende Pamoja bei betterplace platziert haben, zum Erlebnis gemacht. Nie konnten die Unterstützer so anschaulich auf dem Laufenden gehalten werden und nie konnte durch soviel Transparenz ein derartiges, fast persönliches Vertrauensverhältnis geschaffen werden wie jetzt mit betterplace.

Auch Niederlagen eingestehen
Zu Transparenz und Vertrauensbildung gehört allerdings auch die Stärke, eigene Schwächen einzugestehen. So hat sich Twende Pamoja zwar für die Finanzierung von Stoff für die Herstellung von Jutetaschen bedankt, gleichzeitig aber auch zugegeben, dass die Taschen nicht konkurrenzfähig sind und das Projekt im Nachhinein nicht besonders sinnvoll war.

Kontinuierliche Kommunikation mit den Spendern
Bislang haben die Twende Pamoja-Leute in ihren sieben Projekten insgesamt 167 Blogs geschrieben, das sind fast 24 Blogs pro Projekt. Dadurch werden die Projekte stets am Leben erhalten, die Berichte halten die Projekte durch aktuelle Informationen frisch und sie pflegen die Beziehungen zu den Unterstützern, indem sie Vertrauen schaffen. Jeder Nutzer, der als Fürsprecher, Besucher oder Unterstützer mit dem Projekt verbunden ist, bekommt stets eine E-Mail vom betterplace-System, wenn in dem entsprechenden Projekt gebloggt wurde oder eine neues Foto hinzugefügt wurde. „Es gibt Neuigkeiten von ihrem Projekt!“, heißt es dann, und da Neuigkeiten nun einmal interessant sind, ist man mit einem Klick auf den Link in der betterplace-Benachrichtigungsmail wieder bei dem Projekt.

Die Blogeinträge geben den Projektverantwortlichen auch die Möglichkeit, den Unterstützern zu zeigen, dass sie mit Herzblut bei der Sache sind. In Verbindung mit Fotos, die den Werdegang des Projektes veranschaulichen, wird das Spenden zum Erlebnis – zwar hat man meist „nur“ Geld oder Sachen gespendet, aber es fühlt sich fast so an, als hätte man eigenhändig mit angepackt.

Geringer Aufwand – reiche Ernte
Auf betterplace.org ein Projekt einzustellen, dauert keine 20 Minuten. Doch wird es nicht gepflegt, droht es auszutrocknen. Damit der grüne Balken weiter wachsen kann, muss man als Projektverantwortlicher Energie reinstecken. Verena Specht-Ronique arbeitet seit der Gründung von Twende Pamoja für den Verein und hat zwei Projekte bei betterplace betreut. Einige Stunden pro Woche hat sie investiert, für aktuelle Blogs, für neue Fotos und vor allem für die Aktivierung des Netzwerks. Die Resonanz beschreibt sie mit einem Wort: „Phänomenal!“. Twende Pamoja hat nicht nur zahlreiche neue (Stamm-)Spender hinzu gewonnen. Während die Möglichkeiten der Geldakquise in Prä-betterplace-Zeiten sehr begrenzt waren, konnte der

Verein nun auch seinen Bekanntheitsgrad international erweitern. „Heute bekommen wir sogar Unterstützung aus England – eine super Öffentlichkeitsarbeit!“, so Verena. Als kleiner Verein hat Twende Pamoja das Online-Fundraising quasi outgesourct und seine Projekte auf der eigenen Homepage direkt zu betterplace verlinkt. Dort werden sie ausführlich beschrieben und vom Web of Trust bewertet.

Netzwerk aktivieren
Ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg ist die Aktivierung des Netzwerkes. Man muss die kleine Flamme des Streichholzes an viele Stellen halten, um das Lagerfeuer ordentlich anzufachen, sprich: Man muss Mails schreiben, bis das Adressbuch erschöpft ist, man muss Kollegen, Freunde und Verwandte auf das Projekt bei betterplace aufmerksam machen, den Link rumschicken, in die eigene Email-Signatur aufnehmen, bei Facebook posten, in die Statusleiste seiner Messenger schreiben oder einfach nur Gott und der Welt davon erzählen. Immer mit dem Hinweis: Weitersagen! „Aber auch die Bewertung des Projektes ist wichtig“, sagt Verena. Sie hat auch immer um viele Sternchen in der Bewertungsleiste des Projektes gebeten, denn so kommt das Projekt höher auf die Projekt-Übersichtsseite bei betterplace.

Jetzt posten die Begünstigten ihr eigenes Projekt
Da betterplace da ist, wo das Internet ist, ging Twende Pamoja einen konsequenten Schritt weiter: Der Verein schulte die Menschen auf Sansibar im Umgang mit betterplace.org (mit über betterplace gesammelten Laptops). Wieder einen Flug, einen Umweg gespart: Die Sansibari sammeln jetzt eigenständig für den Bau einer Straße zu einer Entbindungsstation und einen wichtigen Brunnnen. Effizienter geht es kaum.

Good Practice: action medeor auf betterplace.org

Auch die Großen fangen mal klein an. Das Deutsche Medikamenten-Hilfswerk action medeor versorgt seit 45 Jahren die Menschen in den armen Regionen der Welt mit dem Nötigsten. Über 10000 Gesundheits- stationen in 140 Ländern werden von dem Verein beliefert, allein im Jahr 2008 wurden 360 Tonnen Medikamente und medizinische Geräte im Wert von über 10 Millionen Euro verschickt. Die Botschafterin von action medeor ist Anke Engelke.

Bei betterplace dabei sein – eine Investition in die Zukunft
Warum also platziert ein Großer wie action medeor seine relativ kleinen Projekte bei betterplace? Ist es das Kleinvieh, das auch Mist macht, wenn der millionenschwere Verein um Spenden für Moskitonetze zum Stückpreis von fünf Euro wirbt? Die Antwort auf diese Fragen mag pathetisch klingen, aber: Es ist eine wichtige Investition in die Zukunft. „Durch betterplace haben wir neue und vor allem auch junge Spender hinzu gewonnen“, sagt Steffi Sczuka, Fundraiserin bei action medeor. Denn action medeor hat das gleiche Problem wie viele andere traditionsreiche Hilfsorganisationen auch: Die Stammspenderschaft ist alt. Ob die Kinder und Kindeskinder dieser Menschen genauso eifrig spenden werden ist fraglich, also wächst der Druck, neue Stammspender zu akquirieren.

Aktualität überzeugt
Steffi Sczuka kam durch den Tipp einer Freundin auf betterplace.org. Ihr gefiel nicht zu letzt die Optik, also blieb sie und stellte die ersten Projekte bei betterplace online. Doch im Gegensatz zu einer kleinen Organisation wie Twende Pamoja schrieb Steffi keine Mails an Freunde, Bekannte oder gar die Stammspender. Die sind ohnehin eher offline und bleiben auf ihrem eingetreten Pfad des Dauerauftrags. Steffi sagt:

Als große Organisation werden wir anonymer wahrgenommen, die Menschen identifizieren sich anders mit uns, als mit einer kleinen Grasroot-Organisation.

Trotzdem war und ist action medeor mit seinen Projekten auf betterplace erfolgreich. Steffis Erklärung: „Wir sind aktuell.“ Eines der ersten betterplace-Projekte von action medeor betraf die Cholera-Epidemie in Simbabwe. Kurz nachdem die Katastrophe durch die Medien ging, waren bei betterplace 2000 Euro für 200 Behandlungen mit Medikamenten zusammen. Durch die Aktualität wurde das Projekt auch vom betterplace-Team herausgestellt, im Blog erwähnt und kam auf die vordersten Plätze der Startseite. Die Konkurrenz zwischen den Organisationen kommt noch anders zum Ausdruck: „Wir waren die Einzigen, die auf betterplace Hilfe für die Cholera-Epidemie anboten.“

Ähnlich war es mit dem Erdbeben auf Sumatra im September diesen Jahres: Um 14 Uhr was es in den Nachrichten, um 18 Uhr war ich mit dem Projekt auf betterplace“, erinnert sich Steffi. Diese wichtige Akquise von neuen, zusätzlichen Spendern ist sehr effizient. „Das Einstellen der Projekte dauert keine Stunde“, sagt Steffi, „und die Pflege, das Bloggen läuft dann so nebenbei.“

Extrem kostengünstige Gewinnung von Neuspendern
Die konventionelle Neu-Akquise eines Spenders kostet action medeor zwischen 70 und 90 Euro. Das entspricht fast 20 Moskitonetzen. Viele großen Organisationen müssen sogar ein Drittel des „Lifetime values“ eines Spenders in seine Akquise investieren. Steffi ist auch von Anfang an auf betterplace zugegangen, denn für die Internet-Plattform arbeiteten richtige Menschen, die man anrufen und um Rat fragen kann, mit denen man im Dialog Ideen entwickeln kann. So bleibt action medeor bei den betterplace-Mitarbeitern auch stets präsent, die den Verein wiederum gegenüber Unternehmenskunden promoten.

Das Ergebnis: Für action medeor sind innerhalb eines Jahres 12250 Euro zusammengekommen, gespendet von 212 Spendern. Allein die Akquise dieser neuen Spender hätte auf konventionellem Wege rund 17000 Euro gekostet. Bei betterplace hat jeder durchschnittlich 57 Euro für action medeor gespendet, das wäre auf konventionellem Wege noch nicht einmal genug gewesen, um die Akquise-Kosten zu decken. Über betterplace wurde so aber vielen Menschen geholfen. Da das Vertrauen zu den Spendern ein kostbares Gut ist und die Transparenz nie und auf keinen Fall außer Acht gelassen werden darf, will Steffi demnächst einen scheinbar langweiligen Bedarf einstellen: Verwaltungskosten. Denn obwohl 100 Prozent der Spende weitergeleitet werden, darf man nicht vergessen, das gerade bei größeren Organisationen ein Teil davon für allgemeine Verwaltungskosten benutzt werden muss.

Anke Engelke als Ass im Ärmel
Neben der schnellen Verbreitung von aktuellen Hilfsaktionen, hat action medeor noch ein Ass im Ärmel: Anke Engelke. Die Schauspielerin ist eine einzigartige Fürsprecherin und zieht die Besucher von betterplace.org durch ihre Prominenz auf die Projektseiten von action medeor. Doch bei dieser Abgrenzung zu anderen, quasi Konkurrenzprojekten, will es Steffi nicht belassen. „Man muss seine Projekte zu etwas Besonderem machen“, sagt sie und plant, mehr Videos bei betterplace unterzubringen.

Noch dominieren konventionelle Methoden des Fundraisings, doch das Online-Fundraising, wie es auf betterplace geschieht, wird weiter wachsen, glaubt auch Steffi.

Was! Ihr kontrolliert die Projekte nicht?

3. Teil Sommerlektüre: What Would Google Do? Teil 1 und Teil 2

Jeder von uns aus dem Team, der Außenstehenden beschreibt, wie betterplace funktioniert, ist mit der Frage konfrontiert worden, wie es denn mit der Kontrolle der Projekte steht. Wenn wir entgegnen, dass betterplace eine offene Plattform ist, auf der jeder sein Projekt einstellen kann, kommt oft der Einwand: Aber dann öffnet ihr doch die Tore für Missbrauch und Betrug!

Jeff Jarvis hat in What Would Google Do? auch hierfür eine gute Antwort: Natürlich, schreibt er, gibt es im Internet (ebenso wie in der Offline Welt) Betrug. Es gibt z.B. Menschen, die – wie ich in einem meiner letzten blogposts beschrieben habe  – fake NGOs gründen, nur um sich selbst zu bereichern.

Aber zugleich ist das Internet voller Beweise dafür, dass es unzählige Menschen gibt, die sich dafür einsetzen, dass solche Betrügereien aufgedeckt werden (wahrscheinlich sogar mehr als in der Offline Welt). „We can fact-check your ass“ zitiert Jarvis den Blogger Ken Layne.

Beispiel Wikipedia

In den 2.3 Millionen Einträgen von Wikipedia gibt es viele Fehler -  aber viel erstaunlicher ist es, wie schnell diese gefunden und korrigiert werden. Dazu eine kleine betterplace Geschichte: meine Kollegin Josefina Petrus saß vor kurzem beim Abendessen mit einem Internetkritischen Journalisten, der das durch Wikipedia erzeugte Pseudowissen beklagte. Bürgerjournalismus ist nicht gerade etwas, was viele Journalisten erfreut. Daraufhin machte Josefina ein Experiment: Vorm Hauptgang veränderte sie im Wikipediaeintrag zu Frank Walter Steinmeier, den Beruf seines Vaters. Der Journalist fühlte sich in seiner These bestätigt: so einfach sei also die Geschichtsfälschung im Netz. Doch noch bevor der Dessert serviert wurde hatte jemand den Fehler bemerkt und korrigiert!

Wikipedia ist ein lebender Beweis dafür wie viele Menschen bereit sind – ohne Geld und sichtbare Anerkennung – Fehler zu korrigieren. Das was sie im Gegenzug erhalten ist einfach nur die Befriedigung etwas richtig gemacht zu haben.

Gibt es diesen Brunnen wirklich?

Genauso verhält es sich auch mit betrügerischen Projekten. Menschen werden Projekte überprüfen und kontrollieren: Gibt es dieses Waisenhaus bei mir um die Ecke wirklich? Ist dieser Brunnen in Ostafrika wirklich gebohrt worden? Journalisten, Reisende, Nachbarn, Projektnutznießer und Experten, sie alle können sich Projekte ansehen und eventuelle Missstände und Betrügereien aufdecken. 

Im Falle dass diese als betrügerisch gemeldeten Projekte von einer renommierten Organisation durchgeführt werden (und das es solche faulen Äpfel selbst unter den etablierten gut beleumundeten Hilfsorganisationen gibt, ist ein offenes Geheimnis), tut diese gut daran, sich nicht zu verschanzen, sondern offen mit dem Problem umzugehen.



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