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Verdrängt Haiti-Hilfe Spenden für andere Projekte?

In seinem Beitrag zur Haiti-Hilfe prognostizierte Alexander Glück, “Initiativen, die nicht in Haiti engagiert sind, stehen vor einem Spendeneinbruch”. Diese Frage haben wir auch im Team diskutiert – und auf der Basis von betterplace.org analysiert.

Mehr Spenden für Haiti – mehr Spenden für andere Projekte
Und siehe da, das Gegenteil ist der Fall! Im Vergleich zu den Vormonaten weisen unsere Zahlen zwischen dem 15. – 26. Januar 2010 ganz eindeutig darauf hin, dass viele Menschen, die auf Haiti-Projekte gespendet haben, zur gleichen Zeit auch noch andere Projekte unterstützen. Sind sie erstmal auf der Plattform und in Spendenlaune schauen sie sich auch Projekte an, die nichts mit Katastrophenhilfe zu tun haben und drücken auf den Spendenknopf.

Engagement ist offensichtlich kein Nullsummenspiel. Und das freut uns sehr!

Fünf Prognosen zur Haiti-Hilfe – von Alexander Glück

Im Zuge der Katastrophe in Haiti kommen über betterplace.org täglich sehr viele Spenden für Organisationen zusammen, die in der Nothilfe engagiert sind, von Care International über das Deutsche Rote Kreuz bis zu dem Bündnis Aktion Deutschland Hilft. Unser Gastblogger Alexander Glück setzt sich sehr kritisch mit diesem Thema auseinander. Bestimmt teilen nicht alle aus dem betterplace Team alle seine fünf Thesen, aber wir finden es wichtig, dass auch diese Sicht auf die Nothilfe-Aktionen eine Stimme bekommt und sind gespannt auf Eure Meinung:

Kaum schreibt man ein kritisches Buch zum Spendenwesen, steht schon die nächste Großspendenaktion ins Haus und bestätigt die Mechanik, die in “Die verkaufte Verantwortung” (Essen: Stiftung & Sponsoring, 2009) ausführlich beschrieben ist. Wenn die darin enthaltenen Aussagen stimmen, wird man sich demnächst auf Entwicklungen einstellen müssen, die folgende Prognosen zulassen:

1.. Es werden neue Spendenrekorde aufgestellt. Der Akuthilfe bringt das zunächst nichts.

Täglich signalisieren die Massenmedien, daß schon jetzt das Spendenaufkommen alle Erwartungen übersteigt, trotzdem blenden sie permanent Kontonummern ein, verknüpft mit wirkungsstarken Schicksalsbildern. Die Frontleute wie Anne Will, Thomas Gottschalk und als Bild-Kolumnistin sogar Angela Merkel verstärken den bereits vorhandenen Druck und rufen zu immer neuen Spenden auf, möglichst ohne Verwendungszweck, damit die Mittel für einen wirkungsvollen Einsatz verfügbar sind.

Die Probleme im Erdbebengebiet sind jedoch logistischer und technischer Natur, während die benötigten Ressourcen in großer Menge bereits vorhanden sind. Obwohl die Medien es suggerieren, rettet eine Geldzahlung, gleich in welcher Höhe, kein einziges jetzt noch verschüttetes Kind.

2.. Haiti steht vor einem tiefgreifenden Strukturwandel.

Die eingeworbenen Mittel finanzieren nicht die Soforthilfe, sondern füllen die Kassen der Initiativen, die damit langfristige Aufbauprojekte finanzieren. Das ist gut und hilfreich, wird jedoch kaum thematisiert. Mit dem Wiederaufbau gehen Verteilungs- und Zuteilungskonflikte einher; ohne funktionierende Strukturen wird es zu Ungerechtigkeiten und Begünstigungen kommen. Dabei spielt es eine wesentliche Rolle, daß es in Haiti eine Oligarchie gibt, die schon vor der Katastrophe auf Kosten der breiten Bevölkerung lebte und sich auch aus dieser Mittelverteilung zu finanzieren versuchen wird. Der kommende Strukturwandel kann alte Ausbeutungsverhältnisse überwinden helfen, dafür jedoch neue entstehen lassen.

3.. Initiativen, die nicht in Haiti engagiert sind, stehen vor einem Spendeneinbruch.

Wer für Haiti spendet, wird diesen Betrag nicht mehr für eine andere Initiative einsetzen können. So wichtig die Finanzierung von langfristigen Projekten in Haiti ist, gerät in der jetzigen Spendenhysterie schnell aus dem Blickfeld, daß sehr viele andere, ebenfalls dringende Projekte künftig deutlich weniger an Spenden einnehmen werden, weil sehr viele Menschen sich nach getaner Haiti-Spende gegen eine weitere Zahlung an ein anderes Projekt entscheiden werden.

4.. Die Haiti-Thematik wird daher vermehrt auch von dort inkompetenten Initiativen bedient werden.

Schon bei der Tsunami-Katastrophe konnte beobachtet werden, wie Werbeagenturen und Fundraiser verschiedene Initiativen zu einer Übernahme dieser Thematik gedrängt haben, um ihre Spendeneinnahmen zu steigern. Dies wird sich jetzt wiederholen. Die meisten dieser Initiativen sind jedoch auf dieses Engagement nicht vorbereitet und riskieren hinsichtlich ihrer Kompetenz einen Ansehensverlust.

5.. Haiti kommt dauerhaft unter Kontrolle der Vereinigten Staaten.

Die Militärpräsenz der USA in Haiti sichert augenscheinlich die jetzt erforderlichen Strukturen für eine schnelle und effektive Verteilung der benötigten Hilfe. Das geradezu invasionsartige Auftreten der US-Soldaten wird aller Voraussicht nach für mindestens zwei Jahrzehnte zum Dauerzustand werden und ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr in direktem Zusammenhang mit der Hilfe für die Erdbebenopfer stehen.

Alexander Glück

www.der-spendenkomplex.de.tt

Der Ushahidi Situation Room: Echtzeit Landkarte der Katastrophe

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Digitale Technologien eröffnen radikal neue Möglichkeiten in Katastrophensituationen. Schaut Euch nur mal die Haiti Crisis Map des Ushahidi Information Room an. In den letzten vier Tagen sind Hunderte von Meldungen fast in Echtzeit hier zusammengelaufen; sie weisen auf in Trümmern gefangene Menschen hin: The “school behind St. Gerard still has people buried in it.” Unclear if alive or dead und versuchen verschwundene Freunde und Verwandte zu finden: looking for the entire Bontemps family in Haiti (Father Dr.Sainfard Bontemps). Sie beschreiben konkret die Arbeit von Hilforganisationen vor Ort: MSF is starting to truck drinkable water to Choscal hospital for the patients and the people nearby” ebenso wie akute Bedürfnisse und Engpässe: St. Marc: We are receiving a lot of surgery cases. We have operating rooms, nurses, equipment but no surgeons. Besucher der Website haben die Möglichkeit die einzelnen Report zu verifizieren.

Ushahidi entstand in der Krise nach den Wahlen in Kenia Anfang 2008 und ist eine open source Plattform, auf der kollektive Kriseninformationen zugänglich gemacht werden. In die Haiti Crisis Map gehen Informationen aus diversen Kanälen vor Ort ein – sowohl von Menschen in Haiti, die einen Report auf der Ushahidi Website eingeben, als auch von SMS, blogs, Emails, Radio, twitter, Facebook, Fernsehen und List-serves.

Aber Ushahidi überläßt das Crowdsourcing nicht sich selbst, sondern die Informationen werden zusätzlich von einem engagierten Team koordiniert, welches wiederum von einer Gemeinde von Freiwilligen ergänzt wird, darunter z.B. Studenten der Tufts Fletcher School (hier ein Video).

Update: Auf dem TED Blog finet ihr ein interessantes Interview mit Patrick Meier vom Ushahidi Team.

Social Media für Haiti

rc tweet

Seit der Katastrophe in Haiti zwitschert mein twitter account (eingestellt u.a. auf das Suchwort “betterplace”) ohne Unterlass: namhafte Organisationen sammeln über uns Gelder für ihre Aktionen und unzählige Twitterer rufen zu Online- und SMS-Spenden über betterplace.org auf. Zugleich nutzen viele Hilfsorganisationen wie Aktion Deutschland Hilft, die Welthungerhilfe oder Unicef ihre eigenen Facebook-Seiten und Twitterkonten um Unterstützung zu mobilisieren.

Schon jetzt zeichnet sich ab, dass noch nie so viel, so schnell für eine Nothilfeaktion eingesammelt werden konnte, wie für die Opfer des Erdbebens im Osten von Hispaniola. So kamen alleine in den USA in den ersten eineinhalb Tagen über 7 Millionen US$ Spendengelder alleine über SMS-Spenden zusammen.

Doch Technologie ermöglicht uns nicht nur schneller und mehr zu geben, sondern sie verändert auch unsere Wahrnehmungen und Erwartungen bezüglich sozialer Hilfsleistungen, sowie unsere Möglichkeiten auf Katastrophen zu reagieren. Wie Lucy Bernholz schreibt:

Part of what moves people to give to disaster relief in other places are the heartwrenching images of devastation and pain. Which we can see on TV, on our computers, on our mobile phones. But we can also use these tools to transmit data that are themselves helpful. Within hours of the quake there were several open access data sites sharing streetmaps of Port-Au-Prince, Google made new satellite imagery available, and wikis were set up to help coordinate both recovery efforts and share information with, from and for those looking for loved ones. (…)

Dieser schnelle und direkte Zugang zu Informationen verändert unsere Wahrnehmung und kann enormen Druck ausüben: Als es in der social media Gemeinde rumorte, dass ein großer Teil der gerade per SMS gespendeten Gelder nicht zu den Hilfsorganisationen fließen würde, sondern in die Bereitstellungsgebühren der Mobiltelefonkonzerne, wurde auf twitter lauthals protestiert – mit der Folge, dass wenige Stunden später alle großen amerikanischen Telefonanbieter verkündeten, sie würden die Gebühren erlassen und alle Gelder den Organisationen zugute kommen lassen.

Die neuen Technologien werden auch auf humanitäre Organisationen einen noch nie da gewesenen Druck und Kontrolle ausüben. Konnten sie in der Vergangenheit fernab von ihren Spendern weitgehend unbeobachtet ihre Arbeit leisten, können heute Menschen vor Ort, Einheimische ebenso wie Besucher, die Rettungs- und Aufbauarbeiten in Echtzeit verfolgen und weltweit verbreiten, auf Erfolge ebenso wie auf Mißstände und Unterlassungen aufmerksam machen. Bin ich zu optimistisch, wenn ich mir vorstelle, dass diese Transparenz auch zu mehr Rechenschaft und damit zu besserer Hilfe führen wird?

Karibikparadies adieu – jetzt Haiti helfen!

(c) Getty ImagesHeute Nacht erschütterte ein schweres Erdbeben gefolgt von mehreren Nachbeben Haiti. Es war das schwerste Beben seit über 200 Jahren. Der Staat im karibischen Meer ist das drittärmste Land der Welt. Nach Medienberichten wurde die Hauptstadt Port-au-Prince schwer getroffen. action medeor berichtet auf ihrer Projektseite auf betterplace.org über zerstörte Krankenhäuser. Verlässliche Angaben über die Opferzahlen gibt es bisher nicht, aber die Hilfsorganisationen gehen von hunderten bis tausenden Toten aus. Ganz zu schweigen von der Zahl der Obdachlosen, die vor dem buchstäblichen Nichts stehen.

Auf betterplace.org findet ihr Projekte unter anderem von CARE, action medeor und Aktion Deutschland Hilft, die den Menschen auf Haiti erste Nothilfe zukommen lassen. Die Möglichkeiten die Projekte zu unterstützen sind vielfältig. Hier eine Auswahl:

Online Spenden:

Auf haitihelfen.betterplace.org habt ihr die Möglichkeit Projekte, die den Erdbebenopfern auf Haiti unmittelbar helfen, online zu unterstützen. Verfolgt dabei dank regelmäßiger Berichte aus dem Katastrophengebiet auf den Projektseiten der Organisationen direkt was eure Hilfe bewirkt.

Charity-SMS:

Ihr könnt den Erdbebenopfern auch mit einer SMS helfen. Schickt dazu einfach eine SMS mit dem Stichwort “aufbau” an die Nummer 81190. Die Charity-SMS beträgt einmalig 3,17 Euro. Sowohl der Dienstleister Burda Wireless als auch die Mobilfunkanbieter verzichten dabei auf die üblichen Erlösanteile – bis auf eine minimale technische Gebühr von 17 Cent. Was mit eurer SMS bewegt wurde, könnt ihr unter haiti.betterplace.org verfolgen.

Weitersagen:

Auch auf anderem Wege könnt ihr helfen. Bindet unseren Link (haitihelfen.betterplace.org) in eure E-Mail Signatur ein, setzt eure Statusmeldung in sozialen Netzwerken auf „Jetzt Haiti helfen! haitihelfen.betterplace.org“, integriert unseren Banner auf eurer Website oder sendet euren Freunden einfach eine E-Mail. Und am besten kombiniert ihr alle Möglichkeiten!

Egal auf welchem Weg ihr die Menschen auf Haiti unterstützt, eure Hilfe kommt wie immer zu 100% an. Über die Projektseiten der Organisationen könnt ihr dabei online mitverfolgen was genau ihr bewirkt habt.

Also legt los, Haiti braucht uns!



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